Speicher des alten Handelshafen von Magdeburg werden zu Wohnhäusern

Wohnen mit Blick auf die Elbe oder die Magdeburger Denkfabrik.Eisgeschützt und hochwasserfrei wurde der Magdeburger Standort für einen Hafen eingeschätzt, der 1893 seine Einweihung feierte. Er war für den Hamburger Hafen ein wichtiger Umschlagplatz im Hinterland, so wie es der neue Hafen heute wieder ist. Die rege Betriebsamkeit in der einstigen Speicherstadt ist hingegen Geschichte. Längst wird an einem neuen Kapitel als Wissenschaftshafen geschrieben. Die PRV GmbH & Co. KG hat ihren Anteil daran. Sie plant die Wiederbelebung der beiden großen Speicher als Wohnhäuser mit individuellem Charme.

Das Tuckern von beladenen Motorschiffen, das Rufen von Hafenarbeitern, sämtliche Geräusche und Gerüche eines Umschlagplatzes von Waren sind vor Jahrzehnten schon einer idyllischen Ruhe gewichen. Der einstige Handelshafen wurde 2007 offiziell als Magdeburger Wissenschaftshafen eingeweiht. Ein imposanter Blickfang ist die „Denkfabrik“ in einem früheren Silo-Gebäude: ein ausgewiesener „Ort der Ideen“, ein Umschlagplatz geistiger Waren. Die machen weder Krach noch sind sie geruchsbelästigend.

Gen Himmel ragende Fingerzeige – so wirken die zwei unsanierten roten Backsteingebäude im Norden des Areals. Am Hafenbecken entlang verlaufen rostige Bahngleise, verschwinden irgendwo im üppigen Graswuchs.
Die beiden Elbe-Speicher waren die ersten Gebäude, die Ende des 19. Jahrhunderts für den Hafen gebaut wurden. Auf den Gleisen wurden die hier eingelagerten Güter hin und her bewegt: Getreide, Zucker, Salz, Holz, Futter- und Düngemittel kamen überwiegend aus der Region, aus der fruchtbaren Magdeburger Börde.

„Volkseigener Erfassungs- und Ankauf-Betrieb für landwirtschaftliche Erzeugnisse“ steht an einer Speicherwand. Der verblasste Schriftzug stammt aus DDR-Zeit. Schon damals verlor der einst florierende Industriehafen mehr und mehr an Bedeutung. Dann machten die infrastrukturellen Veränderungen nach der Wende aus der Speicherstadt ganz schnell eine Geisterstadt.

Etwas gespenstisch ist es dann auch, als sich Michael Böttge voran tastet in die Dunkelheit eines Speichergebäudes. Strom gibt es keinen. Einfallendes Tageslicht lässt eine Massendusche erkennen. Böttge ist Finanzwirt bei der PRV GmbH & Co. KG. Das Unternehmen kauft solche interessanten Gebäude wie diese Hafen-Speicher auf und saniert sie zum Zwecke der Umnutzung als Wohnungen.
Michael Böttge hat Pläne mitgebracht, geht damit ein paar Schritte Richtung Fenster. Dann fällt gleißendes Licht auf den Grundriss des Speichers: In den großen Räumen der einen Gebäudehälfte wurden die Güter gelagert und getrocknet – und dann in die wabenförmigen Fallrohre auf der anderen Seite des Speichers gefüllt. Es war ein Architekt, der hier eine interessante Herausforderung sieht und die PRV GmbH auf das „Sanierungsgebiet“ im alten Hafen aufmerksam machte. Vertreter der Architekten-Zunft hatten sich in vorangehenden Zeiten schon Gedanken gemacht, wie die einstige Speicherstadt wiederzubeleben sei. Auch Wettbewerbe gab es zu dieser Fragestellung. Böttge hat ein paar der Visionen in seine Mappe geheftet. Ein Freibad im Hafenbecken gehört dazu.
Die Pläne der PRV GmbH sehen vor, in jedem Speicher 90 Wohnungen auszubauen – barrierefrei und mit individuellem Charakter. In die untere Etage soll Gewerbe einziehen. Die Straße entlang der Elbe wird verkehrsberuhigt und nur noch als Promenade und Radweg zu benutzen sein.

Welche Visionen hier auch immer verwirklicht werden, sie sollen konform gehen mit den Ideen, die in einem „Wissenschaftshafen“ unterwegs sind.

Michael Böttge ist Magdeburger. Einer, der in der Region geboren ist und sich als Lokalpatriot bezeichnet. Und als jener fände er es wichtig, dass geschichtsträchtige Bauten erhalten bleiben, möglichst auch wieder einer Nutzung zugeführt werden.
„Wohnen im Speicher, das hat Charme“, sagt er und schaut draußen an den Gebäuden hoch. „Dort oben aus dem Turm“, er zeigt Richtung Dach, „könnte jeweils ein Penthouse entstehen.“

Ist das Wohnen im Speicher auch für jene attraktiv, die von ihrem Balkon aus nicht die Sicht auf die Elblandschaft genießen können? Böttge kennt sich aus, was mögliche Zielgruppen für diesen exklusiven Wohnstandort betrifft. „Es gibt auch die“, sagt er, „die abends die beleuchtete Silhouette mit den Brücken und Kirchtürmen, die benachbarten universitären Einrichtungen von Magdeburg sehen möchten.“

Überhaupt seien die Pläne, die er hier in der Hand hält, ja nichts Starres, Unveränderliches, meint Michael Böttge. Er wird für sein Untenehmen zur Expo Real nach München fahren und für das Wohnen in der Speicherstadt werben. „Sollte es Kaufinteressenten geben, bevor die Sanierungs- und Bauarbeiten losgehen, können natürlich noch viele individuelle Wünsche berücksichtigt werden“, betont Böttge.

Derweil macht sich gerade jemand in Arbeitskluft daran, das hohe Gras zu mähen, als sollten die Gleise frei gelegt werden für eine volle Fahrt voraus.


Autorin (Text/Foto):
Kathrain Graubaum

Kontakt:
PRV GmbH & Co. KG
Lennéstraße 4
39112 Magdeburg
Tel.: +49 391 810669-0
Web: www.prv-unternehmen.de

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