Sachsen-Anhalts FörderService GmbH unterstützt den Mittelstand bei Bildungsprojekten - Netzwerkpartner sind unverzichtbar

Acht Experten für individuelle Personalstrategien und Fachkräftesicherung  stehen in Sachsen-Anhalt künftig kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zur Seite. Sie wollen für ein wichtiges Thema der kommenden Jahre sensibilisieren helfen und ihre praktische Unterstützung anbieten. Bis zum Spätsommer soll das Netz eines RegioCoaching vor Ort stehen. Die Fachleute kooperieren eng mit den Wirtschaftsförderern der Kommunen. Träger des Projektes ist die FörderService GmbH der Investitionsbank Sachsen-Anhalt. Über Details dazu und über weitere Möglichkeiten der Unterstützung für den Mittelstand informiert im Interview Geschäftsführerin Dr. Uta Blümel.

Der Wettbewerb um Talente hat begonnen. Unternehmen sind zunehmend auf der Suche nach ihnen, nach Spezialisten, kurz gesagt nach Fachkräften unterschiedlicher Art. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung wird dies zunehmend schwieriger. Sachsen-Anhalt stellt sich dem Thema offensiv. Mit dem RegioCoaching beschreiten Sie einen neuen Weg...

Das RegioCoaching ist ein Baustein im komplexen Angebot des Landes, das die schon bestehenden Leitprojekte und Programme des Landes sowie die Aktivitäten des Fachkräftesicherungspaktes sinnvoll ergänzen wird. Uns geht es darum, frühzeitig Weichen zu stellen.  Wir denken, dass wir im Zusammenwirken mit vielen anderen Partnern den Unternehmen eine neue Facette der Mittelstandförderung anbieten können. Unsere Coaches haben zwei Aufgaben. Zum einen sollen sie in den fünf Planungsregionen Sachsen-Anhalts den Dialog organisieren, möglichst viele Akteure an einen Tisch bringen. Dann geht es zum anderen darum, dass sie konkrete Impulse  in den Firmen geben.

Wie kann das aussehen?

Ganz unterschiedlich, wichtig ist für uns das Eingehen auf die individuelle Situation im Unternehmen. Ich denke dabei zum Beispiel an neue und vor allem flexible Arbeitszeitmodelle, die es beispielsweise älteren Arbeitnehmern erlauben, ihre Erfahrungen trotz veränderten Lebensgewohnheiten beziehungsweise entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit einzubringen. Für junge Leute mit Familie kann es wieder ganz andere Wünsche geben, die sich beispielsweise an der Kinderbetreuung orientieren. Auch die Facetten des Empoyer Branding werden künftig eine stärkere Rolle spielen. Hier gilt es, die Unternehmen entsprechend zu sensibilisieren. Für uns ist klar, dass es gerade bei den KMU Inhaber oder Geschäftsführer gibt, die bei wenigen Mitarbeitern für viele Dinge parallel zuständig sind. Sie kümmern sich um den Verkauf, die Buchhaltung und Materialnachschub. Oft bleibt dann die Personalplanung durch eine permanente Überforderung auf der Strecke.

Aber gerade die gewinnt zunehmend an Bedeutung. Es geht nicht nur um Spitzengehälter. Der Markt hat sich verändert. Fachleute können sich ihren künftigen Arbeitsplatz tatsächlich aussuchen.
Genau das ist der Punkt, an dem wir ansetzen. Nicht nur das Geld spielt inzwischen eine Rolle. Das Betriebsklima muss ebenso stimmen wie die Rahmenbedingungen. Klug ist, wer seinen Mitarbeitern Perspektiven aufzeigt und damit gleichzeitig das eigene Unternehmen auf stabile Füße in puncto Personal stellt.  Weiterbildung gehört dazu, sie ist das Kapital der Zukunft. Talente erweisen sich zunehmend als flexibel, sie haben die Chance eigentlich überall arbeiten zu können. Sie zu gewinnen und zu halten, das zählt.

Das Thema Qualifizierung spielt bei Ihnen eine wichtige Rolle. Unter anderem begleiten Sie ja Unternehmen bei der Qualifizierung von Beschäftigten. Das Förderprogramm "Sachsen-Anhalt WEITERBILDUNG" erleichtert es, das zu finanzieren. Wie sieht das konkret aus?
Nehmen wir nur zwei Beispiele. Im Gesundheitswesen, in der Elektronikbranche aber auch in anderen Berufszweigen werden händeringend Fachkräfte gesucht. Zwischen Arendsee und Zeitz nimmt das Potenzial Erwerbstätiger bis 2016 weiter ab. Experten rechnen mit einem Rückgang in dieser Zeit von 155.000 Personen, die vorwiegend in die Rente oder den Vorruhestand gehen. Der Markt bietet kaum noch die entsprechenden Mitarbeiter für viele offene Stellen. Auf der anderen Seite können die eigenen Beschäftigten  selbst fit gemacht werden. Bildung ist mehr denn je das A und O für die Entwicklung von Firmen, zählt dann, wenn man Fachkräfte halten will. Eine kluge und vorausschauende Qualifizierungsplanung nimmt an Bedeutung zu. Aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds fördert das Land Sachsen-Anhalt betriebliche Qualifizierungsmaßnahmen unterschiedlichster Art. KMU kommen dabei in den Genuss von Zuschüssen bis zu 70 Prozent. Rund 1.300 einzelne Maßnahmen konnten wir so seit 2009 unterstützen. Bis 2014 stehen insgesamt 19 Millionen Euro dafür bereit. In der Finanzkrise nutzte eine Reihe von Betrieben die Chance, während der Kurzarbeit Qualifizierungsprojekte umzusetzen. Sie sahen darin eine Brücke in die Zeit nach der Auftragsflaute. Die Betreuung dieses Programms geschieht gemeinsam mit  der Investitionsbank Sachsen-Anhalt (IB), die ja 2008 die Anteile des Landes an unserem heute 20 Jahre alten Unternehmen komplett übernahm. Seitdem fungieren wir als 100prozentige Tochter der IB.

Die FörderService GmbH begleitet unterschiedliche Programme...

Das stimmt, ein ganzes Bündel von Angeboten halten wir bereit. Lassen Sie mich ein paar Beispiele nennen. 

Da wäre das Bundesprogramm Ausbildungsplatzprogramm Ost mit dem Landesergänzungsprogramm. Es läuft seit 2006 und endet cirka 2014. Dort gelang es uns, mehr als 8.600 Jugendliche in eine Berufsausbildung zu bringen. Im Landesprogramm „Aktiv zur Rente“ profitierten gut 33.000 Menschen von einer Förderung. Es ist darauf ausgerichtet, erwerbsfähigen Langzeitarbeitslosen, die älter als 50 Jahre sind und Arbeitslosengeld II beziehen, eine längerfristige Beschäftigungsmöglichkeit zu bieten. Der Erhalt oder die Wiederherstellung ihrer Beschäftigungsfähigkeit sollen die Eingliederungschancen auf dem regulären Arbeitsmarkt verbessern helfen.

Erwähnen möchte ich auch, dass wir insbesondere für das Ministerium für Arbeit und Soziales Ideenwettbewerbe und Ausschreibungen zur Auswahl von ESF-geförderten Projekten organisieren.

Sie agieren nicht allein, nicht losgelöst von anderen Aktivitäten zwischen Altmark und Burgenland. Wie wichtig sind Netzwerke?
Sie spielen eine unverzichtbare Rolle. Nehmen sie nur unsere Initiative NETWORK-KMU zur Sicherung und Stärkung kleiner und mittelständischer Unternehmen. Sie verantwortet unter anderem  das eingangs erwähnte RegioCoaching. Seit sieben Jahren organisieren wir mit inzwischen 68 Partnern Workshops, standen bei fast 900 Beratungen Unternehmern zur Seite und nehmen unsere Lotsenfunktion wahr. Ganz gleich ob IB, DEHOGA, Handwerkskammern, die IHKen im Land, mit allen ziehen wir im Interesse des ratsuchenden Unternehmens an einem Strang, haben schon lange enge und vertrauensvolle Kontakte. Lassen sie mich stellvertretend für solche Kooperationen den Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) nennen. Mit seinen mehr als 1.400 Mitgliedern in Sachsen-Anhalt kennt er die Stärken aber auch die Sorgen und Nöte des Mittelstandes aus erster Hand. Da ist es doch nur natürlich, dass wir bei vielen Vorhaben zusammenarbeiten und uns auch auf den fachlichen Rat von dieser Seite verlassen.


Autor/Foto: Klaus-Peter Voigt.

Kontakt:
FörderService GmbH der Investitionsbank Sachsen-Anhalt
Leipziger Straße 49a
39112 Magdeburg
Ansprechpartner: Geschäftsführerin Dr. Uta Blümel
Tel.: +49 391 6054-403
E-Mail: Uta.Bluemel@foerderservice-ib.de
Web: www.foerderservice-ib.de

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