Beschäftigung für Quarantäne-Kids

Zwei Burgstudentinnen bieten kostenlos Spiele auf ihrer Webseite an

Die Schulen und Kitas sind geschlossen. Ohne Freunde und mit Eltern, die zu Hause oder an wichtigen Stellen arbeiten, kann da schon mal Langeweile aufkommen. Muss aber nicht: Zwei Studentinnen der Burg Giebichenstein in Halle (Saale) haben in Windeseile eine Spiel-Webseite für Kinder entwickelt, die immer mehr Fans findet.

Die Idee bekommen die Schwestern Anne und Ruth Löwenstein nach einem Buchbinde-Workshop in einer halleschen Grundschule. Sie erleben, wie traurig die Kinder auf die Nachricht reagieren, dass ihre Schule geschlossen wird. „In unseren Köpfen begann es sofort zu surren“, sagt die 21-jährige Ruth. „Wir konnten gar nicht anders“. Kinder sinnvoll zu beschäftigen, das sei ihre Passion, darum haben beide Schwestern auch die Fachrichtung Spiel- und Lerndesign an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein gewählt – die 25-jährige Anne hat den Abschluss bereits in der Tasche und ist bei einem Spielzeughersteller beschäftigt, Ruth (21) studiert im vierten Semester.

Das Schwestern-Duo setzt sich einen Tag nach dem Erlebnis an den Rechner, will zunächst für Familien ihrer Umgebung „ein paar Aufgaben entwickeln“ und per E-Mail versenden. Dann denken die Schwestern aber schnell größer. Möglichst viele Familien wollen sie „Beschäftigungsfutter“ geben. Noch nie haben sie eine Webseite gebaut. „Bei uns wurde unglaublich viel Energie freigesetzt“, sagt Studentin Ruth Löwenstein. Sie erstellen eine Internetplattform, entwickeln Figuren, ein Farbschema, tüfteln an Bastelaufgaben, kramen aus dem Gedächtnis einfache Spiele ihrer Kindheit hervor. Am Abend geht die Seite online. Die Akteure auf ihrer Seite „Quarantäne Kids“ wachsen, das Schwein Frieda Ringeldich, der Wal Klaus Abgetaucht und das Krokodil Günther Aufgepasst sind im Intro der Rubrik „Ideenpost“ zu sehen, versprechen „jeden Tag eine Freude zu schenken“, damit niemand mehr traurig sein muss.

Bastelanleitungen für Jo-Jo, Papierflieger oder Wimpelkette sind dort zu finden. Kleine Geschichten, Aktivitäten und Spiele. Mit den Tipps für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren landen die Schwestern einen Volltreffer. „Wir haben von Beginn an unglaublich viele Rückmeldungen erhalten“, sagt Ruth Löwenstein. Inzwischen bekommen die Schwestern, die im Homeoffice agieren, viel Post – per Mail oder auf Instagram. Dort folgen den Schwestern bereits knapp 9.000 Abonnenten. Eltern senden Fotos, zeigen die Erfolge der Kinder, sogar eine Theateraufführung hat es über Instagram gegeben. „Viele Familien warten morgens schon um 8 Uhr, wenn normalerweise die Schule oder die Kita startet würde, mit dem Smartphone oder am Rechner auf die neuen Aufgaben“, sagt Ruth Löwenstein.

So soll es weitergehen. Jeden Tag wollen die beiden Frauen weiterhin den kleinen Nutzern zeigen, wie sie aus wenig Material Spielwelten gestalten und sich kreativ austoben können. Wichtig sei, dass die Anregungen leicht umzusetzen und die Utensilien ohnehin im Haus sind. Dabei schöpfen die jungen Frauen aus dem Wissen ihres Studienganges und Erlebnissen ihrer Kindheit. Verbinden spielerisch Pädagogisches und Praktisches. Ruth Löwenstein sagt: „Als Kinder haben wir immer viel gebastelt, und wir haben diese Leidenschaft, für Kinder zu arbeiten, das kommt uns jetzt zugute.“ Die Bastel-Anregungen auf der Seite, die sie ohne Erfahrung und Geld, mit wenig Vorlaufzeit gebaut haben und stetig erweitern, verknüpfen die „Geschwister Löwenstein“ mit Aktionen. „Damit sind wir momentan den ganzen Tag beschäftigt“, sagt die Burg-Studentin. „Und die Familien auch, das ist doch erstmal sehr gut.“

Autorin: Manuela Bock

Aktueller Nachtrag – das Engagement der jungen Frauen wurde Mitte April 2020 mit einer Auszeichnung gewürdigt. Die Geschwister Löwenstein erhielten den 1. Preis im Ideenwettbewerb SPIEL der Denkstatt Erzgebirge. Das Jurystatement lautete: „Die Internetseite voller kreativer Ideen besticht durch ihre gestalterische Qualität und ein maßgeschneidertes Handling, passend in die Umstände der Corona Krise. Täglich wird der Faden weitergesponnen. Der Fantasie werden keine Grenzen gesetzt.“


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