Chemie 4.0: Erfolgreich in die Zukunft

Beste Perspektiven für Sachsen-Anhalts Chemie- und Kunststoffindustrie

Mit rund 7 Milliarden Euro Jahresumsatz ist die Chemie- und Kunststoffindustrie einer der stärksten Wirtschaftszweige in Sachsen-Anhalt. Moderne Anlagen, innovative Chemieparks und die enge Zusammenarbeit zwischen Industrie, Universitäten und Forschungseinrichtungen sorgen für einen klaren Standortvorteil. Rasant fortschreitende Entwicklungen und Anforderungen gerade auch im Bereich der Digitalisierung stellen die Unternehmen vor neue Herausforderungen. Die Industrie in Sachsen-Anhalt ist darauf gut vorbereitet.

Den Chemieparks in Sachsen-Anhalt und deutschlandweit attestiert Dr. Norbert Malanowski von der VDI Technologiezentrum GmbH eine hohe Wettbewerbsfähigkeit. Als Projektleiter befasst er sich intensiv mit der Entwicklung in der chemischen Industrie. Eine Kurzstudie „Innovations- und Effizienzsprünge in der chemischen Industrie? Wirkungen und Herausforderungen von Industrie 4.0 und Co.“ wurde 2014 veröffentlicht, die Ergebnisse der Hauptstudie sind für Ende dieses Jahres avisiert. Während bisher in Studien in erster Linie die Fertigungsindustrie thematisiert wurde, hat Malanowski die Prozessindustrie im Fokus. Diese wird immer öfter unter dem Begriff Chemie 4.0 zusammengefasst. „Die Digitalisierung der Prozessindustrie ist das aktuelle Thema und wird entscheidend sein für die Zukunftsfähigkeit der Betriebe der Chemie- und Kunststoffindustrie“, so Malanowski. „Dabei geht es vor allem um die Themen Vernetzung, digitale Intelligenz und Autonomie.“

Lösungen für diese Bereiche werden von den wissenschaftlichen Einrichtungen Sachsen-Anhalts intensiv erforscht und in Zusammenarbeit mit einer innovativen IKT-Branche in die Praxis übertragen. Dafür stehen beispielhaft die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, das Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF und die Tarakos GmbH, Spezialist für Simulationssoftware und 3D-Simulierung.

Während noch vor einigen Jahren die Frage nach der Notwendigkeit von Digitalisierung im Raum stand, haben die Prozesse inzwischen begonnen und werden in unterschiedlicher Geschwindigkeit umgesetzt. „Besonders wichtig ist dabei, die Menschen mitzunehmen“, so Malanowski. Den Dreiklang aus Mensch, Technik und Organisation sieht er als Schlüssel zum Erfolg für die Zukunft in der chemischen Industrie. Auch hier bieten Chemieparks große Vorteile durch Synergien und aktiven Wissenstransfer zwischen den großen Global Playern und den kleinen Spezialisten.

Vernetzt seit 1996

Das Konzept der Chemieparks wurde in Sachsen-Anhalt erfunden. Mit den Standorten in Zeitz/Elsteraue und Leuna wurden bereits 1996 die ersten Parks errichtet und sorgen für enge Vernetzung der angesiedelten Unternehmen, technologische Synergien und effiziente Nutzung vorhandener Ressourcen. Weitere Ansiedlungen folgten in Bitterfeld-Wolfen, Schkopau und Piesteritz. Durchdachte Infrastruktur und leistungsfähige Netze machen die Standorte auch im internationalen Wettbewerb attraktiv. Chief Operating Officer Daniel Böke der CBW Chemie GmbH mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen nennt als Standortvorteile die offene Parkstruktur, die eine gerechte Marktwirtschaft zulässt, Unterstützungen der IT-Infrastruktur, die Pipeline Versorgung vor Ort, die Gefahrenabwehr im Verbund sowie Vorteile bei Personalkosten.

Chemie 4.0 bezieht Böke vor allem auf die Digitalisierung, die in den letzten zwei Jahren bei der CBW Chemie GmbH aktiv zum Beispiel über die Implementierung eines ECM (Enterprise Custom Management) Tools umgesetzt wurde. „Die Nutzung aller vorhandenen Daten unseres Betriebes – Stichwort Big Data – wird mittelfristig erhebliche Effizienzpotenziale aufdecken“, so Böke. „Ein wichtiger Baustein, um den Chemiestandort Deutschland langfristig zu sichern und Wettbewerbsvorteile aufrechtzuerhalten.“

Um für die Zukunft gut gerüstet zu sein, sieht Malanowski auch den Bedarf an Förderprogrammen, die nicht nur die technische Entwicklung sondern auch die Ressource Mensch berücksichtigen. „Es ist immens wichtig, dass die Mitarbeiter verstehen, wie digitalisierte Produktion funktioniert und welche Vorteile Veränderungen bringen“, so Malanowski. Mit Innovationen rechnet er vor allem im Bereich neuer Geschäftsmodelle. „Wer weiß, vielleicht werden in naher Zukunft Medikamente, wie beispielsweise Schmerztabletten, direkt in der Apotheke ausgedruckt“, beschreibt er eine mögliche Entwicklung.

Vorreiter dank deutsch-amerikanischer Meisterleistung

Mit „Chemie 4.0“ wird ein lebendiger langjähriger Prozess beschrieben, der sowohl die Produktentwicklung als auch die Organisationsstrukturen umfasst. Ein Best-Practice-Beispiel aus Sachsen-Anhalt liefert die PURAGLOBE Germany GmbH, angesiedelt im Chemie- und Industriepark Zeitz in Elsteraue. Die 100%ige Tochtergesellschaft eines amerikanischen Konzerns betreibt bereits seit 2004 in Elsteraue Anlagen zur Herstellung von Basisölen. Rund 150.000 Tonnen Altöl werden pro Jahr zu qualitativ hochwertigen Basisölen der Gruppe II+ (API) umgewandelt. Diese finden unter anderem Anwendung in den Hochleistungs-Schmierstoffen vieler deutscher Hersteller, auch aus Sachsen Anhalt. Puraglobe ist weltweit das einzige Unternehmen, das die patentierten Verfahren HyLube™ und HyLubeSAT™ zum Recyceln von Altölen anbietet.

Die neueste technologische Entwicklung ist das HyLubeSAT™ Verfahren, mit dem erstmals in einer Anlage in Sachsen-Anhalt aus Altöl Basisöle der Gruppe III hergestellt wird. Die höhere Leistungsfähigkeit der Öle sorgt für weniger Reibung in den Motoren, verringert den Kraftstoffverbrauch und dadurch auch die CO2-Emissionen. Damit ist Puraglobe der einzige Anbieter von nachhaltigen Basisölen der Gruppe III aus Altöl und noch dazu CFP-zertifiziert (Carbon-Footprint) von NSF International. Mit einer Investition von rund 15 Millionen Euro und der Schaffung weiterer 30 Arbeitsplätze ein klares Bekenntnis des amerikanischen Unternehmens zum Standort in der Mitte Deutschlands.

Doch damit nicht genug. „Von Sachsen-Anhalt aus entwickeln wir den amerikanischen und internationalen Markt“, so Puraglobe Geschäftsführer Andreas Schüppel. „Auf Basis unseres Erfolges in Deutschland schieben wir nun internationale Projekte an. Wir werden mittelfristig unsere Produktionsanlagen aus Zeitz 1:1 spiegeln und beispielsweise in Tampa in Florida errichten.“ Geplant sind absolut identische Anlagen mit vollständig einheitlichen Bezeichnungen. Die technische Führung erfolgt dann von Elsteraue aus. Dort werden je Anlage ein bis zwei Ingenieure eingesetzt, die für die optimalen Produktionsabläufe und die Qualitätssicherung an den internationalen Standorten Sorge tragen werden. Digital werden Datenpakete ausgetauscht, während die tatsächlichen Einstellungen an den Anlagen aus Sicherheitsgründen vor Ort unabhängig vom Internet durchgeführt werden. Für die Datensicherheit sorgt die EDV Beratung Baumgarten GmbH in direkter Nachbarschaft innerhalb des Industrieparks Zeitz.

„Wir müssen sicherstellen, dass unsere Produkte immer die gleiche Qualität haben, ganz gleich, wo sie hergestellt werden“, erklärt Schüppel den aufwendigen Prozess. Für ihn ist Chemie 4.0 schon lange Alltagsgeschäft. „Die Krise 2008 nahmen wir zum Anlass und haben 2009 unsere Gesellschafter von den notwendigen Investitionen und Entwicklungen überzeugt.“ Mit der Inbetriebnahme der neuen Anlage in Elsteraue ist ein erster Meilenstein geschafft. Die intensiven Vorarbeiten und Planungen machen das hochmoderne und effiziente Unternehmen fit für die Zukunft. Puraglobe steht stellvertretend für eine Vielzahl innovativer Unternehmen und Betriebe in Sachsen-Anhalt, die gut gerüstet in die Zukunft blicken.

Autor: Miriam Fuchs

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