Hallenser Designstudentin gewinnt IQ-Innovationspreis

IQ-Innovationspreis 2012 ging an Designstudentin Yujung Lee

Farbe bekennen: Sauer macht pink!

 

Tonnen Lebensmittel landen im Müll, nur weil das Haltbarkeitsdatum überschritten ist. Gegen solche Verschwendung hat die Designstudentin Yujung Lee aus Rotkohl-Extrakt einen Farbindikator entwickelt, der anzeigt, ob die Milch wirklich sauer ist. Damit bewirbt sich die Koreanerin für den IQ-Innovationspreis 2012.

Jeder hat schon mal an der Milchtüte geschnuppert oder sich gefragt, ob die Shrimps im geöffneten Glas noch haltbar sind. Nach überschrittenem Haltbarkeitsdatum müssen Lebensmittel nicht gleich verdorben sein. Trotzdem wandern sie tonnenweise in die Mülltonne. Laut einer aktuellen Studie der UN-Organisation FAO ist „übertriebene Vorsicht“ eine Hauptursache der ausufernden Lebensmittelvernichtung in der westlichen Welt.

Diese Verschwendung war der Koreanerin Yujung Lee, die an der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein im 6. Semester Industriedesign studiert, bereits aufgefallen, bevor in allen Medien darüber berichtet wurde. Als das Thema der Semesterarbeit „Oberflächen“ lautete, kam ihr eine Idee: Könnte die Oberfläche einer Verpackung anzeigen, ob das darin enthaltene Lebensmittel noch in Ordnung oder schon ungenießbar ist?

„Wenn ein Lebensmittel verdirbt, findet eine chemische Reaktion statt. Das zeige ich mit einem Indikator auf der Verpackung an“, erklärt die 27-Jährige, deren Studienfach viel mehr mit Kunst als mit Chemie zu tun hat. Zunächst recherchierte sie im Internet, dann wurde die Küche ihrer Hallenser WG-Wohnung zum Versuchslabor. „Meine Mitbewohnerinnen haben gefragt: Was machst du denn da schon wieder?“, schmunzelt die junge Frau. Gefühlte tausend Versuche habe sie innerhalb weniger Wochen ausgeführt, damit die Semesterarbeit pünktlich fertig wurde. Sie experimentierte unter anderem mit roten Trauben und schwarzen Bohnen. Der intensive Pflanzenfarbstoff wirkt als Säure-Basen-Indikator und reagiert mit einem Farbumschlag, wenn ein Lebensmittel verdirbt. Denn dabei verändert sich der pH-Wert. Am deutlichsten war die Farbänderung bei Rotkohl.

Anhand einer Milchtüte erläutert Frau Lee, wie der „Frische-Check“ funktioniert. In der durchsichtigen Verschlusskappe steckt ein kreisrundes saugfähiges Papier, getränkt mit dem selbstgekochten Rotkohl-Extrakt. Beim leichten Schütteln des Behälters verfärbt sich das Papier. Wird es rosa, ist die Milch sauer. Grün signalisiert dagegen eine basisch verlaufende Fäulnisreaktion, bei der Ammoniak freigesetzt wird. Hellblaue Verfärbung entwarnt: Die Milch ist noch frisch.

Dieser Test funktioniert bei flüssigen sowie bei eingeweckten Lebensmitteln wie Pilzen oder Bohnen. Farbsymbole auf Glasdeckel oder Verpackung erklären, was für frisch oder ungenießbar steht.

Die Semesterarbeit von Yujung Lee gehörte zu den besten ihres Seminars. Damit hat sie das Thema aber nicht „abgehakt“ und sucht wissenschaftliche Partner, um das Modell bis zur Vermarktungsreife zu entwickeln. Dann könnte sie sich vorstellen, mit „Best before sign“ Unternehmerin zu werden in Deutschland, wo zu viele wertvolle Lebensmittel im Müll landen. Sie hofft auf positive Reaktionen aus der Industrie: „Ich denke, dass dieses Design nicht viel kosten muss, denn es basiert auf pflanzlichen Extrakten und braucht wenig Material.“

Während andere sogenannte „aktive  Verpackungen“ Lebensmittel länger frisch halten oder wenigstens wie frisch aussehen lassen, will Yujung Lee dem Verbraucher ein untrüglich sichtbares Haltbarkeitsmerkmal an die Hand geben. Mit ihrer Erfindung hat sie sich für den diesjährigen IQ-Innovationspreis der Wirtschaftsinitiative Mitteldeutschland im Bereich Biotechnologie/Life Sciences beworben. Er wird jährlich von der Wirtschaftsinitiative Mitteldeutschland für vermarktungsfähige neue Produkte, Verfahren und Dienstleistungen in Schlüsselbranchen ausgelobt.

Eigentlich wollte die Koreanerin aus Seoul in Deutschland nur studieren. Aber mehr noch als ein Studium in Europa zähle heutzutage in ihrer Heimat Berufserfahrung im Ausland, sagt sie. Zumal, wenn Frau Lee sogar ein eigenes Unternehmen in Deutschland vorweisen könnte.

 

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