Minister besucht Erprobungszentrum für unbemannte Luftfahrtsysteme

Cochstedt: Aufbau des Drohnenzentrums geht voran / Willingmann: „Leuchtturm für Zukunftstechnologien“

Der Aufbau des Drohnenzentrums am Flughafen Cochstedt (Salzlandkreis) liegt voll im Zeitplan. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) will dort am 1. Mai 2021 im Nationalen Erprobungszentrum für zivile unbemannte Luftfahrtsysteme (UAS) den Betrieb aufnehmen; parallel laufen vor Ort bereits erste Test- und Forschungsvorhaben. Über den aktuellen Stand informierten sich heute vor Ort Sachsen-Anhalts Wirtschafts- und Wissenschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann,der Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt, Thomas Jarzombek, und DLR-Luftfahrtvorstand Prof. Rolf Henke.

Willingmann sagte: „Mit der Ansiedlung des DLR haben wir den Flughafen Cochstedt aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Aus einem nur mäßig erfolgreichen Regional-Airport wird nun ein Leuchtturm für Zukunftstechnologien, der auch für Start-ups sehr interessant ist. Ich bin davon überzeugt, dass der Einsatz ziviler Drohnen in den nächsten Jahrzehnten zu den absoluten Wachstumsbereichen gehört. Mit dem DLR in Cochstedt wird auch Sachsen-Anhalt davon profitieren. Deshalb habe ich die Ansiedlung dieses wichtigen Forschungsstandorts des DLR nachdrücklich unterstützt.“

Prof. Dr. Henke unterstrich: „Bei Entwicklung, Test und Betrieb unbemannter Luftfahrtsysteme stehen Wirtschaft und Wissenschaft vor neuen Herausforderungen wie Vehikel-Technologie und Flugführung, aber auch Akzeptanz, Sicherheit und Regulierung. Diese Bereiche werden in den DLR-Instituten adressiert und in Sachsen-Anhalt zusammengeführt. Cochstedt wird dabei nicht nur unser nationales Zentrum für das unbemannte Fliegen sein, sondern auch der deutschlandweit erste Flughafen mit gleichzeitigem UAS-Betrieb.“

Auch Jarzombek sieht große Potenziale: „Die Bundesregierung will die Chancen nutzen, die sich aus dem Zukunftsmarkt zivile Drohnen und Urban Air Mobility ergeben. Wir wollen unseren Unternehmen und vor allem auch Start-ups die Möglichkeit geben, an diesem neuen Hightech-Markt teilzuhaben. Der Weg zur praktischen Anwendung ist aber nur offen, wenn Innovatoren ihre Ideen in sicherer Umgebung testen können. Das neue Nationale Erprobungszentrum in Cochstedt ist daher ein wichtiges Element im Aktionsplan Unbemanntes Fliegen, den die Bundesregierung am 13. Mai der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Mit dem Erprobungszentrum wollen wir die Grundlagen dafür legen, dass Drohnenanwendungen aus dem Labor in die Praxis kommen. Davon erhoffen wir uns auch Schub für die Region. Mit dem Nationalen Erprobungszentrum verfügt sie künftig über einen technologischen Leuchtturm, der weitere Unternehmen und Innovatoren anzieht.“

Das DLR hatte den Flughafen Mitte 2019 mit Unterstützung des Bundeswirtschaftsministeriums und des Wirtschaftsministeriums von Sachsen-Anhalt erworben. Insgesamt investiert das DLR mindestens zehn Millionen Euro in die wissenschaftliche und betriebliche Infrastruktur. Es entstehen u.a. moderne Systeme für Kommunikation, Flugvermessung und Überwachung, eine Werkstatt, neue Büroräume, der Ausbau des Terminals als Institutsgebäude und neue Tower-Technik. Dabei wird Cochstedt auch anderen Luftfahrtunternehmen für Forschung und Erprobung zur Verfügung stehen sowie für Startups und KMUs eine Inkubator-Funktion einnehmen. Kontakte bestehen derzeit schon zu Herstellern und weiteren Unternehmen sowie zu wissenschaftlichen Einrichtungen wie etwa der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.

Unbemannte Luftfahrtsysteme werden bereits heute u.a. in der Katastrophenhilfe sowie für den Medikamententransport in entlegene Gebiete eingesetzt. Die gesamte Branche der unbemannten Luftfahrt erlebt ein rasantes Wachstum, einhergehend mit der Entwicklung neuer Konzepte und Technologien, aus denen schrittweise eine neue Industrie entsteht. Beleg dafür ist auch ein zukunftsweisendes Forschungsvorhaben am Flughafen Cochstedt, von dem sich Minister Willingmann heute einen Eindruck verschaffen konnte. Erfolgreich getestet wurde dort der Prototyp einer Tragschrauber-Drohne, die künftig bis zu 200 Kilogramm schwere Frachtstücke in niedrigen Flughöhen bis zu 500 Kilometer weit transportieren soll (Projekt ALAADy – Automated Low Altitude Air Delivery).

Hintergrund:

Das Land Sachsen-Anhalt hatte den Flughafen Cochstedt im März 2010 im Rahmen eines offenen Bieterverfahrens an einen Investor aus Dänemark verkauft. Zum Gesamtpaket gehörten eine fünfjährige Betriebspflicht, umfangreiche Investitionsverpflichtungen in Höhe von 6,5 Millionen Euro und ein Kaufpreis in Höhe von 1,075 Millionen Euro. Diese Verpflichtungen hat der Investor in vollem Umfang erfüllt. Nachdem die Anstrengungen zur wirtschaftlichen Nutzung des Flughafens erfolglos geblieben waren, wurde im August 2016 das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Flughafengesellschaft Magdeburg Cochstedt eröffnet.

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