Stress mit Big Data muss nicht sein - Experten aus Magdeburg hosten am SAP UCC-Systeme für Forschung und Lehre weltweit

Stefan Weidner und Marcel Himburg vom SAP University Competence Center Magdeburg demonstrieren ihre selbst entwickelte digitale Fertigungsanlage im Baukastenformat. Konstruktionspartner ist die Fischertechnik GmbH
Foto: Kathrain Graubaum

„Ein Tennisspieler trainiert in Bekleidung aus technischem Textil mit integrierten Sensoren. Die liefern Daten von seinen Bewegungsabläufen. Wenn intelligente Programme diese Daten unter Einbeziehung individueller Parameter des Sportlers in Echtzeit auswerten, kann das Ergebnis noch in der gleichen Trainingseinheit zur Optimierung der Bewegungen eingesetzt werden.“ – Was Stefan Weidner vom SAP University Competence Center Magdeburg hier beschreibt, ist noch Vision, aber zum Greifen nah. „Mit den Produkten des deutschen Softwarekonzerns SAP arbeiten Datenbanken rasend schnell“, sagt der studierte Wirtschaftsinformatiker und betont: „Heutzutage nutzen nicht mehr nur die großen Unternehmen und IT-Experten Big Data, sondern beinahe jeder.“

SAP-Service für die akademische Ausbildung
Die meisten Forscher, in diesem Falle die Sportwissenschaftler an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, müssen sich nicht mit komplexen IT-Programmen und Datenfluten beschäftigen, sondern können mit ihren Kompetenzen die eigenen Fachgebiete voranbringen – Dank der SAP University Competence Center, kurz SAP UCC. „Wir stellen ausschließlich für Forschung und Lehre entwickelte IT-Systeme bereit und kümmern uns um alle administrativen Angelegenheiten“, sagt Stefan Weidner. Er ist der kaufmännische Leiter des SAP UCC an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Von sechs Centern dieser Art weltweit ist das in Magdeburg mit Abstand das größte. „Wir sind groß, weil wir kompetent sind“, ist Weidners Kommentar.

Rundum-sorglos-Paket
Er kann sich noch gut an seine Magdeburger Studienzeit in den 1990iger Jahren erinnern: „SAP-Kurse fielen oft aus, weil Dozenten sich neben der Vermittlung komplexer Zusammenhänge selbst um den Betrieb komplizierter Rechentechnik kümmern mussten“, erzählt er und dass Wissenschaftler aus Magdeburg als die ersten eine innovative Idee des baden-württembergischen Softwareentwicklers SAP aktiv vorantrieben: die Gründung von SAP-Service Centern für die berufliche und akademische Ausbildung. Die sollten alle Aufgaben, die mit den IT-Systemen zusammenhängen, übernehmen, so dass sich Lehrende und Lernende auf ihre eigentlichen Fachgebiete konzentrieren können. „IT-Abteilungen von Großkonzernen lagern große Teile des SAP-Systembetriebs in zentrale, professionell betriebene Rechenzentren aus. Ähnliche Strukturen auf Hochschulen zu übertragen, war ein fortschrittlicher Gedanke, der sich allerdings nicht Eins zu Eins aus der Wirtschaft übertragen ließ“, macht Stefan Weidner an einem Beispiel anschaulich: „In Unternehmen bearbeitet ein Mitarbeiter eine Bestellung oder Rechnung nach der anderen. In einer Lernsituation simulieren 20 oder mehr Studierende den gleichen Vorgang parallel. Ohne ein ausgefeiltes didaktisches Konzept ist damit jedes System überfordert.“

2001 gründeten SAP, das US-amerikanische Informationstechnikunternehmen Hewlett Packard Enterprise, die lokale Niederlassung von T-Systems und die Otto-von-Guericke-Universität (OVGU) Magdeburg eines der ersten SAP University Competence Center. Von dessen Notwendigkeit schon in den Anfangszeiten des digitalen Wandels überzeugt, trieben Professoren der Fakultät für Informatik an der OVGU die Entwicklung des Centers voran. „Bis 2007 betreuten wir deutsche Kunden. Mittlerweile zählen Bildungseinrichtungen in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika dazu“, sagt Stefan Weidner und spricht von jährlich etwa 150.000 Studierenden und 4.000 Dozenten aus Fachbereichen, die mit großen Datenmengen umgehen: Wirtschafts- und Sportwissenschaften, Ingenieurwesen, Informatik, Medizin, Geologie ... Zu den Nutzern gehören auch Industriekunden, die in Forschungsprojekte involviert sind.

Von Big Data zu Smart Data
Die SAP Rundum-sorglos-Pakete werden in Magdeburg von 30 „Data Scientists“ geschnürt. Ist der Daten-Wissenschaftler ein neuer Beruf im digitalen Zeitalter? Die Extraktion von Wissen und die Generierung von Mehrwert aus Daten seien in der Tat neue Herausforderungen, die Industrie 4.0 und das Internet der Dinge mit sich bringen, sagt Weidner. „Die höhere Stufe von Big Data ist Smart Data. Maschinen und Dinge kommunizieren miteinander, ohne den Menschen einzubeziehen.“ Unter dieser Prämisse profilierte sich 2014 das SAP University Competence Center Magdeburg zum ersten SAP Big Data Innovation Center.

„Unsere Aufgabe ist es auch, Lehrmittel und Lernumgebungen zu entwickeln, die Big Data im wahren Wortsinne anschaulich und begreiflich machen“, sagt Weidner und hat dabei nicht nur die Studierenden als Zielgruppe im Blick. Auf Informationsveranstaltungen und Messeauftritten wird jeder, der sich interessiert, in die neue fremde Welt der Daten mitgenommen. Die ist spannend, weil das Team um Stefan Weidner viele kreative Ideen hervorbringt zum Thema „Digitalisierung zum Anfassen“.

Digitalisierung zum Anfassen
Zur CEBIT in Hannover reist das SAP University Competence Center Magdeburg in diesem Jahr mit einer digitalen Fertigungsanlage im Baukastenformat. Konstruktionspartner ist die Fischertechnik GmbH, die seit Jahren aktuelle technische Entwicklungen als Themen aufgreift für ihre Baukästen, die längst über das Kinderzimmer hinaus in den Schulen wie auch in der Ausbildung und Forschung begeisterte Anwendung finden.

„Am Beispiel eines Fahrradcomputers zeigen wir, dass die Digitalisierung auch die Individualisierung vorantreibt“, sagt Marcel Himburg. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter im UCC betreut er solche Entwicklungsprojekte wie diese digitale Produktionsanlage. Der Kunde gibt am Smartphone seinen Farbwunsch ein – dann läuft alles wie von Zauberhand gesteuert: Ein Vakuumkran holt den Rohling aus dem Lager. Es folgen Lackierung, Trocknung, Qualitätskontrolle, Ablieferung – oder Auswurf bei nicht bestandener Überprüfung. Die Anlage kommuniziert mit sich selbst, korrigiert sich auch selbst wenn ein Fehler auftritt. Natürlich nicht von Geisterhand gelenkt, sondern von SAP. Auch das Magdeburger Service-Team mischt sich ein: „Wir inszenieren Störungen, um zu demonstrieren, wie souverän die Anlage auch Fehler bewältigt“, schmunzelt Marcel Himburg.

www.sap-ucc.com


 

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