Die ibi - Vision setzt sich durch - Aufbau der Braunkohle-Chemie in Mitteldeutschland kommt voran

Die Vision von der heimischen Braunkohle als Chemierohstoff, von ihrer stofflichen Nutzung, vom Schaffen einer kompletten Wertschöpfungskette in Mitteldeutschland, setzt sich durch – aber nicht so zügig wie beim Start des Projekts vor fünf Jahren erhofft. Das war der Tenor, der auf dem 2. ibi-Fachsymposium  in Halle durchklang.

Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung zogen  Zwischenbilanz. Die Errichtung eines Braunkohlenchemieparks bleibe das Ziel, erklärte ibi-Vorstand Andreas Hiltermann. Doch auf Grund der sich seit dem Projektstart vor fünf Jahren veränderten Rahmenbedingungen „ist der Wettbewerb um die Synthesegasgewinnung aus Braunkohle für das nächste Jahrzehnt von uns nicht gewonnen worden“, räumte der ehemalige Chef der InfraLeuna GmbH und Sprecher des Clusters Chemie/Kunststoffe Mitteldeutschland für den Bereich Feedstock ein. Sei man damals von einem Fortbestehen der parallelen Entwicklung des Weltmarkt-Preises von Erdöl und Erdgas ausgegangen, ist durch die zunehmende Verbreitung der Fracking-Methode bei der Erdgasförderung weltweit ein Preisverfall bei diesem Rohstoff eingetreten. Trotzdem lohne es, an dem Thema festzuhalten.

Immerhin habe es in den vergangenen vier Jahren weltweit 900 Investitionsvorhaben auf diesem Gebiet gegeben. Allerdings lägen davon nur 80 in Europa, drei davon in Leuna. Hiltermann forderte Rechtssicherheit für Investoren, die Gleichstellung der Rohstoffe Gas, Erdöl und Kohle sowie die weltweite Rückkehr zu wettbewerbsfähigen Preisen. Dabei können die ibi-Aktivisten auf die volle Unterstützung der Politik zählen. „Die Landesregierung steht fest hinter diesem Vorhaben“, sagte die Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft und Wirtschaft des Landes Sachsen-Anhalt, Tamara Zieschang. Ibi habe für die Landesregierung „eine ganz, ganz große Bedeutung“.

Das Land verfüge über Braunkohlelagerstätten im Umfang von ca. vier Milliarden Tonnen. Daraus ergäben sich große Chancen für eine Allianz aus Braunkohleindustrie, Chemieindustrie und Anlagenbau. Sie forderte Wissenschaft und Wirtschaft auf, noch enger zusammenzuarbeiten, neue Techniken, neue Anlagen und neue Verfahren zu entwickeln. „Ibi ist das Synonym für innovative Kohlechemie in Mitteldeutschland“, hob Zieschang vor den rund 100 Teilnehmern des Symposiums hervor. Anspruch sollte sein, sowohl bei der Gewinnung des Rohstoffes, bei den Verfahrenstechniken, beim Anlagen- und Apparatebau als auch bei der Herstellung von Basisstoffen Weltspitze zu sein.

Hans-Peter Hiepe vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ging ebenfalls auf die veränderten Bedingungen ein. Er verwies zudem auf Probleme, mit denen das hochkomplexe Projekt verbunden sei. Als Beispiele nannte er den CO2-Ausstoß und den Landschaftsverbrauch. Das Thema bewegt sich nach seinen Worten in einem hoch emotionalisierten Gebiet. Trotzdem gelte weiter: „Braunkohle ist zu schade, um sie zu verbrennen.“ Während anderswo die Investitionsbereitschaft zurückginge, bleibe die Politik bei ihrem Bekenntnis zu dem Projekt, versicherte Hiepe. Auch wenn der Zeitraum bis zum Erfolg größer geworden sei, dürften die Anstrengungen nicht nachlassen. „Ich bin guter Hoffnung“, sagte Hiepe. Er erklärte, die Dynamik eines solchen Projekts wie ibi käme vor allem durch unternehmerisches Engagement zustande. Das BMBF verstehe sich durchaus als Investor, der aber auch eine entsprechende Rendite erwarte. Voraussetzung sei ein Businessplan, um auf Veränderungen reagieren zu können. „Die Bedeutung des ibi-Projekts für Sachsen-Anhalt und Mitteldeutschland ist zur Zeit noch gar nicht zu ermessen“, betonte Hiepe. Er erinnerte daran, dass die Bundesregierung bisher zehn Millionen Euro in ibi und weitere zehn Millionen Euro in das Rohstoffforschungszentrum Freiberg gesteckt habe. „Das ist gut investiertes Geld“, stellte er fest.

Marion Wilde von der Generaldirektion Energie bei der Europäischen Kommission ermunterte ebenfalls, das ibi-Projekt engagiert weiter zu führen. Es passe gut in die von der EU angestrebte Richtung, möglichst viele einheimische Rohstoffe zu nutzen. Aus der Sicht der EU müssten drei Kriterien erfüllt werden, so Wilde. Das sind Nachhaltigkeit, Verfahrenssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit. „Ich drücke die Daumen, dass die Kohle-Chemie eine Chance hat, in entsprechende Förderprogramme der EU aufgenommen zu werden“, sagte Wilde. Sie riet, sich starke internationale Partner, zum Beispiel in Polen oder Tschechien zu suchen. Ohne Partner in drei oder vier Ländern habe man keine Chance, warnte sie. Konferenzmoderator Gunthard Bratzke, auch Leiter der ibi-Geschäftsstelle, berichtete, dass es bereits Kontakte nach Russland, in die Mongolei und nach Tschechien gäbe. Im Verlauf des Symposiums wurde das Thema unter den verschiedensten Aspekten umfassend beleuchtet.

An Hand von sechs Verbundprojekten stellte Tom Naundorf, Geschäftsführer Technik der Romonta GmbH, vor, wie weit ibi auf den einzelnen Prozessstufen vorangekommen ist. Durch die Erweiterung der Wertschöpfungskette sei ein Baukastensystem entwickelt worden, um auf Veränderungen reagieren zu können.

Als nächste Schritte nach 2014 nannte ibi-Vorstand Andreas Hiltermann in seinem Resümee folgende Aufgaben auf den verschiedenen Prozessstufen: Verfeinert werden müssen Modelle zur Erkundung der Lagerstätten. Für Kunden ist ein Referenzsystem zu schaffen. Erforderlich ist ein Konzept für die Errichtung einer Großanlage zu Demonstrationszwecken. Notwendig ist eine Technikumsanlage Extraktion, die den Nachweis industrieller Machbarkeit erbringen soll. Orientiert wird sich auf die Erarbeitung eines Konzepts und den Bau einer Technikumsanlage auf der Stufe der Niedertemperaturkonversion. Schließlich wird die Entwicklung eines Kerns für einen Braunkohlenchemiepark angesteuert.

Die Gründung von ibi vor fünf Jahren war eine Reaktion auf die Verknappung von Erdöl und Erdgas, auf die einseitige Abhängigkeit von ihnen, auf steigende Preise und auf das nahende Nach-Erdölzeitalter.
Damals haben sich in der Region Halle-Merseburg-Leipzig zehn regional verwurzelte Unternehmen und zwei Hochschulen zusammengefunden, um neue Technologien für die stoffliche Nutzung der Braunkohle zu entwickeln. Die von ihnen angestrebte Integration der Braunkohle in die chemische Industrie wird vom BMBF mit dem Projekt „ibi“ gefördert. Für den Aufbau einer Prozesskette von der Lagerstätte über die Gewinnung bis hin zur Veredlung werden umfangreiche Investitionen veranschlagt. Auf diesem Weg, so Hiltermann, sind wir dem Ziel „ein gutes Stück näher gekommen“.


Kontakt:
Cluster Chemie/Kunststoffe Mitteldeutschland
Stefan Basus
Tel.: +49 345 29982726
E-Mail: cluster-chemie-kunststoffe@online.de
Web: www.cluster-chemie-kunststoffe.de

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