Übernahme der SDI Molan aus Schönebeck durch Takata

 

Der Weltkonzern Takata hat die Firma SDI Molan aus Schönebeck in Sachsen-Anhalt übernommen. Wir fragen: Warum die Übernahme? Was bedeutet das für den Standort und wohin soll die Reise gehen?

 

Der 30. November 2012 war für Werner Kraft ein ganz besonderer Tag. Der damalige Geschäftsführer der SDI Molan in Schönebeck und heutige Werksleiter wusste: An diesem Tag muss die Übernahme von SDI Molan durch die neue Eigentümerin Takata abgeschlossen sein. Gesellschafter-Anteile müssen verkauft, Zahlungseingänge bis Mitternacht bestätigt sein, aus steuerrechtlichen Gründen. „Sonst wäre der Deal geplatzt, und wir hatten keinen Plan B“, erzählt er heute, drei Monate später. Werner Kraft sitzt an einem sonnigen Frühjahrstag im Konferenzraum des jetzigen Takata-Standortes in Schönebeck. Kraft ist ein alter Hase in dem Geschäft, seit 1975 arbeitet er auf diesem Gelände in Schönebeck, in Sachsen-Anhalt.

Es sind die buchstäblichen zündenden Ideen, die den Standort international interessant machen: Sprengstoff-Verarbeitung hat in Schönebeck seit über hundert Jahren Tradition. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde hier ziviler Sprengstoff hergestellt, für Bergwerke zum Beispiel. Dann die militärische Nutzung während des zweiten Weltkriegs, gefolgt von der Enteignung zu DDR-Zeiten und der Umwandlung in den volkseigenen Betrieb VEB Sprengstoffwerk Schönebeck. Nach der politischen Wende 1989 wurde das Firmengelände aufgeteilt und von der Treuhand an verschiedene Investoren verkauft.

Molan – ein Kunststoff-Unternehmen aus Bremen – erwirbt einen Teil und beginnt, Gurtstraff-Systeme für Autos zu produzieren, pyrotechnische Mikrogas-Generatoren kommen dazu. 2001 steigt die US-Amerikanische Firma Special Devices Incorporated (SDI) mit ein. Fortan werden unter dem Label SDI Molan erfolgreich Mikrogas-Generatoren und Airbag-Anzünder produziert. Bis heute.

Auf dem Firmengelände der jetzigen Firma Takata pufft und knallt es also schon lange. Und das ist nicht immer ungefährlich. Deshalb ist das Gelände auch weitläufig angelegt: Am Rande eines Industriegebietes gelegen mit flachen Bauten. Produktionshalle und Verwaltung weit voneinander getrennt, dazwischen grüne Hügel, unter denen der Sprengstoff lagert. Überall Sicherheitshinweise.

Sicherheit ist oberstes Gebot. Das wissen alle Mitarbeiter, das wissen auch die Behörden. Andernfalls hätten sie nicht schon vor Jahrzehnten die erforderlichen Genehmigungen erteilt, die ein Standort wie dieser braucht. Es sind die Sprengstofferlaubnis und die Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz, die einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil ausmachen.
Genau das weiß auch die neue Eigentümerin Takata zu schätzen. Der japanische Konzern hat weltweit über 36.000 Beschäftigte und gehört zur Weltspitze, was Sicherheit im Auto angeht. Er produziert zum Beispiel Airbagsysteme, Lenkräder, Sicherheitsgurte oder Kindersitze. Und er war jahrelang zufriedener Kunde von SDI Molan als Zulieferer. Als die Eigentümer von SDI Molan 2012 signalisierten, dass sie einen Verkauf in Erwägung ziehen, bekundete Takata  sein Interesse. Es folgten Monate voller Verhandlungen und Absichtserklärungen, und dann kam der 30. November 2012.

„Mit der Eingliederung in den Konzern haben wir unsere Flexibilität bei Airbags und Gurtstraffern weltweit erhöhen können“, sagt Christophe Dervyn, Leiter des globalen Bereichs Generatoren bei Takata. „SDI bietet technologisch mit der so genannten „Slurry-Technologie“ - also der Feuchtdosierung von Pyrotechnik – eine Besonderheit in der Branche. Mit dem Kauf von SDI Molan haben wir unsere Wertschöpfungstiefe im Konzern erweitern können.“

Erweitern ist das Stichwort. Momentan sind  die Maschinen noch nicht voll ausgelastet, 70 Mitarbeiter, darunter fünf Auszubildende sowie drei Praktikanten arbeiten hier, nicht nur in der Produktion sondern auch in der eigenen Entwicklung. Beides soll ausgebaut werden: Eine Auslastung von einhundert Prozent in den kommenden drei Jahren ist das Ziel. Das heißt auch, dass weitere Fachleute eingestellt werden sollen. „SDI Molan kann jetzt auch an unsere Airbag-Fabriken in Asien und Amerika liefern und hat damit neue erweiterte Perspektiven“, betont Christophe Dervyn.

Einzig die sichtbare Hülle der Übernahme in den Takata-Konzern ist in Schönebeck noch nicht zu sehen. Fahnen, Schilder und Briefköpfe sind derzeit in Arbeit. Für den Schönebecker Werksleiter Werner Kraft ist das aber nicht entscheidend. Entscheidend sei, jetzt Teil eines Weltkonzerns zu sein. „So können wir international auf Augenhöhe kommunizieren. Die Übernahme durch Takata birgt für beide Seiten unendlich viel Potenzial.“


Autorin/Fotografin: Anja Schlender

Kontakt:
TAKATA Ignition Systems GmbH
Jakob Lux
Wilhelm-Dümling-Straße 17
39218 Schönebeck
Tel.: +49 3928 42160
Fax: +49 3928 4216175
Mail: Jakob.Lux@eu.takata.com


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