Diese Weinbäuerin keltert Lebenskultur

 

Die Straße zum Wein- und Sektgut von Grit Triebe im Zeitzer Ortsteil Würchwitz führt an Hopfen-Feldern vorbei. Hopfen? „Unsere Rebflächen liegen am gegenüberliegenden Ufer der Weißen Elster“, Grit Triebe lacht und weist mit der Hand in die Richtung, wo ihre Familie den am südlichsten gelegenen Weinberg in Sachsen-Anhalt besitzt.

 

Sie sitzt auf einer weiß gestrichenen Holzbank mit Rundblick auf den Vierseitenhof. Nach ihrer Tätigkeit im Landfrauenverband Sachsen-Anhalts gefragt, wandern die Gedanken von Grit Triebe in ihre Jugendjahre. Sie war 19, als sie 1989 auf diesen Hof kam. Sie lächelt. Die Silberhochzeit in diesem Jahr sei auch immer mal wieder Anlass für sie und ihren Mann, bei einem Glas Wein gemeinsam zurück zu schauen – und in der Bilanz zu sagen: „So, wie es gekommen ist, ist es gut.“

So, wie es gekommen ist, war es nicht geplant von Grit Triebe, die aus einem Nachbardorf stammt und nach der Schule eine kaufmännische Ausbildung absolviert hatte. Eigentlich, erzählt sie, wollte sie ja nicht gleich eine Familie gründen. Und einen landwirtschaftlichen Betrieb zu bewirtschaften, sei damals auch nicht gerade ihr sehnlichster Traum gewesen.

Auch für ihren Mann, den gelernten Tischler, kam es anders als geplant. Grundlegende Entscheidungen für den gemeinsamen Lebensweg wurden vom stürmischen Wende-Herbst 1989 nachhaltig beeinflusst. Er öffnete ihnen das Tor zurück zum eigenen Bauernhof, den die Vorfahren ihres Mannes 1795 gegründet hatten.

„Meine Schwiegereltern“, erzählt Grit Triebe, „blieben all die DDR-Jahre hindurch in ihrem Haus wohnen, auch nachdem ihr Hof von der LPG übernommen wurde.“ So ließ die enge emotionale Beziehung zur Familientradition dem jungen Ehepaar kaum eine andere Wahl, als den Hof Anfang der 1990er Jahre zu übernehmen. „Es war nun ein anderes Leben mit dem Hof“, sagt sie.

Aber auf dieses Leben mit dem Hof sei sie im Alter von 19 Jahren nicht vorbereitet gewesen, meint Grit Triebe zurückblickend und empfindet es im Nachhinein als großes Glück, dass sich schon 1993 im Altkreis Zeitz einer der ersten Landfrauen-Kreisverbände Ostdeutschlands gegründet hatte. „Als junge Frau mit kleinen Kindern ging es mir natürlich um Begegnung und Unterhaltung auch mal außerhalb unseres Hofes“, sagt Grit Triebe. Die Begegnung mit den Frauen älterer Generation aber habe sie  gesucht und gebraucht. „Ich habe viel Wert gelegt auf Tipps und Anregungen, für das Leben mit Familie und Hof “, sagt Grit Triebe und spricht auch von Dankbarkeit den Frauen gegenüber. „Sie füllten eine Lücke, die mit dem frühen Verlust meiner eigenen Mutter entstanden war. Sie haben mir beigebracht, mit den Augen zu lernen.“

Grit Triebe muss wohl etwas gehabt haben, was sie diesen Frauen zurückgeben konnte. Warum wohl sonst wählten die Landfrauen sie 1999 zu ihrer Kreisvorsitzenden. „Ich war 29 Jahre alt und überhaupt die Jüngste in diesem Amt. Ich war völlig unvorbereitet auf das, was da auf mich zukam“, erinnert sie sich belustigt. Das öffentliche Auftreten, das Reden vor versammelten Menschen sei ihr beispielsweise schwer gefallen. Heute bezeichnet sie diese Zeit als eine gute Schule fürs Leben. Auch fürs Geschäft. Ob der Verkauf eines Produktes gut läuft, wird nicht nur von dessen Qualität bestimmt, auch von der Persönlichkeit des Menschen, der dahinter steht.

Standhaftigkeit, Selbstbewusstsein, ein freundlich-sicheres Auftreten ..., ja, das habe sie bei den Landfrauen gelernt. „Heute gibt es Kurse in Rhetorik, ich konnte bei den Landfrauen lernen, mich freizusprechen“, Grit Triebe lächelt versunken, hat wohl gerade ihre eigenen Bilder vor dem inneren Auge.

Ihr Mann reißt sie aus den Gedanken. Hubertus Triebe tuckert vom Hof – hinaus aufs Feld. Raps, Weizen und Gerste reifen auf den Ackerflächen. Seine Kühe, die in den Ställen des Vierseitenhofes standen, wurden abgeschafft , als 1994 der Milchhof schloss.

Alles ist für etwas gut, auch wenn es zunächst nicht so aussieht – dies wissen die Triebes seit der schweren Zeit damals.

Von der Milchflasche führte  der Weg ihres Gutshofes dann zur Weinflasche. Diese Idee, , ist aus der Not geboren. Mit dem Weinbau war der landwirtschaftliche Betrieb in unbekannte Gefilde aufgebrochen. „Man braucht dafür ein mutiges Herz und die richtigen Menschen an der Seite, mit denen man in die gleiche Richtung denkt und arbeitet“, sagt Grit Triebe und nennt allen voran ihren Kellermeister Hartmut Duchrow. Er habe die Ruhe und Liebe zur Arbeit mitgebracht und diese den Winzern eigene Lebensfreude, die mit dem Rebsaft in die einstigen Kuhställe einzog.

Feld- und Weinwirtschaft nebeneinander – so war es ganz früher im Leben der Leute in der Region von Saale, Unstrut und Weißer Elster. Zu DDR-Zeiten war der Weinbau stark vernachlässigt. „Mit ihm ist ein Stück Lebenskultur zurück gekehrt“, freut sich Grit Triebe.

Sie freut sich auch, dass die drei erwachsenen Kinder inzwischen in 17. Generation auf und mit diesem Hof leben. Die beiden Söhne sind Agrarwirte und kümmern sich mit dem Vater um die landwirtschaftliche Produktion. Die Tochter absolviert gerade eine Ausbildung zur Winzerin.

„Gerade steht uns Landfrauen deutlich vor Augen, dass wir jetzt an der Reihe sind, den jüngeren Frauen etwas von der Lebenskultur in unserer Heimatregion weiter zu geben. Auch von den Erfahrungen, die wir gemacht haben – und die wir machen mit den neu anstehenden Problemen wie Unternehmensnachfolge,  zum Beispiel“, sagt Grit Triebe. Die junge Frauen sollten aber auch ihre eigenen Ortsgruppen gründen und unter sich sein mit ihrem Lebensgefühl, das ein anderes ist als das der Müttergeneration –  weiß Grit Triebe  aus eigener Erfahrung..

In der ländlichen Region um Zeitz wird gerade viel gebaut. Junge Familien mit Kindern ziehen hierher. Grit Triebe und die Landfrauen wollen aktiv auf sie zugehen um sie einzubeziehen in ihr Landleben. Das könne man sich ja auch wirklich genau so schön machen, wie es die vielen Trend-Magazine zeigen, weiß die Weinbäuerin und lebt es vor.

Autorin: Kathrain Graubaum (Text/Foto)

BU: Weinbäuerin Grit Triebe aus Zeitz war sehr jung, als sie einen Bauernhof übernahm und Kinder bekam. Da fühlte sie sich im Kreise der Landfrauen sehr gut aufgehoben. Jetzt gibt sie selber Erfahrungen und Traditionen an junge Frauen weiter.

Kontakt:

Grit Triebe
Mittelweg 18
06712 Zeitz / OT Würchwitz
Tel.: 03 44 26 – 21 420
E-Mail: bauer.triebe@t-online.de
www.weingut-triebe.de

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