Newcycling-Verfahren aus Sachsen-Anhalt zur Wiederaufbereitung von Folien

Die APK Aluminium und Kunststoffe AG macht mit ihrem Newcycling-Verfahren erstmals Folien recycelbar. (Foto: APK AG)

Mersalen und Mersamid aus der Ideenschmiede von APK in Merseburg sind wichtiger Beitrag zur Ressourcenschonung

Über 1,5 Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen werden jährlich allein in Deutschland produziert. Ein Großteil davon landet nach dem Gebrauch idealerweise in der Gelben Tonne. Das sind immer noch gigantische Mengen, aus denen wertvolle Rohstoffe  zurückgewonnen werden können. Bislang wird allerdings nur gut ein Drittel davon recycelt. Die Quote soll in den nächsten Jahren deutlich erhöht werden, nämlich auf 63 Prozent. Doch dafür werden neue Technologien gebraucht.

Für einen deutlichen Aufschwung könnte ein Verfahren sorgen, das gegenwärtig von der APK Aluminium und Kunststoffe AG in Merseburg, Sachsen-Anhalt entwickelt wird und kurz vor der Markteinführung steht. Es ermöglicht die Wiederaufbereitung von Folien, wie sie vor allem in der Lebensmittelindustrie verwendet werden.

Neues Leben für Kunststofffolien aus der Lebensmittelindustrie

Käse, Fleisch, Wurst oder Fisch werden mit diesen Folien frischgehalten. „Das sind Folien, die aus verschiedenen Komponenten bestehen“, erklärt  APK-Vorstand Klaus Wohnig. „Und zwar aus Polyethylen und Polyamid. Die Trennung ist schwierig, weil sich die Stoffe in einer Mischung nicht vertragen. Aber unser Verfahren macht es möglich, dass beide Bestandteile getrennt, granuliert und wieder verwendet werden können.“

Bisherige Ansätze anderer Verarbeiter setzen auf mechanische Trennung. Doch die ist sehr kompliziert. Die Idee der Merseburger ist eine andere: sie entwickelten ein chemisches Verfahren in mehreren Schritten. Dabei wird zunächst eine Lösung eingesetzt und mit einer Zentrifuge das dominante Polyethylen vom Polyamid getrennt. Bei der anschließenden Reinigung wird das Lösungsmittel wieder entfernt. Übrig bleiben Polyethylen und Polyamid - Kunststoffe in fast reiner Form. Unter den Namen Mersalen und Mersamid werden das so gewonnene Polyethylen und Polyamid aus Merseburg vermarktet. Die nun wieder getrennten Stoffe können für neue Verpackungen verwendet werden.

Ideenschmiede für die Ressourcenzukunft

Seit zehn Jahren firmiert APK Aluminium und Kunststoffe in Merseburg. Ein toller Standort sei diese Stadt im Süden Sachsen-Anhalts, findet Klaus Wohnig und fügt hinzu: „Deshalb verweisen auch die Markennamen unseres Mersalen und Mersamid auf die Herkunft unserer Produkte aus Merseburg.“ Die Rahmenbedingungen hier seien gut, die Unterstützung durch Kommune, Landkreis und Land gegeben. Einzige Herausforderung seien die knapper werdenden Fachkräfte. Deshalb bilde APK jedes Jahr ein Zehntel seiner Belegschaft aus und will in Merseburg weiter wachsen. In den zehn Jahren am Standort wurde nicht nur auf klassische Weise mechanisch Kunststoffabfall recycelt, sondern eben auch an  neuen Verfahren zum Kunststoffrecyling getüftelt; nächstes Jahr soll eine Anlage in Merseburg in Betrieb gehen.

„Man kann die Forschungsleistung durchaus mit der Pharmaindustrie vergleichen“, beschreibt Klaus Wohnig. „Erst wird im Laborversuch geforscht, dann muss es im Großen funktionieren. Wir arbeiten mit namhaften Spezialisten aus der Prozessindustrie zusammen. Es mussten Maschinen in Größenordnungen her, die so noch nie gebaut wurden.“ Im vergangenen Jahr wurden in Merseburg bereits 300 Tonnen Folien versuchsweise verarbeitet. Derzeit wird die Produktionsanlage zur industriellen Reife weiterentwickelt.

Erstmals Lösung für das Recycling von Folien

Die Merseburger sehen für ihr neues Recyclingverfahren einen großen Markt. „Es gibt viele Verpackungen, aber bislang noch keine Lösung fürs Recycling von Folien“, weiß Klaus Wohnig. Von den 1,5 Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen in Deutschland werden gerade mal 400.000 Tonnen gegenwärtig recycelt. Um die angestrebten 63 Prozent zu erreichen, müssen die Kapazitäten deutlich erweitert werden. Viele namhafte Markenhersteller weltweit hätten sich zur Nachhaltigkeit verpflichtet. Darunter solche Größen wie Pepsi, Unilever oder Nestlé. Das kleine Unternehmen APK im Osten Deutschlands könnte ihnen dabei helfen, diese Selbstverpflichtung einzuhalten.

APK will wachsen

APK will mit Inbetriebnahme der neuen Verarbeitungslinie im kommenden Jahr von derzeit 65 Mitarbeitern auf über 100 wachsen. Das aber soll längst nicht das Ende sein. APK will in Europa wachsen und plant in Südostasien gemeinsam mit Partnern die Errichtung eines weiteren Werkes. „Dort müssen wir hin, denn bei der Verschmutzung der Weltmeere mit Plastikmüll spielt Südostasien eine große Rolle“, begründet Klaus Wohnig die Expansionspläne. In Asien ist man sehr interessiert an Lösungen, die geeignet und bezahlbar sind, der Müllberge Herr zu werden.

Auch in Europa sollen weitere Werke entstehen, wenn das Verfahren wie erhofft am Markt besteht. „Wir wollen die Wege von den 70 Sortierbetrieben in Deutschland kurz halten und nicht die Luft durch den Transport quer durchs Land verpesten“, begründet  Klaus Wohnig. Schwierig sei allerdings die Finanzierung. Trotz der Unterstützung vom Land seien die Möglichkeiten beschränkt, so dass APK bei seiner Erweiterung auf strategische Partner angewiesen ist.

Newcycling nennt APK sein neues Verfahren, das im Oktober auf der Fakuma, der wichtigsten internationalen Messe für Kunststoffverarbeitung in Friedrichshafen, vorgestellt wird. Ziel ist es, die Attraktivität zu zeigen und die Lösung international bekannt zu machen. Danach soll es in großen Schritten weitergehen. Schon im zweiten Halbjahr 2018 soll das Newcycling die Hälfte des APK-Firmenumsatzes ausmachen. Und sehr viel mehr wertvolle Rohstoffe sollen zurückgewonnen werden, anstatt zu Rauch und Asche zu werden. „Wir werden die Welt nicht alleine retten“, schmunzelt Klaus Wohnig. „Aber wir wollen unseren Beitrag dazu leisten.“


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