Ein Eselsohr für Wissenschaftler

„Exzellentes Werkzeug.“ „Sehr, sehr nützliche Software.“ „Ich wünschte, ich hätte eher davon erfahren.“  Wer wissenschaftliche Texte schreibt, hat dabei stets mit unzähligen Quellen zu tun – und das große Los gezogen, wenn er das Programm Docear auf seinem Rechner installiert hat. Denn Docear, entwickelt von drei Gründern aus Sachsen-Anhalt, macht das Jonglieren mit Literatur und Zitaten, mit Quellennachweisen und eigenen Notizen zum Kinderspiel. Das wissen bereits zehntausende Studenten und Wissenschaftler auf der ganzen Welt zu schätzen. 

„In der Tat: Auch das Plagiieren wird einfacher.“ Bei diesem Gedanken muss Jöran Beel lachen. „An diese Möglichkeit haben wir noch nicht gedacht.“ Zusammen mit seinen beiden Partnern Stefan Langer und Marcel Genzmehr hat der 33-Jährige eine Software entwickelt, die das Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten spektakulär vereinfacht. In Büros von China über Europa bis in die USA sitzen Studenten und Akademiker, die mit Hilfe von Docear ihre Texte verfassen. Das beweisen nicht nur die mehreren zehntausend Downloads des Programms, sondern auch die Kommentare auf der Internetseite docear.com.

Der Name hat weniger mit der wörtlichen Übersetzung „Dokumentenohr“ zu tun, sondern mit der Aussprache von Docear. Die klingt nämlich ähnlich wie jene von „Dogear“, was im Englischen „Eselsohr“ bedeutet – als Anspielung darauf, dass man sich mit Docear gut merken kann, wo etwas steht.

Das kostenlose Programm setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen. Zentrale Einheit ist die Mindmap, ein Dokument, das alle Inhalte übersichtlich anordnet und die Beziehung der Teile zueinander visualisiert. Wie eine Krake, deren Tentakel sich ebenfalls immer wieder aufteilen.  Während der Nutzer Quellen durcharbeitet, also Textdokumente oder PDFs, überträgt Docear sämtliche, als relevant markierte Zitate in die Mindmap. Auch Notizen, die der Nutzer in den Quellen verfasst, sind importierbar. Gleiches gilt für Fotos und Grafiken.

Derart gesammelte Inhalte können dann in der Mindmap sortiert, gegeneinander verschoben und mit eigenen Textbausteinen ergänzt oder ausformuliert werden. „Zusätzlich stellen wir eine Datenbank zur Verfügung, die inzwischen zwei Millionen wissenschaftlicher Dokumente enthält“, erklärt Beel. Und sie wächst weiter, weil eine Suchmaschine das Netz permanent nach neuen, öffentlichen Quellen durchforstet. „Das ist in dieser Kombination einmalig.“

Die Idee entstand buchstäblich aus der Not heraus. „Ich hätte gern eine griffige Geschichte“, sagt Beel, „aber tatsächlich war es die müßige Arbeit mit den Quellen für mein Diplom, aus der heraus Docear entstanden ist.“ Seit 2011 arbeiten Langer und Genzmehr, die beiden Informatiker, und Beel, der Wirtschaftsinformatiker, in Vollzeit an der Entwicklung der Software. Ermöglicht wurde ihnen das durch das EXIST-Stipendium vom Bund und dem anschließenden ego.START-Stipendium vom Land Sachsen-Anhalt.

Auch in der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg finden die Gründer einen starken Partner. „Wir sitzen direkt an der Uni, dürfen hier kostenlos Büroräume nutzen – das ist natürlich hervorragend.“ Beels Doktorvater von der Fakultät für Informatik, Prof. Dr. Andreas Nürnberger, berät die drei Gründer in allen inhaltlichen Fragen. Das Impuls-Gründer-Netzwerk und das Interaktionszentrum der Universität griffen ihnen beim Businessplan und der Entwicklung eines Geschäftsmodells unter die Arme, begleiten die Unternehmer aber auch weiter im Aufbau der zu gründenden Docear GmbH.  

Doch jetzt, sagt Beel, gehe es um alles oder nichts. „Wir brauchen einen privaten Investor, der uns den Aufbau der Premiumdienste finanziert.“ Auf ihnen beruht das Geschäftsmodell, sie sollen die Docear GmbH zu einem hochrentablen Unternehmen entwickeln. Der Markt sei stark wachsend, und auch die Konkurrenz fürchtet der gebürtige Hildesheimer nicht. „Es gibt kein vergleichbares Produkt, das so intelligent und erfolgreich Notizen, Dokumente und Literatur verwaltet.“ Entweder werde Docear ein Riesenerfolg – oder ein Riesenflop. „Dazwischen gibt es nichts.“

Bis zu vier Mitarbeiter wollen die Gründer im ersten Jahr einstellen, und wenn alles nach Plan läuft, soll es nach fünf Jahren schon bis zu 30 Docear-Experten in Magdeburg geben. Die drei Aufsteiger wissen, dass das ein ehrgeiziges Ziel ist, zeigen sich aber von der Durchsetzungskraft ihres Produktes überzeugt. Und sie sind nicht allen mit ihrer Ansicht. Auch die Juroren des landesweiten Businessplan-Wettbewerbs ego.BUSINESS sehen großes Potenzial in Docear: Hier erhielt das Gründerteam den zweiten Platz in der Finalrunde.

Wenn der – hoffentlich bald gefundene – Investor mitspielt, wollen die drei Gründer in Magdeburg bleiben. Vor allem die Nähe zur Universität sei unbezahlbar. „Nicht nur die Beratung und die kostenlosen Büros sind für uns wichtig, sondern die Möglichkeit, mit den Studierenden und ihren Bedürfnissen beim wissenschaftlichen Arbeiten in Kontakt zu bleiben. Nur so können wir Docear exakt auf unsere Zielgruppe zuschneiden.“ Und es ermögliche, beim zunehmenden „War of Talents“, dem Kampf um die besten Köpfe, engagierte und spezialisierte Absolventen als Mitarbeiter zu rekrutieren.


Autor: regio.M

Kontakt:
Jöran Beel
Edithawinkel 3
39108 Magdeburg
E-Mail: beel@docear.org
Tel.: +49 391 5058652
Mobil: +49 151 58583975

Stefan Langer
E-Mail: langer@docear.org
Mobil: +49 174 3418015

vorheriger Beitrag nächster Beitrag