Filmfans unter Strom: Aber nur, wenn alle ordentlich strampeln …

Hallesches Fahrrad-Kino vereint auf kreative Art viele Themen

Der hallesche Studentenverein CultureConAction hat sich auf die Fahnen geschrieben, junge Menschen in einen interkulturellen und weltoffenen Dialog zu bringen. Themen wie Nachhaltigkeit bringen die Vereinsmitglieder auf kreative Art ins Rollen – beispielsweise mit einem Fahrradkino, bei dem der Film nur dann läuft, wenn das Publikum strampelt und dadurch Strom produziert. Zur ersten deutschlandweiten „Langen Nacht der Kultur- und Kreativwirtschaft – Jackpot“ leiht sich der Verein Kreativwirtschaft Sachsen-Anhalt die Technik aus und lädt ins Café „Sonnendeck“ ans Pfälzer Ufer ein. Aber was muss man überhaupt tun, damit ein solches Projekt „rund läuft“ und keinem die Luft ausgeht?

Wir sprachen mit Willy-Alexander Keilholz (Vereinsmitglied), und Kilian Hüfner (Vereinsvorstand) von „CultureConAction Halle e.V.“.

Erklären Sie bitte kurz, was das Fahrradkino ist!
Willy-Alexander Keilholz:
Mit unserem Projekt Fahrradkino möchten wir als Verein die Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit mit Alltag und Freizeit verknüpfen und auf unterhaltsame Art für jeden er-fahr-bar machen. Dabei erzeugt das Publikum bei Kino- und Kulturveranstaltungen den Strom mittels einer Fahrradkino-Anlage selbst.
Kilian Hüfner: Bei unseren Veranstaltungen zeigen wir außergewöhnliche und gesellschaftskritische Filme und versuchen sie mit Angeboten wie Diskussionen mit Filmemachern oder Workshops zu ergänzen. Wir wollen Bewusstsein und Wissen zu unterschiedlichen Themen schaffen und vermitteln, zum Nachdenken anregen und eigene Selbstverständlichkeiten hinterfragen.

Wie funktioniert das Fahrradkino technisch?
Kilian Hüfner:
Die Hinterräder werden in Rollentrainer eingespannt an die Generatoren angeschlossen sind. Die von den Rädern erzeugte Energie wird auf einem Schaltbrett in Wechselstrom umgewandelt. Als Puffer beziehungsweise Speicher für die Stromversorgung in der Zeit, wenn Radler*innen auf- und absteigen, dient eine Autobatterie. Es sind immer bis zu zehn Räder gleichzeitig im Einsatz.

Wie viele Radler müssen dabei immer strampeln?
Willy-Alexander Keilholz: Es strampeln immer bis zu zehn Personen gleichzeitig. Wem die Puste ausgeht, der klingelt und kann ausgewechselt werden. Dann springt meist jemand aus dem Publikum auf oder die Leute stehen sowieso schon an, weil sie „mitradeln“ möchten.

Und wieviel Strom kann so erzeugt werden?
Kilian Hüfner:
Mit der gesamten Anlage können wir im Idealfall bis zu 1.000 Watt erzeugen – wobei jede*r Radler*in zwischen 50 bis 150 Watt erzeugen kann – je nach eigener Leistungsfähigkeit.

Wie und wann sind Sie auf die Idee gekommen?
Willy-Alexander Keilholz: Wir waren 2010 auf der Suche nach einem interessanten Kulturprojekt und wurden von britischen und amerikanischen Fahrraddiscos inspiriert. Noch im selben Jahr lief eine Probeveranstaltung mit einer geliehenen Anlage. Davon waren viele Menschen begeistert, darum begannen wir 2011 mit der Finanzierung und dem Bau einer eigenen Anlage.

Kommt das Fahrradkino oft zum Einsatz und geben Sie die Technik auch weiter?
Kilian Hüfner:
Wir organisieren mehrere Veranstaltungen im Jahr zu aktuellen Themen und Brennpunkten, oft in Kooperation mit regionalen Initiativen. Aber viele Organisatoren und Vereine aus der Region und ganz Deutschland leihen sich die Anlage auch aus. Das sind Veranstalter*innen von Kulturprojekten, Schulen, Umweltvereine, soziale Einrichtungen, aber auch kleine Betriebe, die ihre Firmenfeier aufpeppen möchten. Wir verleihen allerdings immer nur die Technik, die Fahrräder bringen die Zuschauer*innen mit.

Wie finanziert sich das Projekt?
Willy-Alexander Keilholz: Über verschiedene Fördertöpfe und Spenden sowie dem Verleih der Fahrradkino-Anlage. Die Gelder, die wir akquirieren, fließen in die Organisation der einzelnen Veranstaltungen, die Wartung und den Ausbau der Fahrradkino-Anlage.

Welche kreativen Projekte haben Sie außerdem noch angeschoben?
Willy-Alexander Keilholz: Wir ergänzen unsere Veranstaltungen gern mit ungewöhnlichen Aktionen. Wir haben bereits Kleidertauschbörsen organisiert, Upcycling- und Kreativworkshops angeboten. Oder wir haben einen Koch eingeladen, der Essen, das wir containert – also aus den Containern und Mülltonnen der Lebensmittel-Märkte gefischt hatten – in Delikatessen verwandelt hat. Wir haben für Geisteswissenschaftler*innen bereits Firmenkontaktmessen ausgerichtet, ein internationales Kulturfestival auf die Beine gestellt und Ringvorlesungen zu Themen wie Europa und Menschenrechte organisiert.  

Welche kreativen Ideen, die die Nachhaltigkeit im Blick haben, könnten noch Gestalt annehmen?
Kilian Hüfner: Wir streben aktuell eine Fusion mit dem halleschen Verein „Postkult e.V.“ an. Gemeinsam möchten wir das Fahrradkino in einer alten Zigarrenfabrik auf dem Vereinsgelände im Stadtteil Glaucha stationieren. Damit können wir regelmäßig Veranstaltungen anbieten – sowie Glaucha kulturell bereichern und neu beleben.

Kontakt:
CultureConAction e.V./Postkult e.V.
Böllberger Weg 5
06110 Halle (Saale)
E-Mail: cultureconaction@yahoo.de
Internet: https://cultureconaction.wordpress.com/

Foto: Fahrradkino im Einsatz (Foto: Silvio Kison)

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