Hallenser haben die richtigen Rezepte für den Erfolg

Irina Zaytseva und Heiko Gothe in ihrem Unternehmen in Halle (Saale).

"NutriPur" startet durch – mit leckeren Ideen, Gewürzboxen und vielen Frucht-Snacks

Mit großem Unternehmergeist und einer Prise Glück haben Irina Zaytseva und Heiko Gothe in ihrer Heimstadt Halle (Saale) „NutriPur“ aufgebaut. Was als „Geistesblitz“ begann, ist zu einem mittelständischen Betrieb herangewachsen, der mit gefriergetrockneten Früchten und Gewürzmischungen Nischen in der Ernährungsbranche besetzt. Die Produktpalette wächst mit der stetig steigenden Nachfrage. Das Unternehmerpaar schöpft aus seinem Ideenreichtum, der immer wieder neues „Futter“ liefert.

Die Geschichte von der „NutriPur GmbH & Co. KG“ beginnt mit einem Heilbutt. Zum Geburtstag im Jahr 2010 wollten Irina Zaytseva und Heiko Gothe ihren Gästen etwas Besonderes auftischen. Sie blätterten sich durch Rezepte von „Sterneköchen“ und fanden ein Fischgericht. Die Hallenser konnten bis dahin „ganz gut für den Hausgebrauch kochen“. „Aber so etwas hatten wir noch nicht versucht“, erinnert sich Heiko Gothe. Die größte Herausforderung war die lange Reihe der Gewürze. Was dort aufgelistet war, hatte kein einzelner Supermarkt. Das Paar ließ sich nicht abschrecken, recherchierte, besuchte Märkte, bestellte online. Mehr als 60 Euro investierte es nur in die Gewürze, „zauberte“ ein schmackhaftes Heilbutt-Gericht – hatte aber am Ende sehr viele Gewürze übrig. „Wenn man sie nur ein Mal braucht, warum muss man dann so viele kaufen?“ Mit dieser Frage war die Idee für ein Start-Up geboren. Das Paar wälzte die Bücher prominenter Köche, kochte, wandelte die Gerichte ab, schrieb die Rezepte so um, dass auch Laien sie verstehen und kochen können. Es fotografierte Gerichte, ließ sie testen. In Tüten füllte es Gewürze ab, die für die einmalige Zubereitung einer Speise ausreichte.

„Die Box zum Sternekoch“ ist der Präsente-Renner

Sie waren auf den Geschmack gekommen, „wollten es probieren mit einem Start-Up“. „Uns ließ die Idee nicht mehr los“, erinnert sich Heiko Gothe. „Viele Menschen bestätigten uns, dass sie gut ist.“ Dennoch vergingen noch vier Jahre bis die erste „Box zum Sternekoch“ auf dem Tisch stand. Es waren Jahre mit vielen Umwegen, zwischen Euphorie und Verzweiflung, mit „Klinkenputzen“, Kooperationsanfragen, Suche nach Startkapital, Partnern und Gewerberäumen. Die Gewürzbox, mit der Kochlaien ihre Gäste wie Sterneköche verwöhnen können, schlug ein. Die Hallenser bauten einen Onlineshop auf, wurden vom Hochschulgründernetzwerk Sachsen-Anhalt Süd 2014 zu „Gründer des Jahres“ ernannt. Journalisten riefen an, Berichte erschienen, „Thalia“-Filialen nahmen das Produkt ins Portfolio, und zur Weihnachtszeit war die Box, die inzwischen biozertifiziert ist, der Renner. „Was uns allerdings fehlte, war die Reichweite“, erinnert sich Heiko Gothe. Sein Fazit nach dem erfolgreichen Start am Markt: „Wir haben ein tolles Produkt, es wird allerdings eher als Präsent wahrgenommen.“

In der heimischen Küche kommt die neue Geschäftsidee

Die Reichweite, die große Verbreitung in viele Geschäfte und Haushalte, sie kam mit einer Idee, die sich an die Gewürzbox anschloss. Als die kleine Tochter Früchte aus ihren Cornflakes aussortierte, sammelte und sich auf der Zunge zergehen ließ, machte es „klick“ beim Firmenchef. „Die Frage, was wir noch zusätzlich anbieten könnten, stand zu dieser Zeit im Raum“, so Heiko Gothe. Und die Antwort lautete: Frucht-Snacks. So füllten sie wieder Tüten – dieses Mal mit gefriergetrockneten Früchten, gaben sie ihren Kunden mit, knüpften über die Agrarmarketinggesellschaft Sachsen-Anhalt Kontakte, präsentierten sich auf der Ernährungsmesse „Internationale Grüne Woche“ – wo sie seitdem häufiger waren. Einzelhandelsketten wurden auf sie und ihre Ideen aufmerksam. Über die EDEKA-Märkte fanden die Früchte, die als Ergänzung ins Müsli oder in den Smoothie getan werden können, den Weg in die deutschen Supermärkte. Einige mehr, darunter die REWE-Gruppe, folgten. „Alles ging ziemlich schnell, wir hatten ins Schwarze getroffen“, erinnert sich Heiko Gothe. „Allerdings mussten wir sehr schnell ein gutes Produkt mit allem Drum und Dran schaffen.“ Das sei nicht immer einfach gewesen. Und doch: Es funktionierte. Die gefriergetrockneten Früchte liefen den Gewürzboxen den Rang ab. 2018 firmierten sie um: Aus „Rezeptgewürze“ wurde „NutriPur“. Dieser Name steht heute zugleich für eine neue Produktrichtung – gemahlene Superfoods wie die Aroniabeere oder Gerstengras und pflanzlich vegane Proteine wie Erbsen-, Reis- oder Hanfprotein, die als Pulver für Müsli, Smoothie und Shake oder zum Kochen verwendet werden können.

Dazu gesellen sich gefriergetrocknete Früchte und Fruchtmischungen in vielen Sorten, die sich eigenen für Müsli, Smoothies und Smoothie Bowls, Porridge oder einfach als Snack. Es gibt BIO- und konventionelle Trockenfrüchte. Alle „NutriPur“-Produkte sind frei von Zusatzstoffen, ohne Zucker-Zusatz und vegan. „Crispy Crunchy“, Fruchtgelee … Die Produktpalette ist groß – und wird immer größer. „Wir haben noch viele Ideen, und bekommen Anregungen von unseren Partnern und Kunden“, sagt Heiko Gothe. Einige Supermärkte in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Brandenburg, die „Märkte der ersten Stunde“, beliefern sie selbst, andere erhalten die Produkte über den Versandweg.

Die Früchte beziehen die Unternehmer aus Sachsen-Anhalt. Palettenweise kommen sie aus der „Paradiesfrucht GmbH“ in Salzwedel. Bislang werden sie in Halle per Hand in die Tüten mit dem buntem, frischen Design abgefüllt. Neben dem Unternehmerpaar arbeiten drei festangestellte Mitarbeiter bei „NutriPur“. Nun wird es Zeit, den nächsten Schritt zu machen. „Wir platzen aus allen Nähten, könnten noch viel mehr liefern“, sagt der Chef. Darum suchen sie nach größeren Räumen. „Sind die gefunden, können wir in eine Abfüll-Anlage investieren“, so Heiko Gothe. Damit ist ein weiteres Ziel gesetzt: Mit mehr Kapazität könnte der Online-Absatz vorangetrieben werden.

„Die Gewürze sind beliebt, aber die Früchte sind die Zukunft.“

Ungeduldig ist das Paar allerdings nicht. Der Gründer sagt: „Wir haben gelernt, immer einen Schritt nach dem anderen zu machen, erst zu schauen, was funktioniert.“ Das gilt nicht nur für den wirtschaftlichen Bereich, sondern auch in der Produktion. Noch heute mischen sie, probieren Neues aus, lassen Bekannte und Kunden testen. „Was nicht geht, fliegt raus“, sagt der Hallenser.

Die „Box zum Sternekoch“ bleibt. Nicht nur, weil damit alles angefangen hat. „Sie wird auch weiterhin nachgefragt“, weiß Heiko Gothe. Kunden bestellen über die Firmen-Website oder über Online-Plattformen wie „Amazon“. Längst bieten sie auch Einzelgewürze an, darunter auch orientalische wie Schwarzkümmel oder Kardamom – in der stylischen Keramikdose mit Naturkork-Deckel oder im praktischen Nachfüllpack. Die nahe Zukunft baut das „NutriPur“-Team aber trotzdem vor allem auf die Früchte, die so vielfältig eingesetzt werden können und dank der schonenden Gefriertrocknung Vitamine, Ballaststoffe und Mineralien enthalten. „Wir essen selbst gern frisches Obst“, sagt Heiko Gothe, „greifen aber auch gern zu den kleinen Snacks, die eine tolle Ergänzung sind. Das sehen unsere Kunden glücklicherweise auch so“.

Autorin: Manuela Bock

Kontakt:
NutriPur GmbH & Co. KG
Daniel-Vorländer-Straße 6
06120 Halle (Saale)

Telefon:              0345/27 95 23 50
E-Mail:                info@nutripur.eu
Internet:             www.rezeptgewuerze.de


 

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