Kleines Unternehmen leistet sich große Ideen

ZORN INSTRUMENTS in Stendal setzt auf eigene Forschung und Entwicklung

Die Mess- und Prüfgeräte der Stendaler Firma ZORN INSTRUMENTS sind vom modernsten technischen Standard und von hoher Präzision – und sie sind weltweit bekannt. Die Marke ZORN auf den Geräten zur Schnellprüfung in verschiedensten Anwendungsbereichen bürgt für beste Qualität „Made in Germany“. Auch Auftraggeber aus der Medizintechnik gehören inzwischen zum Kundenkreis. Sie schätzen vor allem die Flexibilität des Unternehmens im Norden Sachsen-Anhalts.

Thorsten Hildebrand holt ein Skalpell aus der Ausstellungsvitrine. Mit bloßem Auge ist kaum zu sehen, dass sich am Ende des Instrumentes ein feinstes Sägeblatt hin und her bewegt. Und er zeigt noch eine Zange, mit deren Hilfe ein künstlicher Wirbel in die Wirbelsäule eingesetzt wird. Sowohl das Werkzeug als auch das Ersatzteil wurden von ZORN INSTRUMENTS entwickelt und hergestellt.

Die Problemstellungen werden dem Stendaler Unternehmen hauptsächlich aus der Praxis geliefert. „Wir analysieren dann, mit welchen Technologien sie zu lösen wären“, erzählt Thorsten Hildebrand. „Gerade ist bei uns ein Clip entwickelt worden, mit dem bei der Voruntersuchung von Darmkrebs krankes Gewebe punktgenau markiert werden kann.“

Produkte wie das Skalpell oder der Clip gehören zu den sogenannten Nischenprodukten, mit denen sich ZORN INSTRUMENTS auch im Medizintechnikmarkt etabliert. Ihr Anteil an der laufenden Produktion beträgt inzwischen15 bis 20 Prozent.

„Vorrangig arbeiten wir für namhafte Kunden, die ihre Produkte weltweit vertreiben“, sagt Thorsten Hildebrand. Er ist für den Vertrieb und das erfolgreiche Marketing der Firma im Ausland verantwortlich und betont: „Die Zorn-Mannschaft ist stolz darauf, in der Branche großes Vertrauen zu genießen. Das hat mit unserer Flexibilität zu tun, mit unserer Genauigkeit und auch mit unserer Bereitschaft, Geld zu investieren, damit eine innovative Idee weiter verfolgt werden kann.“

Die Forschungspartner des Unternehmens sind zum Teil altvertraute Partner. Andere neue kommen über den Kontakt zur Technologietransfereinrichtung tti Magdeburg GmbH. „Als kleines Unternehmen wollen wir uns auf unsere Kompetenzen konzentrieren und nehmen gern die Hilfe in Anspruch, die das tti bietet“, sagt Hildebrand. Die Technologietransfereinrichtung in Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt vermittelt nationale und internationale Kontakte für Kooperationen auf dem Gebiet der Forschung und Entwicklung. Auch das Management des Clusters Medizin- und Gesundheitstechnik ist hier angesiedelt. „Wir sind Cluster-Mitglied“, sagt Thorsten Hildebrand und, dass es eine Reihe neuer Produkt-Ideen gibt.

Allerdings führe nicht jede Idee zu einem Prototyp. Manchmal müsse man auf halbem Wege erkennen, dass etwa eine bestimmte Technik noch nicht weit genug entwickelt ist. Aber aus Erfahrung könne er sagen, dass auch auf Wegen, die nicht zum großen Ziel führen, zig andere Ideen und viele nützliche Teilergebnisse geboren werden. In den fünf findigen Köpfen aus der Zorn-Entwicklungsabteilung finden sie früher oder später irgendwo doch ihre Verwendung.

ZORN INSTRUMENTS e.K. ist ein klangvoller Name mit Reichweite in mehr als 60 Länder. 2013 konnte sich das mittelständische Unternehmen mit seinen 40 Mitarbeitern über den zweiten Platz des Deutschen Außenwirtschaftspreises freuen. 35000 Prüfgeräte und Instrumente gehen an Kunden weltweit. Darunter ist beispielsweise ein Zuckerfabrikant in Thailand. „Dort wird der Rohrzucker-Anbauer nach dem Zuckergehalt des Rohsaftes bezahlt, demzufolge sind entsprechende Filter im Einsatz“, erzählt Thorsten Hildebrand. ZORN INSTRUMENTS hat für den Kunden einen umweltfreundlichen Filter aus Kieselgur entwickelt.

Auch die traditionellen Geräte zur Prüfung der Tragfähigkeit von Baugrund werden in der hauseigenen Entwicklungsabteilung immer weiter perfektioniert und den modernen Herausforderungen angepasst. Sie sind u.a. bis nach China und Indonesien, in die USA und bis in die arabischen Emirate vorgedrungen. Demnächst werde auch nach Jordanien exportiert, ist die Geschäftsführung optimistisch. Ein Praktikant habe gute Arbeit geleistet, was den Aufbau dieses internationalen Geschäftes betrifft. Khaldoon Hamarneh ist Student an der Deutsch-Jordanischen Universität, die unter Federführung der Hochschule Magdeburg-Stendal in Amman aufgebaut wurde. Zu seinem Studium gehört ein praktisches Jahr in verschiedenen deutschen Unternehmen. Gerade arbeitet er bei ZORN am Hochschulstandort Stendal.

Khaldoon schaut sich die in gläsernen Vitrinen ausgestellte Betriebsgeschichte an. Thorsten Hildebrand spricht mit Recht vom „Museum“. Zorn steht für den Namen der Familie, die das Unternehmen – 1870 als mechanische Werkstatt gegründet – heute in vierter Generation führt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Betrieb Zulieferer für die Deutsche Reichsbahn. 1955 nahm er die Fertigung von Härteprüfgeräten für metallische Werkstoffe in die Produktion auf.

Draußen vor dem Fenster wächst derzeit ein neues Firmengebäude heran. Auch die Forschungs- und Entwicklungsabteilung wird hier größere Räume beziehen. Querdenker bekommen bei ZORN dann noch mehr Freiraum.

Autorin: Kathrain Graubaum (Foto/Text)

 

BU: ZORN-Vertriebsleiter Thorsten Hildebrand holt sich beim Leiter der Qualitätssicherung Wolfgang Haupt Informationen über geprüfte Geräte.

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