Fraunhofer IMWS und OCP Group verstärken Zusammenarbeit für nachhaltige Düngemittelproduktion

© Fraunhofer IMWS

Badr Ikken (Leiter des marokkanischen Institute for Research in Solar Energy and New Energies IRESEN), Mostafa Terrab (Vorstandvorsitzender OCP Group) und Prof. Ralf B. Wehrspohn (Leiter Fraunhofer IMWS, von links) unterzeichneten ein Memorandum of Understanding. Im Hintergrund Thomas Wünsch (Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt).

Kooperationsvertrag abgeschlossen

Grüner Wasserstoff und Grünes Ammoniak als nachhaltige Rohstoffe für die Düngemittelindustrie: Mit diesem Ziel werden das Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS in Halle (Saale) und die marokkanische OCP Group, der weltweit größte Exporteur von Phosphaten, künftig noch enger zusammenarbeiten. Im Chemiepark Leuna unterzeichneten die beiden Einrichtungen eine Kooperationsvereinbarung.

Das Memorandum of Understanding sieht eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit dem Ziel vor, nachwachsende Rohstoffe noch besser für die Nutzung in der Düngemittelindustrie zu erschließen. Der Schwerpunkt soll auf zwei Rohstoffen liegen: Grüner Wasserstoff, der mittels Elektrolyse mit Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen wird, lässt sich als Ausgangsstoff zu zahlreichen wichtigen Produkten der chemischen Industrie weiterverarbeiten. Grünes Ammoniak, bestehend aus Grünem Wasserstoff und Stickstoff, kann als Grundstoff beispielsweise für die Herstellung von Düngemitteln dienen. 

»Grüner Wasserstoff und Grünes Ammoniak bieten enorme Potenziale, um die Rohstoffversorgung für die Düngemittelproduktion auf eine nachhaltige Basis stellen zu können und unabhängiger von Erdöl, Erdgas und anderen fossilen Rohstoffen zu werden. Ich freue mich, dass unsere zahlreichen Aktivitäten zur Chemie 4.0 auch international wahrgenommen werden und wir diese Technologien nun auch mit einem global führenden Konzern wie OCP vorantreiben können. Wir möchten nachweisen, dass sie sich im industriellen Maßstab einsetzen lassen – und zwar zu Preisen, die sich für die Unternehmen lohnen«, sagt Prof. Ralf B. Wehrspohn, Leiter des Fraunhofer IMWS. 

»Die Verantwortung für die Umwelt ist für uns stets ein wichtiges Anliegen, nicht nur bei der Arbeit in unseren Minen, sondern als grundlegendes Prinzip unseres Ansatzes der Kreislaufwirtschaft. Der Einsatz von Grünem Ammoniak passt zu dieser Strategie. Er kann dazu beitragen, wertvolle Ressourcen zu schonen und unseren Kunden hochwertige, nachhaltige neue Produkte anbieten zu können. Deshalb freuen wir uns darauf, die Zusammenarbeit mit Fraunhofer weiter zu stärken«, sagt Mostafa Terrab, Vorstandsvorsitzender von OCP. 

Im traditionsreichen Chemiepark Leuna, wo die Kooperationsvereinbarung unterzeichnet wurde, entsteht unter Führung der Fraunhofer-Gesellschaft bereits eine Pilotanlage, mit der ab 2019 Grüner Wasserstoff produziert und für den Stoffverbund der dort ansässigen Unternehmen bereit gestellt werden soll. Eine ähnliche Plattform, die zudem auch Grünes Ammoniak produzieren kann, wird nun für einen Standort in Marokko von OCP und dem Green Energy Park entwickelt. Das Fraunhofer IMWS unterstützt dabei. Zudem besuchte die Delegation aus Marokko in Leuna auch das Fraunhofer-Zentrum für Chemisch-Biotechnologische Prozesse CBP und informierte sich über die Möglichkeiten, Phosphor mit biotechnologischen Prozessen zu modifizieren sowie die Potenziale der elektrokatalytischen Synthese bei der Produktion von Ammoniak. 

Die deutsch-marokkanische Kooperation hat sich bereits wiederholt bewährt. So haben die Experten aus Halle den Aufbau des 2015 eröffneten Green Energy Park begleitet. Diese Test- und Forschungsplattform für Photovoltaik-Module und -Systeme ist eines der größten Testfelder für Photovoltaik und Solarthermie in Afrika. Im Green Energy Park können in Echtzeit die Leistungscharakteristik von Solarmodulen und -Systemen sowie ortsabhängige Einflüsse wie Sonneneinstrahlung, Atmosphäre, Wind, Verschmutzung, Niederschlag und Temperatur untersucht werden. Im Rahmen der neuen Kooperationsvereinbarung wurde nun die mögliche Zusammenarbeit für den Aufbau eines »African Institute for Solar Ammonia« diskutiert. 

»Bei der Konzeption und Etablierung des Green Energy Park haben wir sehr positive Erfahrungen mit der Zusammenarbeit mit Fraunhofer gemacht. Ich bin sicher, dass die Bündelung unserer Kompetenzen auch diesmal für exzellente Lösungen sorgen und den Ausbau Erneuerbarer Energien in Afrika weiter voranbringen wird«, sagt Badr Ikken, Co-Präsident des Green Energy Park und Leiter des marokkanischen Institute for Research in Solar Energy and New Energies (IRESEN), mit dem das Fraunhofer IMWS bereits seit 2012 kooperiert.