FEAG aus Sangerhausen liefert Industrie-Schaltanlagensysteme für Berliner Großflughafen und Weißes Haus in Moskau

Es herrscht emsiges Treiben in den Fertigungshallen des Elektro- und Schaltanlagenbauers FEAG am Westrand von Sangerhausen. Monteure bestücken Schaltschränke mit Kabeln, Leistungsschaltern und zentimeterdicken Kupferleitern, die Laufzettel zeigen die Namen großer Elektroanlagen-baukonzerne und die Zielorte in aller Welt. „Diese Anlage für den Schutz von Netzen bis 1.140 Kilovolt geht nach Russland, das ist für einen Kunden in Österreich und dort drüben montieren wir gerade Generatoren-Schaltanlagen für Deutschland“, berichtet Bernd Hiller; Geschäftsführer der Fertigungscenter für Elektrische Anlagen GmbH, wie das von ihm gemeinsam mit weiteren Unternehmerfamilien 1997 gegründete Unternehmen offiziell heißt.

Die bis zu 20 Meter langen aneinandergereihten Industrie-Schaltanlagensysteme, in denen armdicke Kupferstränge Stromstärken bis 8000 Ampere aufnehmen und die in Bruchteilen von Sekunden die Generatoren zu oder abschalten, sind so etwas wie die Visitenkarte des Unternehmens aus Sachsen-Anhalt. „Das können nur wenige in der Welt mit der notwendigen Präzision und den elektrotechnischen Leistungsparametern bieten. Aber auch im Niederspannungsbereich haben wir uns inzwischen mit ständigen Innovationen einen Namen auf dem Weltmarkt erarbeitet“, sagt Hiller. Rund 70 Prozent beträgt der Exportanteil, mehr als die Hälfte davon geht nach Osteuropa und hier besonders nach Russland. Die FEAG liefert Energieverteilungen für das Weiße Haus in Moskau, dem Dienstsitz der russischen Regierung, oder Motor-Control-Center für die größte Papierfabrik des Landes am Süd-Ural, für Raffinerien und Pipelines in Katar, am Schwarzen Meer und der Ostsee. Ohne die Schaltanlagen mit dem Markennamen ENERGOLINE aus Sangerhausen ginge nichts im Rechenzentrum von Audi in Ingolstadt oder am neuen Großflughafen Berlin-Schönefeld.

Die Belegschaft hat sich in den wenigen Jahren vervierfacht: 130 feste Mitarbeiter und 25 Millionen Umsatz weist die FEAG inzwischen aus, dazu kommen noch saisonal Leiharbeitnehmer. Denn das Projektgeschäft kennt alles, außer Kontinuität. Doch gerade die Spezialisierung auf individuelle Kundenvorgaben, für maßgeschneiderte Lösungen, hat im Unternehmen ein rasantes Wachstum überhaupt erst ermöglicht. „Mit Großserien und Standards lässt sich in Deutschland nicht viel ausrichten, wir haben von Anfang an unseren Erfolg mit innovativem Engineering  gesucht, dabei aber auch eine möglichst große Fertigungstiefe angestrebt“, sagt Hiller. Und so steckt in den mechanischen Umhüllungen, die in der werkseigenen Blechbearbeitung gestanzt, gebogen, gefügt und lackiert werden, nicht nur handelsübliche Elektronik bzw. Elektrotechnik, sondern gut deutsche Ingenieurskunst: „Mit intelligenter Steuerungselektronik werden erhebliche Energieverluste reduziert. Wir schaffen das, in dem wir die Oberwellen, also Phasen- und Frequenzverschiebungen im Wechselstromnetz herausfiltern, oder wärmeentwickelnde Magnetfelder begrenzen“, erklärt Hiller. Die extrem schwierig zu beherrschenden und gefährlichen Stoßkurzschluss-Ströme, die bei Schaltungen an Generatoren entstehen, sind ein besonderes Lieblingsthema des Firmenchefs: „Das ist unser Alleinstellungsmerkmal, keiner kann das Problem so gut wir lösen!

Überall an den Eingängen zu den Werkhallen hängen Tafeln, die schematisch darstellen, für welche Produkte andere Abteilungen zuständig sind – und welche Auszeichnungen die FEAG zuletzt erhalten hat. Für Bernd Hiller ist es wichtig, dass sich die Mitarbeiter mit ihrem Unternehmen eng verbunden fühlen, dass die Arbeiter wie auch die leitenden Angestellten eine gemeinsame Sprache finden. „Wir haben in Sachsen-Anhalt als einziges Unternehmen jetzt den Titel „Top Job“ für eine exzellente Personalarbeit erhalten“, freut sich Hiller. Kaum Fluktuation, ein herausragendes Arbeitsklima und eine hohe Ausbildungsrate zählt er zu den wichtigsten Pluspunkten. Dennoch werden jetzt alle Abteilungsleiter noch einmal speziell geschult, um noch besser mit ihren Mitarbeitern die täglichen Herausforderungen zu lösen. „Nur wenn das Klima im Unternehmen stimmt, ist auch die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter hoch, zum Nutzen der Kunden“, sagt Hiller.

Um den Bedarf an neuen hochqualifizierten Arbeitskräften zu decken, arbeitet Hiller eng mit Universitäten und Hochschulen sowie der Berufsakademie zusammen, von der gleich drei potenzielle künftige Mitarbeiter kommen. An der TU Magdeburg studiert der Chinese Dai Chengli, der für ein Jahr als Werkstudent im Unternehmen sich weiterbildet und im Anschluss sein Diplomthema bearbeitet. Der angehende Diplom Ingenieur lernt hier viel praktisches Know how, zugleich erhofft sich Hiller, dass die Kenntnisse des Studenten helfen, auf dem chinesischen Markt Fuß zu fassen. „Das geht natürlich nicht von heute auf morgen, aber wir sind jetzt schon so weit, dass wir im Herbst auf eine Elektro-Messe in Shanghai auftreten“, sagt Hiller.

Das Wachstum der FEAG geht auch in diesem Jahr weiter. Gleich neben der Halle 5 wird für den schnell wachsenden Bereich der Mittelspannungsschaltanlagen ab Herbst eine neue Halle errichtet. Zusammen mit den dafür notwendigen 3,5 Millionen Euro sind dann in den zurückliegenden 15 Jahren des Bestehens rund 20 Millionen in die Gebäude und technische Ausrüstungen investiert


Autor: Manfred Schulze

Kontakt:
FEAG  
Bernd Hiller
Stiftsweg 1 / 2
06526 Sangerhausen
Tel.: +49 3464 558400
E-Mail: bernd.hiller@feag-sgh.de
Web: www.feag-sgh.de

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