Ematik in Sachsen-Anhalt auf Expansionskurs

Immer wieder hört man von Infektionen in Krankenhäusern und deren bösen Folgen. Atemschläuche an Beatmungsgeräten zum Beispiel sind oft solche Fallen, denn in den Falten der Schläuche kann sich Kondensat bilden. Bakterien sind die Folge. Was kann man dagegen tun? Einen Schlauch ohne Falten entwickeln zum Beispiel, mit glatter Innenwand. So ein glattwandiger Atemschlauch wird jetzt in der Medizintechnik hergestellt. Mit Hilfe des Einschnecken-Extruders der Firma Ematik aus Sachsen-Anhalt.

„Extruder- was ist das denn?“, fragt wohl jeder Laie mit hoch gezogenen Augenbrauen, wenn er das erste Mal davon hört. „Eigentlich muss man sich das wie beim Konditor vorstellen, wenn er Spritzgebäck macht“, erklärt Henner Dörnenburg, Geschäftsführer der Ematik GmbH in Magdeburg, Sachsen-Anhalt. „Nur kommt bei unseren Extrudern eben kein Teig in die Spritze, sondern Kunststoff.“ Das Kunststoff-Granulat wird durch die sich drehende Schnecke gepresst und dabei aufgeschmolzen, durch ein Werkzeug gedrückt und anschließend wieder abgekühlt. Am Ende hat der Kunde dann einen Schlauch, eine Dichtung oder Folie.

Die Ematik GmbH ist eine Firma, die ihr Know-How verkauft. Ihr Pfund sind 25 Mitarbeiter – hoch qualifizierte Ingenieure, rekrutiert an den Fachhochschulen und Universitäten Sachsen-Anhalts. Das Kerngeschäft von Ematik ist die Automatisierung: Software, Hardware, Schaltanlagen und und und. Das ist hoch spezialisiertes Wissen, das die Ematiker an Firmen verkaufen: Auf dem Werkhof am Flugplatz von Magdeburg gelegen, stehen zum Beispiel weiße Schaltraum-Häuschen für die FAM GmbH Magdeburg. Diese Schalthäuschen gehen nach Russland, sie sollen dort auf einem Güterbahnhof das Entladen von Eisenbahnwaggons steuern.

In der Werkhalle tüfteln die Ingenieure an riesigen Schaltkästen mit endlos bunten Kabeln. Ein Textilmaschinen-Hersteller in Autralien ist der Auftraggeber.

Doch mit der Automatisierungstechnik eben nicht genug. Geschäftsführer Henner Dörnenburg: „Ich wollte immer auch ein Produkt selbst herstellen“, erzählt er. „Und weil wir für die Extruder der damaligen Sket GmbH ohnehin die Schaltanlagen gebaut haben, haben wir nach deren Insolvenz der SKET die Extruder-Produktion in unsere Produktpalette integriert.“

Henner Dörnenburg hat diesen Schritt nie bereut. Seit nunmehr 10 Jahren ist Ematik auch auf Einschnecken-Extruder spezialisiert, hat sich weltweit einen Namen gemacht: Continental produziert mit den Ematik-Extrudern Benzinschläuche für Autos; Beiersdorf/Tesa stellt Folien mit den Extrudern aus Magdeburg her. Dazu kommen zahlreiche Medizintechnik-Unternehmen, die unter anderem besagte Atemschläuche produzieren. Siemens hat die Ematik zum Solution-Partner gemacht – lässt also Siemens-Produkte speziell und gezielt von Ematik verbauen. „Ein Ritterschlag“, sagt Dörnenburg stolz.

Die Einschnecken-Extruder sind unter dem Namen „SKETmatik“ auf dem Markt. Es gibt sogar eine SKETmatik-Außenstelle in Moskau, denn die Nachfrage in Osteuropa ist groß. Dabei ist jeder Kundenwunsch – egal, wo auf der Welt – nach einem Extruder individuell und wird von Ematik auch so behandelt. Immerhin gibt es über 2000 verschiedene Kunststoffe, die mit angepassten Extrudern unterschiedlich verarbeitet werden müssen. „Bei uns kann der Kunde immer gleich mit dem Entwickler sprechen, so dass wir speziell auf die Kundenwünsche eingehen. Das geht bei den großen Firmen nicht“, betont Dörnenburg.

Das Design der Extruder-Schnecke ist dabei das Entscheidende. Sie bestimmt, was aus dem eingefüllten und aufgeschmolzenen Kunststoff-Granulat wird: So finden sich im Ematik-Lager auch die unterschiedlichsten Extruder-Schnecken: Einige so groß und schwer, dass man sie kaum anheben kann. Andere liegen leicht in der Hand.

Dabei wird der Extruder zwar in Magdeburg zusammen gebaut, die Einzelteile allerdings stammen von über 50 Zulieferern. „Wir machen hier nur die Endfertigung“, erklärt der Geschäftsführer. „Letztlich ist unsere Leistung vor allem die Entwicklung – das Know How.“ Die Zeiten, in denen Sachsen-Anhalt verlängerte Werkbank gewesen sei, seien vorbei. Und weil die Auftragsbücher voll sind, will Ematik demnächst expandieren. 3.000 m² Gewerbefläche hat Ematik dazu gekauft. Eine neue Werkhalle soll entstehen.

Eine ganz kleine Extruder-Schnecke ist die neueste Erfindung der Ematiker: sie ist Teil eines Mikro-Extruders, der einen winzigen Katheter-Schlauch produziert. Durchmesser: 2 mm. Damit ist die Ematik GmbH auch in der Medizintechnik und -forschung ganz vorn dabei. Es gibt enge Kontakte zur Uniklinik der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg, die wiederum eng mit der Elektrotechnik zusammen arbeitet, um einen so genannten intelligenten Katheter zu entwickeln. „Wir finanzieren da auch eine Stifungsprofessur mit“, betont der Ematik-Geschäftsführer stolz.

Auf der K-Messe in Düsseldorf, in Halle 16, Stand D68, ist all das zu sehen: die neuen gewendelten Atemschläuche zum Beispiel, produziert mit den Extrudern von Ematik, wie auch der neue Mikro-Extruder. „Unsere Stärke ist technisches Know-How und individuelle Lösungen für unsere Kunden“, sagt Henner Dörnenburg. „Das wollen wir auf der K-Messe zeigen.“


Text: Anja Schlender

Kontakt:
Ematik GmbH
Otto-Lilienthal-Straße 7
39120 Magdeburg
Geschäftsleitung: Dipl.-Ing. Henner Dörnenburg
Technische Leitung: Dipl.-Ing. Frank Juling
Tel: +49 391 72798-0
Fax: +49 391 72798-33
E-Mail: info@ematik.de
Web: www.ematik.de

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