Die private Lappwaldbahn nimmt Kurs auf internationale Fahrtziele im Güterverkehr

Der Warenhandel von und nach China soll mittelfristig auch über das Bahngleis ausgebaut werden. Die private Lappwaldbahn will als Logistikdienstleister an diesem globalen Geschäft teilhaben und konnte auf der diesjährigen Messe „transport logistic“ in Shanghai schon vielversprechende Kontakte knüpfen.

Von China auf dem Bahngleis bis – nur zum Beispiel - VW in Wolfsburg: So könnte sich Hans-Dieter Lewandowski ein zukünftiges Geschäftsfeld der Lappwaldbahn GmbH vorstellen. Das private Bahnunternehmen an Sachsen-Anhalts Landesgrenze zu Niedersachsen, kaum 30 Kilometer Luftlinie von Wolfsburg entfernt, setzt auf den expandierenden asiatischen Markt. Und zwar in beide Verkehrsrichtungen. So könnte VW Versuchsmuster neuer Automodelle mitsamt Maschinenpark per Bahn zu seinen chinesischen Werken schicken, oder ein Laptop-Hersteller im Reich der Mitte Containerlieferungen nach Europa. China will mit einer Transkontinental-magistrale durch Asien bis Europa die Transportzeiten gegenüber der Containerschifffahrt halbieren, hat der Lappwaldbahn-Chef auf der weltweit größten Messe für Transport und Logistik in Shanghai erfahren. Wichtig sei dabei die durchgehende Regelspur, damit das bisherige zeitraubende Umspuren der Waggons auf die breitere russische Spurweite entfällt.

Als Teilnehmer einer Messereise sachsen-anhaltischer Unternehmer zur „transport logistic china“ nutzte Lewandowski diesen Sommer die dortigen Kontaktmöglichkeiten. Im Rückblick auf die Gespräche spricht er von einer großen Aufgeschlossenheit chinesischer Eisenbahnverkehrs-unternehmen, „mit uns kooperieren zu wollen.“ Und er wagt das Gedankenspiel, in der Zukunft Transporte auf der viele tausend Kilometer langen Strecke von Asien mit der Lappwaldbahn als „Frachtführer“ komplett zu organisieren. Lewandowski hat in Shanghai bereits eine Absichtserklärung mit der tschechischen Bahn unterschrieben, um Transporte von der Grenze abholen und zu ihren Zielbahnhöfen in Deutschland befördern zu können.

China ist für den regionalen Bahnbetreiber zwar erst ein mittelfristiges Umsatzbein, das er aber weitsichtig ins Auge fasst. Bisher ist die Lappwaldbahn, die in einem aufgegebenen Bahnhofsgebäude in Weferlingen im ehemaligen Sperrgebiet der innerdeutschen Grenze ihre Geschäftsstelle unterhält, überwiegend in Mittel- und Norddeutschland unterwegs. Auf rund 50 Kilometer eigener oder gepachteter Bahnstrecke sowie in Kooperation mit angrenzenden privaten Anschlussbahnen und mit der Deutschen Bahn fährt sie aus den Gruben der umliegenden Baustofflieferanten Quarzsand, Kalk, Schotter, Split sowie Salz ab.
Rund 400.000 Tonnen Massengüter jährlich, „die sonst nicht auf der Schiene fahren würden, weil das für die Deutsche Bahn nicht wirtschaftlich genug ist.“

Die Lappwaldbahn will weiterhin „nahe an den Kunden bleiben und nicht zu groß werden.“ Dennoch schaut der Bahnunternehmer aufmerksam auf die wachsenden Verkehrsströme des internationalen Warenhandels Richtung Osteuropa, Russland und Asien. „Das Auslandsgeschäft wächst und damit auch der Stellenwert der Logistik.“ Die LKW-Transporte könnten nicht bis ins Unendliche gesteigert werden. Flugzeuge aber sind für große Transportumfänge zu teuer, Schiffe wiederum zu langsam und wegen der Piraterie auf den Weltmeeren heutzutage auch unsicher.
Als kleiner Logistikdienstleister, der schnell auf die wechselnden Wünsche von Kunden reagieren kann, übernimmt die Lappwaldbahn Zugtransporte, „die verlässlich und zeitgenau ankommen müssen.“ Und zwar von der Versandrampe des Absenders bis zur Entladestelle des Empfängers. So fährt die private Bahn mit einer eigenen Identifikationsnummer regelmäßig im Hamburger Hafen „rein und raus“.
Lewandowski verweist darauf, dass „von Unternehmen wie uns der Zuwachs im Bahnverkehr kommt.“ Allerdings sieht er eine Gefahr in der Stilllegung vieler Nebenstrecken: „Wenn Sie immer mehr Nebenflüsse kappen, trocknet irgendwann auch der Hauptstrom aus.“
Mit der gerade abgeschlossenen Sanierung von 32 Kilometer Gleisanlagen zwischen Weferlingen und Haldensleben, finanziell unterstützt von Fördermitteln der EU, aus dem Konjunkturprogramm des Bundes und vom Land Sachsen-Anhalt, hat die Lappwaldbahn den weiteren Streckenbetrieb mit schweren Güterzügen bis zu 22 Tonnen Achslast abgesichert und erwartet jetzt die Verlänger-ung der zum Jahresende auslaufenden Konzession als Eisenbahnverkehrsunternehmen auf weitere 15 Jahre.
Als nächste Investition hat der Geschäftsführer neue Lokomotiven im Blick. Womit wieder China ins Spiel kommen könnte: Eine chinesische Bankniederlassung in Frankfurt am Main zeigte bei einem Messegespräch in Shanghai Interesse an der Finanzierung. Angesichts der Zurückhaltung deutscher Kreditinstitute gegenüber Unternehmen mittelständischer Größe behält der 62jährige, der auf einen Nachfolger im Familienkreis hofft, diese Option gern im Blick.


Autorin:
Ute Semkat

Kontakt:
Lappwaldbahn GmbH
Geschäftsführer Hans-Dieter Lewandowski
Am Bahnhof 4
39356 Weferlingen
Tel.: +49 39061 41100
E-Mail: hans-dieter.lewandowski@lappwaldbahn.de
Web: www.lappwaldbahn.de

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