Von rosa bis rockig - Babyschnuller aus Wernigerode sind in aller Munde

Cornelia Kaschel, Oliver Bertram und Torsten Sievers (v.l.) sorgen mit ihren fachlichen Kompetenzen für den Erfolg der NOVATEX-Produkte.

Rehkitz oder Auto, rosa oder hellblau – Stopfen und Mundplatten sind die Hingucker. Die Rede ist von Babyschnullern. NOVATEX in Wernigerode ist einer der führenden Hersteller. Die Gesundheit des Kindes ist für das Unternehmen oberstes Gebot.

Babyschnuller von Bon Jovi

Niedliche oder gar künstlerische Motive zieren die Babynuckel in den Farben von Rosa und Hellblau bis zu kräftigem Pink, Lila und Rot. Cornelia Kaschel leitet den Druckbereich bei NOVATEX, einem Hersteller von Schnullern, Babytrinkflaschen und Breilöffeln. Das Unternehmen hat in Sachsen-Anhalt (Wernigerode) seinen Produktionsstandort. Cornelia Kaschel hat eine Sammlung unterschiedlichster Motive aufgestellt. „Die sollen ja zunächst den Eltern gefallen“, sagt sie. Sogar Deutschlands Nationalfarben gehören dazu. Und wem gefällt der Totenkopf? Cornelia Kaschel schmunzelt und hält schon den in Schwarz und Weiß gehaltenen Katalog bereit: „Rock Star Baby“ – die Idee zu dieser Lifestyle-Marke für Babys und Kleinkinder stammt von Tico Torres. Der ist Schlagzeuger der Band Bon Jovi und will mit seiner Serie das Lebensgefühl einer rockigen Elterngeneration auch an deren Kinder weitergeben.  Oliver Bertram, der kaufmännische Leiter von NOVATEX, ist stolz, dass seine Firma diese Lizenzmarke produziert; zeuge doch der Auftrag von Vertrauen. „Hochwertige Materialien und die strenge Einhaltung europäischer Qualitätsstandards zeichnen unsere Produktion aus“, sagt er.

Kein „Plastic Planet“

Oliver Bertram ist Vater von zwei Kindern und auch aus diesem Grunde Experte für die NOVATEX-Produkte. Fühlen sich junge Eltern nicht überfordert von deren riesiger Vielfalt? Bertram weiß aus eigener Erfahrung: „Eigentlich entscheidet das Baby selbst. Es will bei dem Schnuller bleiben, an den es in den ersten Tagen seines Lebens gewöhnt wird.“ Im Vorfeld, sagt er, würden sich die Eltern sehr umfangreich informieren über die Schnuller und Sauger, die ihr Kind vom beinahe ersten Tag an in den Mund nimmt. Eine Sensibilisierung für die gesundheitlichen Gefahren synthetischer Kunststoffe sei besonders deutlich nach dem Kinofilm „Plastic Planet“ zu spüren gewesen, sagt Bertram. Im Ergebnis verzichtet NOVATEX in allen Produkten auf den Weichmacher Bisphenol A. Das Unternehmen setzt unbedenkliche Materialien ein, u.a. Naturlatex, den Milchsaft des brasilianischen  Kautschukbaums, und Silikon.

Überhaupt, so Bertram, würden Anregungen und Wünsche der Kunden stets in die Entwicklung neuer Produkte einbezogen. Wertvolle Hinweise kämen zudem von Hebammen, Zahnärzten und wissenschaftlich fundierten Studien. „Im Vordergrund steht für uns immer die Gesundheit des Kindes“, sagt Oliver Bertram und erwähnt die „Aktion Zahnfreundlich“. Ein beschirmter Zahn ist das Logo des Vereins, der die Öffentlichkeit in Sachen Zahngesundheit aufklärt und informiert. „Dentistar“, eine Eigenentwicklung von NOVATEX, ist der erste Schnuller überhaupt, der sich mit diesem Zahnmännchen schmücken darf. Gemeinsam mit Kieferorthopäden und Fachexperten wurden für drei Altersstufen des Babys Sauger mit extra flachem Schaft entwickelt, die die Kieferverformung verhindern.

„Ist doch schnulli“;  auch in USA und China

„Ist doch schnulli“ lautet eine landläufige Redewendung für egal, einfach, billig. Wenn die Endkunden im Handel einen Schnuller für wenig Geld kaufen, dann sage das gar nichts darüber aus, welch enorme Innovationen und Investitionen darin stecken, betont Diplom-Ökonom Bertram. „Nach immensen Entwicklungskosten kommt ein ganzer Maschinenpark zum Einsatz, um am Ende die Vielfalt der Schnuller zu produzieren, die dem Unternehmen die Existenz sichert.“ Torsten Sievers nickt zustimmend. Der stellvertretende Betriebsleiter von NOVATEX ist von Hause aus Werkzeugmacher. Wenn die Kollegen aus der „Forschung und Entwicklung“ einen neuen Beruhigungs- oder Flaschensauger entwickelt haben oder ein Design mit neuen Farbkomponenten, dann bringen er und sein Produktionsteam entsprechende Kompetenzen ins Spiel, um die Idee in ein Produkt umzusetzen. Genauer gesagt in eine Vielzahl von Produkten, die unter der Eigenmarke „Baby Nova“ und „Dentistar“, aber auch für Handelsmarken namhafter Drogerieketten hergestellt werden. Exporte gehen in die EU, in die USA sowie nach China.

Forschungsarbeit in Sachsen-Anhalt

Torsten Sievers brachte einschlägige Erfahrungen aus einem plasteverarbeitenden Betrieb in Halberstadt mit, als er vor beinahe 20 Jahren zu NOVATEX kam. Das Unternehmen hatte sich 1984 in Hannover gegründet und 1998 bei Halberstadt einen Produktionsstandort aufgebaut. Im Unternehmen werde seitdem die gute Zusammenarbeit mit dem Land Sachsen-Anhalt geschätzt, sagt Oliver Bertram. Das betreffe Programme zur Wirtschaftsförderung wie auch die Unterstützung bei Expansionsvorhaben. 2016 zog das Unternehmen nach Wernigerode, um seine Kapazitäten zu erweitern. „Aus einem guten Dialog mit der Investitionsbank heraus entstand auch der Kontakt zum sachsen-anhaltischen Kompetenznetzwerk für Angewandte und Transferorientierte Forschung“, sagt Oliver Bertram. Er kommt auf die Hochschule Merseburg zu sprechen: „Mit den Kunststoffexperten dort konnten wir für etliche Fragen, die im Produktionsprozess auftreten, Erklärungen finden.“ Auf betriebswirtschaftlichem Gebiet gibt es derzeit eine Kooperation mit der Hochschule Harz, um die logistischen Prozesse innerhalb des Unternehmens zu optimieren.

Und wie ist es um das große Zukunftsfeld „Industrie 4.0“ bestellt? „Das wird sehr spannend. Babyschnuller-Prototypen aus dem 3D-Drucker beispielsweise wären eine zeit- und kostensparende Innovation“, meint Oliver Bertram und ist zuversichtlich: Auch dafür werden sich in der sachsen-anhaltischen Hochschullandschaft die Forschungspartner finden.

Autor: Kathrain Graubaum

www.novatex.de