Sachsen-Anhalt bietet Kulisse für „Mordlandschaften“

Sachsen-Anhalt ist bunt. Die vielen kulturell bedeutsamen Orte zwischen Arendsee und Zeitz besitzen aber nicht nur touristisches Potenzial, sie eignen sich auch als Krimischauplatz. Der in Halle lebende Autor Peter Godazgar hat diesen Befund zum Anlass genommen, ein Buch mit Kurzkrimis aus der Region herauszugeben. Für das Projekt gewann er 22 Schriftsteller aus allen Teilen der Bundesrepublik. Sie waren von Land und Leuten durchweg angetan. Auf der Leipziger Buchmesse wird das Buch nun offiziell vorgestellt.

Tatjana Kruse ist begeistert. Von der Einigartigkeit der historischen Stätten, von den Menschen und überhaupt vom Bundesland Sachsen-Anhalt, das für sie bisher eher ein weißer Fleck auf der Landkarte war. Das änderte sich erst, als der hallesche Journalist und Krimiautor Peter Godazgar die im baden-württembergischen Schwäbisch Hall lebende Berufskollegin für sein Projekt begeistern konnte: Ein Buch mit Krimis aus dem Land der Frühaufsteher wollte er herausgeben. Zu diesem Zweck sprach er Autoren aus dem ganzen Bundesgebiet an. Jeder von ihnen, so der Plan, sollte einen Kurzkrimi schreiben. Die Schauplätze, die Godazgar dabei zu vergeben hatte, suchten ihresgleichen und sorgten dafür, dass namhafte Schriftsteller, darunter mehrere Preisgekrönte, zusagten.

Eine davon ist  Tatjana Kruse, die  als Schauplatz für ihre Geschichte die Stadt Merseburg auswählte, auch wegen der berühmten gleichnamigen Zaubersprüche. „Für mich war es etwas ganz Besonderes, an einem so geschichtsträchtigen Ort zu recherchieren“, sagt die Schwäbin. Ebenso erging es Thomas Kastura aus Bayern. Der Garten-Fan geriet geradezu ins Schwärmen, als er für seinen Krimi im Dessau-Wörlitzer Gartenreich unterwegs war. Schließlich sei es eine wirkliche Seltenheit außerhalb Großbritanniens einen solchen Englischen Garten besichtigen zu können.

„Die Rückmeldungen der Autoren waren durchweg positiv“, sagt Peter Godazgar, der das Buch herausgibt und der die Schriftsteller bei ihren Besuchen in Sachsen-Anhalt betreute. Godazgar lebt mit seiner Familie in Halle, stammt ursprünglich jedoch aus Nordrhein-Westfalen und weiß aus eigener Erfahrung: „Wenn die Leute erst mal bei uns im Land sind, gefällt es ihnen gut. Doch bevor sie kommen, haben sie entweder gar keine Vorstellung oder Klischees im Kopf.“ Der 45-Jährige war aber auch positiv überrascht , wie schnell er seine „kriminelle Gruppe“ zusammenhatte. „Ich hatte mit mehr Absagen gerechnet, einfach weil ich davon ausging, dass vielen ein Bezug zu Sachsen-Anhalt fehlt“, sagt er. Oft gab es diesen Bezug dann aber doch – und in noch mehr Fällen war es eine große Neugier auf das Bundesland, die die Krimi-Autoren reizte.

Herausgekommen ist eine reizvolle Sammlung höchst unterschiedlicher Kriminalgeschichten: mal ernst, mal heiter, mal düster, mal ironisch. In der Magdeburger Oper kommt es zu einem dramatischen Showdown, an der Goitzsche bei Bitterfeld liegt eine mit Sand gefüllte Leiche, und in Halberstadt durchkreuzt das längste Musikstück aller Zeiten eine brillante Geschäftsidee. Auch in die Vergangenheit geht es mitunter – so ermittelt kein Geringerer als Sherlock Holmes in Tangerhütte. Und in Halle wird über die bislang unbekannte Rolle des Fahrers von Felix Graf von Luckner berichtet und dessen Anteil an den Verhandlungen mit den US-amerikanischen Truppen im April 1945. Ein Reiseführer der besonderen Art.

Godazgar, aus dessen Feder sowohl das Buch zum Til-Schweiger-Film „Knockin’ on heaven’s door“ sowie mehrere amüsante Halle-Krimis und inzwischen mehr als ein Dutzend Kurzkrimis stammen, hat sich mit der Sachsen-Anhalt-Anthologie zum ersten Mal als Herausgeber betätigt. Und natürlich hat er für das Buch auch eine eigene Geschichte beigesteuert: Sie spielt in Köthen, jenem Städtchen, in dem der Erfinders der Homöopathie, Samuel Hahnemann,  lebte und wirkte. Dort lässt Godazgar einen Einbrecher auftreten, der ausgerechnet in Ausübung seines „Berufes“ einen Hexenschuss erleidet.

Das Buch erscheint unter dem Titel „Ruhe sanft in Sachsen-Anhalt. Kurzgeschichten aus dem Land der Frühaufsteher“ und wird zur Leipziger Buchmesse offiziell vorgestellt. Es ist Teil einer Reihe von Regionalkrimis, die der in der Eifel ansässige KBV-Verlag unter dem Titel „Mordlandschaften“ herausgibt. Godazgars Erfahrung: „Die Leute lesen gern Geschichten, die in ihrer Region spielen, deren Schauplätze sie aus eigener Anschauung kennen.“

Hintergrund: Die Leipziger Buchmesse ist das erste große Branchentreffen des Jahres. In diesem Jahr findet sie vom 14. bis 17. März statt. An der Leipziger Buchmesse beteiligen sich in diesem Jahr mehr als 100 Verlage aus Mitteldeutschland, darunter  12 aus Sachsen-Anhalt, teilte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels mit. Die Verlage befassen sich in ihren Programmen schwerpunktmäßig mit dem Thema 200 Jahre Völkerschlacht und dem 200. Geburtstag des Komponisten Richard Wagner (1813-1883). Es werden insgesamt etwa 20.000 Buchneuerscheinungen präsentiert. Jährlich im März stellen mittlerweile über 2.071 Aussteller aus 44 Ländern ihre Neuerscheinungen, Programme und Autoren vor. 2012 kamen rund 163.500 Besucher.

http://www.boersenverein.de/de/portal/Leipziger_Buchmesse/188546

Autorin: Inge Kopp
Kontakt:

Peter Godazgar
Dölauer Straße 16
06120 Halle (Saale)
Telefon: 0345-6801195
E-Mail: godazgar@me.com

 

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