Mit Präzision Marktnischen erobert

Uwe Kaschmirzak bedient das vertikale Drückwalzzentrum in der awab Umformtechnik und Präzisionsmechanik GmbH. Mit dem Einsatz dieses modernen Verfahrens bietet das Unternehmen passgenaue Bauteile in mittleren und kleinen Losgrößen auch mit unge-wöhnlich schlanken und komplizierten Formen. (Foto: IMG Sachsen-Anhalt / Andreas Lander)

Tüfteln und wissenschaftliches Know-how nutzen, um hocheffiziente Lösungen für komplizierte Bauteile zu bieten – damit hat sich die awab - Umformtechnik und Präzisionsmechanik GmbH aus Oschersleben am Markt platziert. Den Gemeinschaftsstand des Landes Sachsen-Anhalt auf der HANNOVER Messe nutzt das Unternehmen seit 25 Jahren für die Kundenpflege.

Wenn Geometrien und Materialien schwierig werden, haben Rolf Hoffmann, seine Tochter Kathrin Wilke und die knapp 40 Mitarbeitenden der awab Umformtechnik und Präzisionsmechanik GmbH ihre Freude. Und an Widerständen wachsen sie. Firmengründer und Senior-Chef Rolf Hoffmann hatte jedoch in den Anfangsjahren nach 1990 immer den richtigen Riecher und schlug immer rechtzeitig neue Wege ein. In dem Bewusstsein, aus der Stanzerei und Umformerei der traditionsreichen Pumpenfabrik in Oschersleben das Beste übernommen zu haben: „Die Leute, die können alle richtig was. Das war den meisten nicht bewusst, die uns mitleidig in den alten Gebäuden belächelt haben.“

Rolf Hoffmann und seine Leute versuchten mit verschiedenen Industrieprodukten auf dem Markt Fuß zu fassen und fanden schließlich ihre Nische: Sie liefern umformtechnische Lösungen für kleine und mittlere Lose. „Wir haben auf Messen zielgerichtet Kunden angesprochen und ihnen erläutert, dass wir ihnen zum Beispiel statt eines schweren Gussteiles durch Umformen eine leichtere, preiswertere Lösung anbieten können“, erinnert sich der Senior. Neben den konventionellen Umformungen wie Prägen, Bördeln oder Tiefziehen hat sich awab auf das Drückwalzen spezialisiert. Das Verfahren an sich ist nicht neu, wurde aber für die Massenfertigung eingesetzt. Doch Massenproduktion können andere besser. Dagegen für einen Kunden exakt das Bauteil herstellen, das er braucht - das ist eine Spezialität des Familienbetriebs. Auch dank seiner Weiterentwicklung des Drückwalzens.

Neues Verfahren eröffnet neue Möglichkeiten

Der Seniorchef kommt ins Schwärmen über die Möglichkeiten, durch das Verfahren extrem dünne Wandstärken herstellen zu können, ungewöhnlich schlanke Bauteile und komplizierte Formen. „Dabei wird das Material kalt verfestigt, so dass die umgeformte dünnere Wandstärke hochfester wird als der Ausgangswerkstoff vor Prozessbeginn und somit einem höheren Druck standhält“, gibt der Ingenieur sein Wissen in Materialkunde weiter.

Neben den eigenen Konstrukteuren, die für den Maschinenpark die für jedes Produkt maßgeschneiderten Werkzeuge entwerfen, schwören die Firmeninhaber auf die Zusammenarbeit mit der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und der Hochschule Magdeburg-Stendal. Die Initiative für Forschungsprojekte gehe von beiden Seiten aus, berichtet Junior-Chefin Kathrin Wilke. awab habe die Zusammenarbeit jüngst intensiviert, da beispielsweise die Werkstoffe immer komplizierter werden. Und durch das CNC-gesteuerte Vertikaldrücken erschließen sich immer neue Anwendungsmöglichkeiten, so dass Bauteile mit vielfältigen Formen und höchster Genauigkeit gefertigt werden können. Dafür bedarf es nicht nur der passenden Werkzeuge, die awab selbst herstellt, sondern auch der pfiffigen Programmierung der modernen Maschinen. „Bei ganz kleinen Stückzahlen und einfacheren Formen nutzen wir auch ältere Maschinen – damit sind wir schneller fertig als mit dem Programmieren der modernen Maschinen“, schmunzelt Rolf Hoffmann beim Rundgang durch die Werkhallen.

Kooperation mit Hochschulen sichert Innovationsvorsprung

Denn längst ist awab in ein neues Domizil umgezogen. 1998 entstand der Neubau im Gewerbegebiet, vor fünf Jahren ein Anbau für ein eigenes Fertigungs- und Entwicklungszentrum für Drückwalzen. Ein Lager beherbergt die Werkzeuge, damit Nachlieferungen an Bestandskunden problemlos und in gewohnter Qualität realisiert werden können.

„Mit dem neuen Verfahren, unserer Forschung und Entwicklung und der Zusammenarbeit mit den Hochschulen werden wir auch in den nächsten Jahren die Nase vorn haben“, ist Rolf Hoffmann überzeugt. Während der nächsten Monate arbeiten awab, die Hochschule Magdeburg-Stendal und weitere Partner an einer neuen Technologie zur Fertigung von speziellen Prüfstandsmotoren. „Das ist spannend, aber dazu darf ich noch nichts sagen“, freut sich Rolf Hoffmann über die Herausforderung.

Er übergibt seiner Tochter ein gesundes Unternehmen. Seine Mitarbeiter kommen aus der Region. Sie wissen die Vielfalt der Tätigkeiten zu schätzen, die ihnen awab bietet. Auch wenn es manchmal hoch her geht. „Binnen zehn bis zwölf Wochen will ein Kunde ein Muster sehen“, sagt Rolf Hoffmann. Hilfreich sind da die Simulationen, die ihm dank der Kooperation zu den Hochschulen möglich sind. Und wenn er oder Kathrin Wilke auf der HANNOVER Messe mit Kunden ins Gespräch kommen, werden sofort erste Lösungsansätze diskutiert. „Professor Vladimir Vovk von der Otto-von-Guericke-Universität nimmt ebenfalls an der Messe teil, so dass wir uns auf kürzestem Weg austauschen können“, sagt Rolf Hoffmann.

www.awab.de

Autor: Renate Wähnelt