Kleines Unternehmen mit großer Idee kommt aus Thale

Die Hochleistungswerkstoffe Sachsen-Anhalt  GmbH in Thale arbeitet mit einem weltweit einmaligen Verfahren zur Kunststoff-Rückgewinnung.

Aus alt mach neu. Dieser Aufgabe hat sich die Firma HLW-LSA GmbH aus Thale verschrieben. Hinter dem so einfach klingenden Satz verbirgt sich ein kompliziertes und innovatives Verfahren zur Aufarbeitung von Kunststoff-Restwertstoffen. Noch steckt das Thalenser Unternehmen in den Kinderschuhen, aber das weltweit einmalige umweltschonende Verfahren klingt nach einer zukunftsfähigen Idee. „Die ersten Firmen, mit denen wir zusammenarbeiten, sind begeistert“, sagt  Geschäftsführer Jörg Beckmann.

Der Unternehmer und Entwickler, der von Haus aus Technischer Zeichner (Maschinenbau) und Diplom-Ingenieur ist, forscht seit vielen Jahren im Bereich der Kunststoffindustrie. Ausgangspunkt für seine Überlegungen waren die immer knapper werdenden Rohstoff-Ressourcen und die damit einhergehenden Preissteigerungen. „Einerseits müssen wir mit vorhandenen Ressourcen so umgehen, dass auch nachfolgende Generationen diese Rohstoffe noch nutzen können. Andererseits sollten wir schauen, dass sich die Abhängigkeit vom Weltmarkt in Grenzen hält“, sagt er.

Jörg Beckmann sah Potenzial in bislang nicht mehr nutzbaren Kunststoff-Industrieabfällen und hat gemeinsam mit Chemikern und Elektroingenieuren ein  Verfahren entwickelt, das es ermöglicht, diese Kunststoffe zurückzugewinnen und sie wieder dem Produktionskreislauf zuzuführen. Mit Hilfe von elektrischen Schockwellen werden Produktionsabfälle aus der Industrie zu Mirkometer großen Teilchen zerkleinert, gereinigt,  anschließend mit Hilfe von Feinsieben sortiert und veredelt.

Haben die Restwertstoffe diesen Prozess durchlaufen, entstehen Rohstoffmischungen, die dieselben Eigenschaften haben wie das Ursprungsmaterial. 95 Prozent des Ausgangsmaterials findet so Wiederverwendung  in der Produktion – als gleichwertiger Ersatz für den Ursprungsrohstoff oder zur Herstellung anderer Werkstoffe. „Wir haben nicht das Perpetuum Mobile erfunden. Aber wir können ein Abfallentsorgungsproblem lösen“, sagt Jörg Beckmann.

Dabei kann die HLW-LSA GmbH (die Abkürzung HLW steht für Hochleistungswerkstoffe, LSA für  den Standort in Sachsen-Anhalt) auch Materialien, die durch Schadstoffe belastet sind, verarbeiten. „Wir ziehen die Schadstoffe heraus. Sie sind im Endprodukt, also in den Rohstoffmischungen, nicht mehr enthalten“, erläutert der Geschäftsführer.

Bisher galt es als fast unmöglich oder extrem teuer,  unterschiedliche Kunststoffsorten wieder voneinander zu trennen. Deshalb landeten derartige Altkunststoffe auf Deponien, in Verbrennungsanlagen oder schlimmstenfalls am Meeresgrund. Für die Industrie sei das neue, in Thale eingesetzte Verfahren nicht nur aus ökologischen Gründen interessant. „Die Entsorgung als Sondermüll kostet eine ganze Stange Geld. Das können die Unternehmen sparen.“ Außerdem sind die entstehenden Rohstoffmischungen im Einkauf kostengünstiger als der Ursprungs rohstoff.

Jörg Beckmann sieht einen Markt für das von ihm entwickelte patentierte Verfahren. Die eigenen aufgearbeiteten Stoffe und Elastomere wieder zu verwenden, verbessere gleichzeitig die Ökobilanz und die Wirtschaftlichkeit der Unternehmen. Nicht nur für große Firmen wie Automobilhersteller oder Reifenproduzenten und Mittelständler sei das interessant, er möchte auch mit Entsorgern zusammenarbeiten.

Der Gedanke, dass aus alten Reifen oder dem Armaturenbrett im Auto nach der Zerkleinerung in Mini-Teilchen wieder neue Reifen oder Autoteile entstehen können, ist beeindruckend. Wenn das Verfahren bekannt und von Großunternehmen angenommen wird, kann die noch junge Firma HLW-LSA GmbH wachsen. Bisher sind  acht Mitarbeiter beschäftigt.

Die Betriebsstätte in Thale im Landkreis Harz wurde Anfang 2014 eröffnet und hat ihren Sitz im PulverMetallurgischen Kompetenz-Centrum. „Wir sind hier hervorragend vernetzt und haben eine gute Anbindung zu den Universitäten in Magdeburg und Braunschweig“, lobt Jörg Beckmann, der in Niedersachsen zu Hause ist. „Wir sitzen genau in der Mitte.“ Kein schlechter Standort, um mit einer innovativen Idee in Deutschland und Europa bekannt zu werden und das Unternehmen voran zu bringen. Der Geschäftsführer hat keine Angst davor, in den nächsten Jahren technische und unternehmerische Klippen umschiffen  zu müssen. „Ich bin überzeugt, dass man nie aufgeben sollte, auch wenn ein Hindernis schwer überwindbar scheint“, charakterisiert er sich selbst.

Auftrag: Dana Toschner
Kontakt:
HLW-LSA GmbH
Wolfsburgstr. 31
06502 Thale
Tel. 03947/776125
www.hlw-lsa.de
info@hlw-lsa.de

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