Exzellente Forschung an der MLU: Millionenförderung für Graduiertenkollegs

Wichtiger Forschungserfolg für die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU): Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert zwei Graduiertenkollegs (GRK) der MLU erneut mit jeweils rund fünf Millionen Euro. Damit kann die erfolgreiche Ausbildung von Promovierenden in den Bereichen Pflanzenforschung und Proteinforschung fortgesetzt und ausgebaut werden. Ein Kollege geht der Frage nach, wie Pflanzen ihre besonderen Inhaltsstoffe und auch Wertstoffe produzieren. Das zweite GRK untersucht eine spezielle Proteinklasse, die auch für viele schwerwiegende Erkrankungen verantwortlich ist.

Beide Graduiertenkollegs nahmen 2019 ihre Arbeit auf - und können nun in eine zweite Förderphase mit neuen Promovierenden starten. "Die Hürden für eine erneute Förderung durch die DFG sind hoch. Dass beide Graduiertenkollegs erfolgreich waren, unterstreicht die hohe Qualität, die beide Programme in der Forschung und der Ausbildung von Promovierenden bieten. Diese Erfolge sind umso beachtlicher, da die Promovierenden unter den extrem erschwerten Rahmenbedingungen der Pandemie arbeiten mussten", sagt Rektorin Prof. Dr. Claudia Becker.

Das Graduiertenkolleg 2498 "Kommunikation und Dynamik pflanzlicher Zellkompartimente" untersucht sogenannte Zellkompartimente, also durch Membranen voneinander getrennte Zellräume. In diesen laufen zeitgleich sehr unterschiedliche und hoch komplexe Prozesse ab. Wie bei einer Fabrikstraße werden in verschiedenen Zellkompartimenten zum Beispiel pflanzliche Sekundärstoffe Schritt für Schritt gebildet. "Diese Kompartimentierung ist auch für die menschliche Ernährung wichtig, weil Pflanzen so zum Beispiel essenzielle Aminosäuren oder Fettsäuren bilden", erklärt der GRK-Sprecher Prof. Dr. Ingo Heilmann von der MLU.

In der ersten Förderphase wurden im GRK 2498 alle elf geförderten Promotionen sowie sieben assoziierte Promotionsprojekte erfolgreich fertiggestellt. Die Forschungsergebnisse wurden in insgesamt 26 Fachartikeln in anerkannten wissenschaftlichen Journalen veröffentlicht. In der ersten Phase konnte das GRK wichtige Wissenslücken schließen und zum Beispiel erklären, wie bestimmte Zellkompartimente miteinander in Kontakt treten, um Substanzen gezielt auszutauschen. Auf den bisher geleisteten Arbeiten soll nun in der zweiten Förderrunde aufgebaut werden. Ein weiterer Erfolg: Alle Absolventinnen und Absolventen des GRK haben nach ihrer Promotion einen neuen Job gefunden - in Forschungseinrichtungen oder zum Beispiel global agierenden Biotechunternehmen. Das GRK wird in Kooperation mit dem Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie (IPB) betrieben.

Das Graduiertenkolleg 2467 "Intrinsisch ungeordnete Proteine - Molekulare Prinzipien, zelluläre Funktionen und Krankheiten" widmet sich sogenannten intrinsisch ungeordneten Proteinen. Aufgrund ihrer Eigenschaften sind sie besonders schwer zu erforschen. Gleichzeitig stehen diese speziellen Proteine unter Verdacht, bereits bei kleinsten Fehlfunktionen schwerwiegende Erkrankungen auszulösen. In der ersten Förderphase konnte das GRK wichtige grundlegende Erkenntnisse zu einzelnen dieser Proteine gewinnen. 50 wissenschaftliche Artikel in international angesehenen Fachzeitschriften wurden in diesem Zeitraum publiziert. Darunter ist auch ein Übersichtsartikel zu Proteinen, an dem alle Promovierenden des GRK mitgewirkt haben. Zehn geförderte Promotionen und drei assoziierte Promotionsvorhaben wurden erfolgreich fertiggestellt. Die GRK-Sprecherin Prof. Dr. Andrea Sinz betont zudem die stark internationale Ausrichtung des Graduiertenkollegs: "Trotz der Pandemie stammt mehr als die Hälfte der Promovierenden aus dem Ausland."

In der zweiten Förderphase sollen diese Arbeiten nun auf eine neue Stufe gehoben werden. "Wir werden die Proteine nicht mehr isoliert betrachten, sondern im Kontext der Entstehung von Krankheiten, wie Krebs oder Stoffwechselstörungen. Zudem sollen Signalprozesse in Pflanzen untersucht werden", sagt Sinz. Geplant sind umfassende Analysen in Zellkulturen und Organismen, die zu einem tieferen Verständnis der biologischen Prozesse führen, die den Krankheiten zugrunde liegen und die in Pflanzen eine wichtige Rolle spielen.

Das GRK ist eine Kooperation der Naturwissenschaftlichen Fakultäten I und II sowie der Medizinischen Fakultät der MLU mit dem Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie (IPB).

 

Quelle: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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