Finsterwalder fährt in Europa auf Wachstumskurs

Die 230 modernen Lastkraftwagen der in Halle (Saale) beheimateten Finsterwalder Transport und Logistik GmbH (FTL) sind täglich nicht nur auf deutschen Straßen, sondern in ganz Europa unterwegs. Ob im Norden oder Süden, ob in Spanien oder Bulgarien: Das 1937 entstandene Unternehmen, das 1990 in Halle und Merseburg  Standorte gegründet hat, befindet sich auf Erfolgskurs.

„Wir wachsen nicht schnell, aber wir wachsen stetig und nachhaltig“, sagt Sven Köcke, Leiter Marketing/Vertrieb/Immobilien des Unternehmens. Im Herbst vergangenen Jahres kletterte die Mitarbeiterzahl in dem halleschen Logistikunternehmen über die Marke von 800. „Vor zehn Jahren waren wir 300. In absehbarer Zeit wollen  wir über 1.000 Männer und Frauen beschäftigen“, sagt Köcke voller Zuversicht. „Wir wachsen mit der Region und profitieren von ihrer geografischen Lage“, erklärt der 37-Jährige, der auch dem Logistikbeirat des Landes Sachsen-Anhalt angehört und Vorstandsvorsitzender der Landesfachkommission Verkehr beim Wirtschaftsrat Deutschland ist.

Mitteldeutschland sei eine Logistik-Drehscheibe.

Hier kreuzten sich große Warenströme, würden aufgespalten und über ganz Europa verteilt. Aus guten Gründen hätten deshalb auch solch große Logistik-Unternehmen wie Amazon, Rossmann, Hermes, Kaufland oder einst auch Quelle Standorte in der Region gegründet.

Das Schkeuditzer Autobahnkreuz gilt seit ewigen Zeiten als Ort, an dem sich Handelsstraßen von Nord- nach Süd- und von West- nach Osteuropa kreuzen. Das gelte nach wie vor, erklärt Köcke. Die hervorragende Verkehrsinfrastruktur verstärke diesen Vorteil. Dieser Vorzug werde noch stärker zum Tragen kommen, wenn auch die seit Jahren unvollendete Mitteldeutsche Autobahnschleife mit der A 143 im Westen der Großstadt geschlossen würde. Diese Lücke im Autobahnnetz bremse Finsterwalder ebenso wie das fehlende Teilstück der so genannten Osttangente in Halle. Das führe zu längeren Wegen bis zur Autobahn und damit zu einer höheren Umweltbelastung, kritisiert der Hallenser.

Die Deutsche Bahn AG investiert weit über 400 Millionen Euro in den Neubau einer Zugbildungsanlage und die Modernisierung des Knoten Halle/Saale. Damit werde sich die Attraktivität Sachsen-Anhalts für Logistik-Unternehmen weiter erhöhen, ist sich Köcke sicher.

Das sind einerseits Firmen aus der Region. Sie kommen hauptsächlich aus der chemischen Industrie, aus der Nahrungsgüterwirtschaft, aus dem Maschinenbau und der Papierindustrie.

Eine zweite  bedeutende Kundengruppe sind nach Köckes Worten große Handelshäuser, die in Fernost produzieren lassen und Logistik-Drehkreuze benötigen, um ihre Waren in Europa verteilen zu können. Für solche Kunden hat FTL einen Seehafenhinterlandverkehr eingerichtet. „Wir holen Waren in Containern aus den Überseehäfen in Hamburg, Rotterdam und Bremerhaven ab und transportieren sie nach Halle. Zum Teil kommen die Container auch per Schiff über die Elbe bis zum Hafen Aken, von wo aus sie über die Straße nach Halle gelangen. Dort würden die Container geöffnet, entsprechend der Vorschriften dekontaminiert und die Waren an Empfänger in ganz Europa verteilt. Köcke bezeichnet es als für die mitteldeutsche Logistikbranche glücklichen Umstand, dass viele Länder in Osteuropa nicht an die Weltmeere angeschlossen sind. Sie seien auf den Weitertransport von Gütern auf dem Land angewiesen.

Täglich werden mit Partnern in allen Teilen Europas 700 Fahrzeugeinheiten disponiert.

FTL betreibt in Halle einen von zwölf Railports in Deutschland. Damit schließt die Deutsche Bahn AG die Lücke auf der sogenannten letzten Meile des Schienengüterverkehrs für Kunden, die über keinen eigenen Gleisanschluss verfügen. FTL verfügt über ein 2,5 Kilometer langes eigenes Schienennetz, über Gleisrampe und Rangierlokomotiven.

Heute hat die Finsterwalder Transport und Logistik GmbH in Sachsen-Anhalt zwölf Betriebsstätten. In Schkopau hat sie einen Neubau errichtet. An acht Standorten in Halle sowie in Eisleben, Merseburg und Bad Lauchstädt hat das Familienunternehmen ehemalige Industrieobjekte von DDR-Betriebe übernommen und zu neuem Leben als Lager- und Logistikflächen verholfen. Die Betriebsfläche beträgt an allen Standorten 500.000 Quadratmeter. Das ist eine Größe von fast 70 Fußballfeldern. Insgesamt wurden über 50 Millionen Euro investiert.

Die Weichen auf dem FTL-Gelände sind auf Wachstum gestellt.

Ausgebaut werden soll der Schwergutumschlag. Eine Deckenkrananlage mit Gleisanschluss ist bereits vorhanden. Als Kunden werden vor allem Firmen des Maschinen-, des Fahrzeug- und des Anlagenbaus gesehen. Erweitert werden soll auch der Umschlag von Übersee-Containern. 2011 hat FTL über 6.000 Container transportiert. Das Aufkommen in der Region sei groß genug für einen weiteren Containerumschlagplatz für den kombinierten Verkehr von Straße und Schiene, so Köcke.

2011 sind Niederlassungen im niederländischen Venlo und im estnischen Tartu zu den deutschen Standorten hinzugekommen. Im selben Jahr ist Michael Finsterwalder in das Management des Unternehmens eingestiegen. Damit dürfte nach Firmengründer Eugen und dem derzeitigen geschäftsführenden Gesellschafter Klaus Finsterwalder auch in dritter Generation die Fortführung der Firma als Familienunternehmern gesichert sein, erklärt Köcke. Aber auch die Ausbildung von Azubis sichert das Wachstum. So ist das Unternehmen 2011 als „TOP Ausbildungsbetrieb der IHK Halle-Dessau“ ausgezeichnet worden.

Kontakt:

Finsterwalder Transport und Logistik GmbH
Delitzscher Straße 72
06112 Halle/Saale

Sven Köcke
E-Mail: sven.koecke@finsterwalder.com
Web: www.finsterwalder.com

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