Kautschuk von Styron lässt Reifen besser rollen

Kautschuk aus Schkopau hat eine lange Geschichte – und eine glänzende Zukunft. „Wir haben jetzt fast 90 Millionen Euro investiert und unsere Kapazitäten um rund 50.000 Jahrestonnen erweitert“, berichtet Ralf Irmert, Leiter des zum US-Konzern Styron gehörenden Standortes in Schkopau, zehn Kilometer südlich von Halle.

Das Werk ist damit europaweit der größte Hersteller des wichtigsten Rohstoffes für Hochleistungsreifen aller führenden Weltmarken. „Vor allem Hersteller von Premiumprodukten sind unsere Kunden, dort steckt in der Lauffläche eines jeden Pneus rund ein Kilogramm Styron-Kautschuks“, sagt Irmert.

Mit dem alten Markennamen BUNA, der auf einem Patent von 1927 erteilt wurde und in Schkopau seit den späten 30er Jahren zum Synonym der gesamten Fabrik wurde, können die meisten der hier 460 angestellten Männer und Frauen noch heute etwas anfangen : „Das sind die Anfangsbuchstaben von Butadien und Natrium, den wichtigsten Grundstoffen“, berichtet ein älterer Anlagenfahrer, dessen blaue Montur am Ärmel erst seit wenigen Jahren das Firmenlogo von Styron ziert. Nach dem Ende der DDR-Kombinatszeit stieg zunächst Dow Chemical in Schkopau ein, modernisierte vor allem die Anlagen zur Kautschuk Produktion und erhielt auch die hier vorhandene Forschung und Entwicklung. Vor vier Jahren dann trafen die US-Amerikaner die Entscheidung, sich auf Spezialchemikalien zu konzentrieren und suchten – mitten in der hereinbrechenden Krise – Investoren für die in Großanlagen in Mitteldeutschland. Es waren schwierige Zeiten, auch als schließlich ein Finanzinvestor als Käufer gefunden wurde, zweifelten viele an der Zukunft. „Das ist alles mit der neuen Anlage Geschichte, so wie auch der alte Buna-Kautschuk mit unserem Produkt von heute nichts mehr zu tun hat“, so Irmert.

SSBR – Solution Styrene Butadien Rubber – nennt die Fachwelt den neuen Superkautschuk, der von Styron in Schkopau produziert wird. „Das sind hochkomplexe, langkettige Moleküle, die wir je nach dem gewünschten Eigenschaften maßgeschneidert herstellen können“, erläutert Irmert. So kommen aus den Anlagen des Chemiewerkes – jede Linie besteht aus rund 30 Meter hohen Kolonnen und einem Gewirr aus Rohrleitungen – sechs verschiedene Grundvarianten, die in 30 kg-Gebinden ausgeliefert werden und für die unterschiedlichen Reifenarten optimale Lauf- und Reibungseigenschaften ermöglichen. Pro Reifen wird rund ein Kilogramm des weißen SSBR in die Mischung für die Laufflächen eingebaut. Damit können die Pneus gegenüber herkömmlichem Material den Rollwiderstandsfaktor um 20 bis zu 35 Prozent reduzieren – und einen entsprechend niedrigeren Spritverbrauch des Fahrzeuges erreichen. Zudem werden auch die Rollgeräusche und der Verschleiß vermindert. „Wir arbeiten aber bereits mit Hochdruck an der nächsten Generation von SSBR-Kautschuk, die im nächsten Jahr marktreif sein und dann ebenfalls in Schkopau hergestellt werden soll“, so Irmert. Für seine Produkte hatte Styron im vergangenen Jahr den Innovationspreis Mitteldeutschland erhalten.

Zur Eröffnung der neuen Produktionslinie war eigens der Styron Chef Chris Pappas aus der Unternehmenszentrale des Konzerns in Pennsylvania angereist. „Es ist die größte Investition unseres Unternehmens und wir sind stolz darauf, hier einen Kautschuk mit besonders umweltschonenden Eigenschaften für den Weltmarkt produzieren zu können“, sagte der Manager und versicherte, man sei stolz auf diesen Standort in Mitteldeutschland, wo vor fast 80 Jahren das Zeitalter der synthetischen Kautschuk-Herstellung begann. „Wir werden mit der dritten Generation dieses Kautschuks, den wir bald herstellen können, einen noch größeren Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten können“, so Pappas.

Auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff, der Chris Pappas bei seiner USA-Reise im Mai 2012 zu Gesprächen über den Ausbaus von Styron-Schkopau getroffen hatte, freut sich auf diese Perspektive. „Die Chemie ist das industrielle Rückgrat unseres Landes, sie ist mit Hochtechnologie hoch qualifiziertem Personal und guten Löhnen verbunden“, sagt Haseloff. Zudem sei das stetige Wachstum der Chemieparks in Schkopau, aber auch in Leuna oder Bitterfeld ein Beweis dafür, dass nach 1990 die Weichen richtig in Richtung des Erhalts wirtschaftlicher Schlüsselindustrien gestellt worden waren.

Weltweit steigt die Nachfrage nach SSBR-Kautschuk in den letzten Jahren rasant. Grund sind zahlreiche nationale Vorschriften zur Emissionsreduzierung. „Die Verbraucher sind ein zusätzliches Argument, sie werden beispielsweise in Europa künftig mit einem Label auf jedem Reifen sehen können, wie es um die Umweltverträglichkeit des Produktes steht“, sagt Irmert.

 

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