Pilotprojekt: Ein solares Kleinstkraftwerk für Entwicklungs- und Schwellenländer

Zahnräder aller Art zählen zu den Produkten der PHM Industrieanlagen GmbH Burg. Planen, Herstellen und Montieren von Einzelstücken oder Kleinserien, sind die Kernkompetenzen des mittelständischen Unternehmens / Rechte PHM

Die PHM Industrieanlangen GmbH aus Sachsen-Anhalt stärkt mit bundesweitem Firmennetzwerk die Fertigung von innovativen Qualitätsprodukten

Wettbewerb unter Unternehmen ist wichtig, um Volkswirtschaften auf Wachstumskurs zu halten. Ebenso wichtig ist auch der Aufbau und die Pflege von Geschäftsbeziehungen zu Zulieferern und Kunden. Das zeigt die erfolgreiche Firmengeschichte der PHM Industrieanlagen GmbH in Sachsen-Anhalt. Das Unternehmen ist ansässig in einem Industriepark in Burg bei Magdeburg.

„Der Firmenname, PHM, steht für Planen, Herstellen und Montieren präziser, komplexer Bauteile und Baugruppen“, sagt PHM-Geschäftsführer Tino Lerche. Zusammen mit seiner Schwester hat er vor zwei Jahren das Unternehmen von  Vater Joachim übernommen. Dieser hatte als Maschinenbauingenieur das Familienunternehmen 1992 gegründet. Im Jahr 2016 habendessen Kinder, nach dem erfolgreichen Abschluss ihrer Ingenieursausbildung, Geschäftsführung und Prokura übernommen. 

„Unser Markenzeichen ist das Produkt aus einer Hand“, so Tino Lerche. Das mittelständische Unternehmen  setzt darauf, moderne innovative Ideen vielfältig nutzbar zu machen, und das branchenübergreifend – vom Anlagen- und Maschinenbau, über die Walzwerks- und Hüttenindustrie, die Energie- und Umwelttechnik bis hin zum Schienenfahrzeugbau. Als Systemlieferant lieferte die PHM hochwertige Bauteile und Baugruppen unter anderem für Carl Zeiss Jena, die Deutsche Bahn, der SMS Group und der TAKRAF GmbH.

„Die Überführung von Technologie-Innovationen in andere Branchen ist unser Steckenpferd“, sagt der PHM-Geschäftsführer. Als ein Beispiel nennt er Elektronenstrahl-Verfahren, die geeignet zum Bohren, Härten und Schweißen unterschiedlicher Werkstoffe sind. Das führte beispielsweise zu einem Projekt mit der Deutschen Bahn AG: Hier konnte die PHM die fehleranfälligen Hohlwellengehäuse von Elektrolokomotiven aus Reichsbahnbeständen der DDR durch Gehäuse mit einer deutlich größeren Haltbarkeit  zu geringeren Kosten ersetzten. Möglich wurde das durch Ersatz alter Guss- und Schmelz-Fertigungstechnologien durch modernere Elektronenstrahl- und Walzschweiß-Verfahren. „Das war ein großer Fortschritt in der Fertigung von Hohlwellengehäusen, der eine Verhundertfachung der Lebenserwartung bedeutet und zugleich die Herstellkosten um fünfzig Prozent senkt“, sagt Geschäftsführer Lerche.

Solares Kleinstkraftwerk aus Burg für die Welt

Eine der jüngsten technischen Innovationen der PHM Industrieanlangen GmbH ist ein solares Kleinstkraftwerk. „Die Idee hatte ursprünglich mein Vater nach vielen Auslandsreisen“, sagt Tino Lerche. Daraus entstand ein Pilotprojekt, bei dem mit Sonnenlicht Wasser erhitzt und in Dampf verwandelt wird. Mit dem heißen Wasserdampf wird dann elektrischer Strom erzeugt. Das ist eine umweltfreundliche und ressourcenschonende Alternative zu Dieselgeneratoren, die bislang oftmals noch für den Betrieb technischer Anlagen in infrastrukturell wenig erschlossenen Regionen  notwendig sind. Als praktische Anwendungsbeispiele nennt Tino Lerche unter anderem die Stromversorgung von Signal- und Weichenanlagen in Entwicklungs- und Schwellenländern wie Indien. „Wir haben eine Testanlage entwickelt und wollen in wenigen Wochen mit ersten Tests des solaren Kleinstkraftwerkes beginnen. Bis zur kommerziellen Produktreife könnten allerdings noch mehrere Jahre vergehen. Die gesetzlich vorgeschriebenen Zulassungs-Voraussetzungen erfordern den Nachweis einer Betriebsdauer von mehr als 8.600 Stunden. Dieses Know-how öffnet PHM die Chance, zukünftig auch in den sonnenverwöhnten Entwicklungs- und Schwellenländern Fuß zu fassen.

Systemanbieter nutzt ein umfangreiches Firmennetzwerk

PHM versteht sich als Systemanbieter mit komplexen Leistungen, die von der Auftragsplanung bis zur Auslieferung eines qualitätsgeprüften Produktes reichen. Dabei nutzt das Unternehmen seine Kontakte zu rund 1.400 Unternehmen des Anlagen- und Maschinenbaus. „Viele dieser klein- und mittelständischen Unternehmen haben sich auf Kernkompetenzen wie beispielsweise  das Elektronenstrahlschweißen spezialisiert“, so Tino Lerche. „Unsere Aufgabe ist es, diese Leistungen im Interesse von Großkunden zu verzahnen“, ergänzt der PHM-Geschäftsführer. Ziel ist es, dem Endkunden qualitativ hochwertige, innovative Erzeugnisse zu optimalen Preisen anzubieten. 

Das Unternehmen aus Sachsen-Anhalt nutzt dabei sein Fertigungsnetzwerk mit besonderen Kernkompetenzen im Maschinen und Anlagebau. Etwa 96 Prozent dieser Unternehmen produzieren in Deutschland, ein kleinerer Teil ist in den europäischen Nachbarländern wie Frankreich, in der Schweiz und den Niederlanden zu Hause. Eine enge Zusammenarbeit besteht zu Anlagen- und Maschinenbauern in Umkreis von Burg und Magdeburg sowie Staßfurt. PHM ist außerdem Mitglied im Cluster Sondermaschinen- und Anlagenbau (SMAB) Sachsen-Anhalt und arbeitet mit den Universitäten und den Hochschulen des Landes Sachsen-Anhalt zusammen.

Investitionen in moderne zerstörungsfreie Mess- und Prüftechniken

„Wissens- und Technologietransfer über verschiedene Branchen hinweg spielt in unserem Unternehmen ein große Rolle“, so Tino Lerche. Am Ende steht die PHM Industrieanlagenbau GmbH für ein Produkt von hoher Qualität. „Deshalb haben wir auch im vergangenen Jahr stark in moderne, zerstörungsfreie Mess- und Prüftechniken investiert. Damit erfüllt das Unternehmen aus Sachsen-Anhalt den Wunsch ihrer Kunden nach Qualität „Made in Germany“. 

Im Zuge von Industrie 4.0 hat das Unternehmen aus Sachsen-Anhalt viele Geschäftsprozesse digitalisiert– unterstützt durch einen Regionalprovider aus Magdeburg, der das Burger Industriegebiet an das World Wide Web angeschlossen hat. „Unsere gesamten Geschäftsprozesse sind inzwischen digitalisiert“, so Tino Lerche. Aktuell reicht die Datenbreite noch aus. Langfristig erhofft sich das Unternehmen einen weiteren Ausbau, um auch große Datenmengen von dreidimensionalen Objekten übertragen zu können. 

www.phm-burg.de

Autor: Uwe Seidenfaden

nächster Beitrag