Ein junges Bundesland sagt dem Alter den Kampf an

Interdisziplinäre Teams erforschen und entwickeln auf dem Forschungscampus STIMULATE bildgestützte minimal-invasive Methoden der Diagnostik und Therapie von sozial relevanten Erkrankungen.

Vor nur zwei Jahren wurde das Bundesland Sachsen-Anhalt 25 Jahre alt, doch es war einmal Teil eines Herzogtums, gegründet von keinem Geringeren als Karl dem Großen vor etwa 1.200 Jahren, als der „Vater von Europa“ nach der Neuordnung der Welt strebte. Sachsen-Anhalt könnte heute sozusagen die Welt der MedTech-Industrie neu ordnen.

Das Bundesland hat weltweit den Ruf erworben, innovatives Denken in der Medizintechnik und Technologie zu unterstützen, um die medizinischen Fragen der Zukunft zu beantworten. Im neuesten Kapitel geht es um das ambitionierte staatliche Projekt „Autonomie im Alter“, in dem es um die Erforschung zahlloser Produkte aus den Bereichen Neurowissenschaft und Medizinische Forschung geht, die die Einschränkungen im Alter minimieren sollen. Der Fokus liegt hier auf den häufigsten Erscheinungen, die mit dem Älterwerden einhergehen, einschließlich der Früherkennung von Demenz, Telemedizin und der Behandlung weitverbreiteter Krankheiten. Eine Modell-Region für das unabhängige Leben im Alter soll in Sachsen-Anhalt entstehen. Ein Modell, das zeigt, dass Medizinunternehmen in Wirklichkeit Technologieunternehmen sind. Und dass beim Heilen Daten genauso essenziel sind wie Verbandsmaterial.

Auftritt Nielsen. Ja, dieses Nielsen. Dasselbe Unternehmen,das seit Jahrzehnten Werbetreibende berät, während welcher Sendungen oder Shows sie in Werbeblöcke investieren sollten, ist nun in der Medizin tätig. Und sie haben Sachsen-Anhalt für die Gründung ihres Unternehmens für medizinische Geräte und deren Markteinführung gewählt, und zwar mithilfe derselben Technologie, die sie verwenden, um die unterbewussten Präferenzen von Zuschauern zu bestimmen.

„Wir haben eine revolutionäre Methode zur Messung von Hirnaktivität entwickelt, eine drahtlose Trocken-EEG-Haube“, sagt der Gründer und CEO von Nielsen Tele Medical, Robert Stokes. Das mit der Klinik für Neurologie der Universität Magdeburg entwickelte F1-Headset ermöglicht es, die Hirnaktivität des Patienten in dessen gewohnter Umgebung zu erfassen und sie zur Auswertung durch Spezialisten an die Arztpraxis zu übertragen. Auf diese Weise können Ärzte medizinische Versorgung ‚zuhause‘ anbieten .“

Sagt Stokes. „Wir haben einen riesigen wissenschaftlichen Fachbeirat. Sie sahen das grenzenlose Potenzial, das diese Technologie hat um Menschen zu helfen. Und Magdeburg ist der perfekte Ort, um dieses Geschäft auszubauen.“ Tatsächlich begünstigt das gesamte Bundesland diesen Industriezweig, dank der Bemühungen der Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH (IMG).

„Angefangen vom Start-Up über Mittelständler bis hin zu Global-Playern haben wir aus der Branche vielfältige Unternehmen im Land“, sagt IMG-Geschäftsführer Thomas Einsfelder. Alle diese Unternehmen, sagt Einsfelder, „schätzen drei Dinge: ideale Standorte zum Wachsen, gute Schnittstellen zur Forschungseinrichtungen und das Fach- und Arbeitskräftepotential. Unternehmen betonen immer wieder die schnelle Bearbeitung von Genehmigungsverfahren." Sachsen-Anhalt ist erwiesenermaßen ein Standort der Pharma- und Chemieindustrie und verfügt zudem über renommierte ingenieurwissenschaftliche und medizinische Studiengänge, die für qualifizierte Mitarbeiter sorgen. In diesen gut etablierten Netzwerken können sich Life-Science-Unternehmen gut integrieren und von diesen Clustern profitieren.

„Die IMG Sachsen-Anhalt vermittelte uns zum Start unseres Unternehmens ein Inkubationslabor am Rande des Universitätscampus, relativ nahe bei der Universitätsklinik“, sagt Stokes von Nielsen Tele Medical. „Das Fachwissen der Klinik für Neurologie genießt weltweit einen guten Ruf. Bis Mitte 2018 werden unsere Anforderungen die Kapazitäten dieses Inkubationslabors überstiegen haben, doch wir gehen nicht weit weg – Magdeburg ist der perfekte Mix aus Zugang zu moderner Technologie und einer Netzwerkmentalität.“

Für jeden, der sich mit dem Standort Sachsen-Anhalt auskennt, ist es kein Geheimnis: In diesem geschichtsträchtigen Bundesland wird Medizintechnik vorwärtsgebracht durch Pioniergeist, weltklasse Innovationen und zukunftsorientierte Lösungen für die medizinischen Herausforderungen der Gesellschaft. Ein weiterer dieser Innovatoren in diesem MedTech-Ökosystem ist SpinPlant, ein in Halle angesiedeltes Unternehmen und Hersteller biologischer Nanofasern, die Geweberegeneration und Wundheilung unterstützen. Oder Hasomed, die Software für kognitive Therapie zur Behandlung von Schlaganfallpatienten entwickeln und ein Tochterunternehmen in Port Charlotte, Florida, haben. Auf dem Forschungscampus STIMULATE in der Landeshauptstadt Magdeburg erforschen Wissenschaftlicher den Einsatz bildgestützter, minimalinvasiver Instrumente sowohl in der Diagnose als auch in der Behandlung spezifischer Leiden und Krankheiten.

Ein weiterer Name, den man kennen sollte und ein Unternehmen, das reihenweise Produkte hervorbringt, die das Gedächtnis unterstützen, ist Neotiv. Als lebensverändernder Hybrid kombiniert Neotiv weltführende Demenzforschung mit Knowhow in Softwareentwicklung, Engineering und Unternehmensgeist.

„Genau wie die Herz-Kreislauf-Gesundheit, lässt sich auch kognitive Gesundheit modifizieren“, erklärt Neotivs CEO und Mitgründer Dr. Chris Rehse. „Da irreversibler Schaden am Gehirn, verursacht durch Alzheimer, manchmal mehr als ein Jahrzehnt bevor sich die ersten Symptome zeigen, entsteht, legt diagnostische Forschung den Fokus mehr und mehr auf Früherkennung und Prävention." Neotiv bietet hochfrequente Überwachung neuroanatomisch-spezifischer Gedächtnisfunktionen, die für Alzheimer besonders anfällig sind. Und aus genau diesem Grund ist Neotiv auch das ideale Instrument zur Überwachung der Effektivität von Behandlung und veränderter Lebensweise.

Zusammenfassend heißt das, dass Neotiv plant, Ihr Gehirn wie ein Buch zu lesen, bis zum letzten Kapitel vorzublättern und sicherzustellen, dass es ein glückliches Ende gibt. Stellen Sie sich Neotiv als die Antwort der Neurowissenschaft auf die Impfung gegen Kinderlähmung vor.

Die Inkubation von morgen dreht sich oft genauso sehr um das "Wo" wie um das "Wie". Weltverändernde Unternehmen wie Neotiv brauchen lokale Unterstützung um erfolgreich zu sein. „Der Unternehmenssitz in Sachsen-Anhalt stellt für Neotiv eine einmalige Möglichkeit dar“, sagt Rehse. „Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen [DZNE] der Helmholtz-Gemeinschaft, und das Institut für Kognitive Neurologie und Demenzforschung [IKND] sind weltbekannte Demenzforschungszentren in Magdeburg. Sie bieten ein wesentliches Umfeld für die Umsetzung wegweisender Wissenschaft in Produkte, die für Benutzer und Patienten einen hohen Wert haben. Zusätzlich profitieren wir von dem lokalen Netzwerk aus Forschern, Unternehmern und der Landesregierung. Das Netzwerk ist unverzichtbar, um nach dem ersten Treffen des Gründungsteams Fachwissen über Demenz, Startup-Abläufe und Designplanung zusammenzubringen."

Sachsen-Anhalt bietet außerdem großartige Programme, um Startups in Gang zu bringen und ihnen durch die ersten Phasen der Unternehmensgründung zu helfen.

Sie haben also das Expertenwissen und das Fachpersonal. Wie sieht es mit der Finanzierung aus? Dr. Rehse lobt die Unterstützung, die sie erhalten haben. „Neotiv war das erste Startup, das durch die neue Initiative ego.-Gründungstransfer gefördert wurde und die Otto-von-Guericke-Universität unterstütze Neotiv mit einem erfolgreichen Antrag auf die renommierte EXIST-Forschungstransfer-Förderung. Wir haben diese Reise zusammen mit der Landesregierung begonnen.“

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