In Norwegen und Schweden steht Sicherungstechnik für Eisenbahnbaustellen aus Sachsen-Anhalt

Scheinbar banale feste Sperranlagen an Eisenbahnbaustellen entpuppen sich bei näherer Betrachtung als Hochtechnologie. Denn diese sogenannte Sicherungstechnik hat es in sich. Sie muss beispielsweise den mit 250 Stundenkilometer schnellen ICE-Zügen trotzen, darf sich in der Druckwelle und beim Sog des Zugendes nur in engen Grenzen bewegen.

Systembauteile aus Sandersdorf-Brehna bei Halle an der Saale schaffen das problemlos. Ganze 4,5 Millimeter bewegen sich die Elemente nach rechts oder links. Zwei Zentimeter sind erlaubt. Die UPZ-Gruppe hat sich als Spezialist für solche Anlagen etabliert. In den kommenden Monaten sorgen die Experten aus Sachsen-Anhalt auf Baustellen in Norwegen und Schweden für Sicherheit.

Peter Zeranski, Geschäftsführer der UPZ-Gruppe, zeigt sich stolz auf das Geschäftsfeld. Fast die Hälfte aller 253 Mitarbeiter des Unternehmens mit ihren elf Firmen ist dafür in ganz Europa tätig. Alle Bauteile entstehen im eigenen Betrieb, wurden dort entwickelt. In endlosen Testreihen bewiesen die Elemente ihre Leistungsfähigkeit. Es wäre nicht auszumalen, würden sie sich bei der Vorbeifahrt eines Zuges lösen. Seit 1999 wird permanent an den Absperrungen gearbeitet, werden deren Eigenschaften verbessert. "Stillstand darf es nicht geben", sagt Zeranski. Gegenwärtig laufe die Erprobung der Reihe "UPZ 4". Bei mindestens gleicher Leistung sollen die Elemente pro Meter 1,8 Kilogramm leichter sein als zuvor. Das spart Material und verringert den Aufwand beim Transport zu den Auftraggebern in Frankreich, Italien, Polen, Österreich der den Niederlanden oder Skandinavien.

Auf Baustellen der S-Bahnen in Berlin, Hamburg oder München beweisen die speziell dafür ausgerichteten Zäune ihre Leistungsfähigkeit. Oberleitungen des Fernverkehrs mit Wechselstrom und Energieversorgung des Nahverkehrs im Gleisbereich mit Gleichstrom dürfen über die Metallelemente keine Chance bekommen, Spannungen aufzubauen. Eine exakt darauf ausgerichtete Beschichtung sorgt für die notwendige Sicherheit. Insgesamt will die UPZ-Gruppe bis zum August ihre Kapazität von gegenwärtig 130.000 auf rund 150.000 Meter Sicherungstechnik ausbauen. Als erster Anbieter in Deutschland  bietet sie ein "Sorglospaket" an. Der Kunde bekommt seine Baustelle komplett aufgebaut und muss sich dann lediglich um regelmäßige Kontrollen kümmern.

Peter Zeranski kennt das Geschäft auf dem Effeff. Er ist Eisenbahner mit Leib und Seele. Das kann und will er nicht verleugnen. Über seinem Bürostuhl hängt eine orange Sicherungsweste - keinesfalls nur zur Dekoration. Der 53-jährige absolvierte ein Studium als Betriebsingenieur für Eisenbahnwesen. Bis 1994 war der größte Güterbahnhof der DDR in Halle an der Saale sein Arbeitsplatz. Superlative prägten diesen Ort: 7.900 Waggons wurden in 24 Stunden abgefertigt, 800 Betriebe der Region bedient, in der größte Umladehalle Europas Waren verteilt. Mit der Wende ging das Frachtaufkommen deutlich zurück, die Bahn strukturierte um. "Ich habe lange gegrübelt und traf dann über Nacht meine Entscheidung, mich selbstständig zu machen", berichtet der umtriebige Unternehmer. Heute lacht er darüber, wie seine Frau irritiert reagierte, als er seinen festen Arbeitsplatz und das regelmäßige Gehalt aufgab. Ein wenig Pioniergeist sei schon dabei gewesen. 

Schließlich startete Zeranski mit seinem Ein-Mann-Ingenieurbüro. Aufträge fand er dank vieler alter Kontakte schnell, das Unternehmen wuchs. Container für die Reise nach Übersee wurden vorbereitet, Maschinen in stillgelegten Produktionsanlagen demontiert. Weitere eisenbahnaffine Aufgabenfelder folgten. Der Rückbau von Technik wurde zum zweiten wichtigen Standbein. Seit mehr als 15 Jahren zerlegen die UPZ-Mitarbeiter Taktstraßen im Automobilbau. Bei einem Modellwechsel sind sie gefragt, bauen Roboter aus, schaffen Baufreiheit für die neuen Maschinen. Das erfordert Fingerspitzengefühl, logistisches Können. "Bei laufender Produktion müssen die Mitarbeiter das bewältigen. Unsere Ingenieure beweisen dabei, wie sie die Abläufe beherrschen", sagt Zeranski.

Nicht unerwähnt sollen acht Patente sein, die in Sandersdorf-Brehna entwickelt wurden. Zu ihnen gehört ein Luftbremskopf für Züge, der bislang allein über 400 Mal verkauft wurde. "Ohne Innovationen und neue Ideen kann ein Unternehmen nicht bestehen", versichert Peter Zeranski. Elf Prozent des Umsatzes fließen letztlich in Forschung und Entwicklung. Mit der Fachhochschule Erfurt gibt es eine enge Kooperation. Von dort kommen Praktikanten, der Firmenchef wirkt als Gastdozent, Diplomarbeiten werden im Unternehmen betreut. Eine gute Zusammenarbeit besteht zudem mit anderen Ausbildungsbetrieben, damit Lehrlinge - drei werden Jahr für Jahr bei UPZ eingestellt - im Verbund praktische Fähigkeiten erwerben können.

Apropos Ausbildung. Auf dem Firmengelände steht ein zwölf Meter langes Gleisstück, das nie von einem Zug befahren wird. Stromlose Oberleitung, Schwellen sowie Sicherungstechnik sind Originale und haben durchaus Sinn. Der Komplex dient ausschließlich Trainingszwecken. Mit der jüngsten Investition hat UPZ ein neues Feld aufgetan. Feuerwehrleute und Bahnspezialisten können dort trainieren, wie dass so genannte "Bahnerden" erfolgt. Bei Bauarbeiten oder Unfällen müssen die unter 15.000 Volt – Spannung stehende Oberleitungen gesichert werden. Seit diesem Jahr verlangt eine Verordnung des Eisenbahnbundesamtes nicht nur den Nachweis über die entsprechenden Fähigkeiten der dort Tätigen sondern auch eine jährliche Auffrischung der Kenntnisse und des praktischen Handelns. Zeranski erkannte dieses Potenzial rechtzeitig. Seine Trainingsanlage sucht deutschlandweit ihresgleichen. "Allein für die kommenden Monate sind wir zu mehr als 80 Prozent ausgebucht", berichtet er. Kursteilnehmer kämen aus Bayern, Hamburg, Sachsen oder Baden-Württemberg.

Autor: Klaus-Peter Voigt
Kontakt:
UPZ-Gruppe
Max-Planck-Straße 15
06796 Sandersdorf-Brehna
Telefon: 034954-490913
E-Mail: peter.zeranski@upz-gruppe.de
www.upz-gruppe.de

Ansprechpartner: Peter Zeranski

 

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