Messbarer Erfolg

Im 20. Betriebsjahr setzt die Wernigeröder Katronic AG weiter auf Internationalisierung

Was den Brauerei-Giganten Coors Brewers aus Kanada und den französischen Flugzeughersteller Airbus mit der Stadt Wernigerode im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt verbindet? Nichts, würde man vermuten. Aber Karsten Frahn weiß es besser. „Beide Firmen arbeiten mit Wernigeröder Messtechnik“, sagt er nicht ohne Stolz. Der 53-Jährige ist Gründer und Firmenchef der Katronic AG & Co. KG. Sein Unternehmen ist auf Prozessmesstechnik spezialisiert und beliefert weltweit Kunden mit speziellen Messinstrumenten.

Die Firma entwickelt und verkauft Ultraschall-Messgeräte, mit denen sich das Fließtempo von Flüssigkeiten und Gasen in Rohrleitungen messen lässt. „Das Besondere dabei ist, dass wir den Durchfluss mittels Ultraschall eingriffsfrei messen. Die Sensoren werden einfach von außen an das Rohr angeklemmt. Das ist der entscheidende Vorteil gegenüber herkömmlichen Messsystemen“, erläutert Karsten Frahn.

Katronic feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Dass sein Unternehmen einmal Aufträge aus aller Welt erhält, hatte er im Gründungsjahr 1996, vielleicht gehofft, aber sicher nicht erwartet. Die Wurzeln von Katronic liegen im britischen Coventry. „Ich habe Automatisierungstechnik in Magdeburg studiert und bin nach dem Studium nach Großbritannien gegangen, weil damals die Arbeitsmarktsituation hier in Deutschland schwierig war“, erzählt er. Mit seinem Trabbi und einer Matratze hatte er sich damals auf den Weg gemacht. Nach ein paar Jahren Festanstellung wollte er sich selbständig machen und tüftelte in einer kleinen Kammer unter den Treppenstufen seines Hauses an einer Geschäftsidee. „Zuerst wollte ich die Messgeräte, die zwei kleine ostdeutsche Start-Ups herstellten, nur in Großbritannien vertreiben. Aber das hat nicht funktioniert. Ich bin eben kein Vertriebsmann“, sagt er.

Nach einem schwierigen Start bekam die Firma schließlich doch erste Aufträge. Aber wirklich aufwärts ging es erst, als Karsten Frahn und seine Mitarbeiter 2003 entschieden, fortan eigene Messtechnik zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Seitdem ist die Mitarbeiterzahl von 7 auf heute 25 gestiegen – wobei ein Teil in Coventry sitzt und der andere in Wernigerode.

Zum Schritt zurück in seine Geburtsstadt in Sachsen-Anhalt entschied sich Karsten Frahn 2008. „Ich war immer schon sehr heimatverbunden“, sagt er. Hinzu kamen familiäre Gründe – er wollte näher bei den Eltern sein und wünschte sich für seine Kinder lieber ein Wernigeröder Gymnasium als eine britische Privatschule. Der Standort in der Mitte Deutschlands hat natürlich auch geschäftliche Vorteile. „Der Markt für unsere Technologie ist in Deutschland deutlich größer als in Großbritannien.“

Pro Jahr werden rund 1.000 Messgeräte in alle Welt verschickt. Die Einsatzfelder der Messausrüstung sind so vielfältig wie anspruchsvoll und reichen von der Tiefsee bis ins Weltall, von der Lebensmittelindustrie über die Energieerzeugung bis zum Schiffbau. „Besonders häufig werden unsere Ultraschalldurchflussmesser in der Wasserindustrie verwendet, aber sie kommen auch im Rahmen von Weltraumforschungsprojekten und in U-Booten zum Einsatz“, sagt Karsten Frahn. Die Instrumente können an Rohrleitungen verschiedenster Materialien und Durchmesser verwendet werden – und es spielt keine Rolle, ob sich im Rohr hochreine oder verschmutzte, harmlose oder aggressive Medien befinden. „Die Technologie kann zum Beispiel auch in der Kernenergie eingesetzt werden. Hierbei sind eingriffsfreie Messinstrumente zur Überwachung radioaktiver Flüssigkeiten die ideale Lösung.“

Katronic erschließt übers Internet, durch Anzeigen und Artikel in Fachmagazinen und über Vertriebspartner auf den verschiedenen Kontinenten internationale Märkte. Wegen des Brexits muss sich das Unternehmen nun auf neue Rahmenbedingungen einstellen. Bislang lief ein Großteil des Vertriebs über den Standort in Coventry, doch mit dem EU-Austritt Großbritanniens muss Karsten Frahn das überdenken. „Natürlich müssen wir auf den Brexit reagieren“, sagt der Geschäftsmann. „Es ist mit Handelsbarrieren zu rechnen. Ich vermute, dass der Export innerhalb der EU um bis zu 15 Prozent teurer werden könnte. Wir müssen aber wettbewerbsfähig bleiben und können nicht einfach die Preise erhöhen.“ Am britischen Standort will er aber auf jeden Fall festhalten – schließlich steht dort, im übertragenen Sinne, die Wiege seines Unternehmens. Von Großbritannien aus könne man wunderbar den nord- und südamerikanischen sowie den asiatischen Markt beschicken.

Im November will Karsten Frahn seine Fühler in ein Land ausstrecken, in dem seine Messtechnik noch nicht im Einsatz ist. Er reist mit anderen sachsen-anhaltischen Unternehmern nach Havanna. Dort findet die FIHAV statt, die größte Wirtschaftsmesse Kubas und der Karibik. Im vergangenen Jahr waren hier 900 Unternehmer aus 70 Ländern vertreten. Ob die Reise und der Messeauftritt einen Nutzen bringen werden, weiß der Geschäftsführer freilich noch nicht. Aber er ist zuversichtlich: „Für die dortige Energietechnik, Wasser- und Abwassertechnik oder die Nahrungsmittelindustrie sind unsere Geräte sicherlich attraktiv.“ Er kennt das Land durch private Reisen und weiß, dass die Kubaner nach wie vor eine positive gefühlsmäßige Bindung zur ehemaligen DDR haben. „Viele haben ja damals hier studiert oder gearbeitet. Vielleicht gelingt es uns, den Faden wieder aufzunehmen und dort nun neue Kontakte zu knüpfen.“ Er ist gut gerüstet: Ein großer Stapel Katronic-Broschüren – die Texte über das Unternehmen und die einzelnen Messgeräte wurden ins Spanische übersetzt – liegt jedenfalls schon für die Kuba-Reise bereit.

Text/Foto: Dana Toschner

Weitere Informationen über die Präsentation Sachsen-Anhalts auf der FIHAV 2016 in Havanna/Kuba finden Sie .

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