Versandapotheke Zur Rose beliefert Kunden in Deutschland und Österreich

Vollautomatisierte Apothekenzulieferer aus Sachsen-Anhalt

Jährlich gehen 1,2 Millionen Pakete mit Arzneimitteln von Halle aus auf die Reise.

Rund 5.000 Pakete mit Arzneimitteln treten Tag für Tag ihre Reise von Halle (Saale) aus in jeden Winkel Deutschlands und Österreichs an. Durchschnittlich bis zu sieben Artikel stecken in jedem Karton, dessen Inhalt mit Akribie und Sachkunde zusammengestellt wird. Die Ware ist hochsensibel. Als Logistikpartner organisiert Zur Rose Pharma die komplette Arzneimitteldistribution für die inhabergeführte Versandapotheke Zur Rose. Für einen Teil der Ware muss der Logistikdienstleister beispielsweise die lückenlose Kühlkette bis zur Lieferung an den Endkunden garantieren, eine Herausforderung ohnegleichen.

Seit 2004 ist Zur Rose Pharma als Tochtergesellschaft der Schweizer Zur Rose-Gruppe im Süden Sachsen-Anhalts tätig. "Zuvor hatten wir ein knappes halbes Dutzend Standorte entlang der Achse von Aachen über Düsseldorf bis nach Leipzig evaluiert", sagt Geschäftsführer Walter Hess. In Halle habe das gesamte Umfeld gepasst, berichtet der Manager. Es seien zum einen die verfügbaren Fachkräfte gewesen, die die Entscheidung beeinflussten. Pharmaziespezialisten würden in der Region traditionell unter anderem an der Martin-Luther-Universität ausgebildet. Logistisch liegt der Standort am Rande der Innenstadt Halles zudem optimal. Knapp 20 Minuten Fahrzeit sind es bis zum Paketzentrum des wichtigsten Logistikpartners DHL. 95 Prozent der Medikamente, die bis 12 Uhr bestellt und verfügbar sind, kommt bereits am folgenden Werktag beim Kunden an. Als klassischer Vollsortimenter greift die Versandapotheke Zur Rose auf rund 400.000 Artikel zurück, erhält quasi im Stundentakt Lieferungen von mehreren Großhändlern. 60 Prozent der Kunden nutzen heute bereits das Internet für ihre Bestellungen, Rezepte treffen traditionell per Brief ein. 

Walter Hess lobt die Unterstützung durch die Saalestadt und das Land Sachsen-Anhalt. Beide hätten die 20-Millionen-Investition offensiv begleitet. Es entstand ein Dienstleistungszentrum mit 6.000 Quadratmetern Fläche. Für eine mögliche Expansion reicht das Grundstück aus. Heute arbeiten in Halle 96 Festangestellte, rund das Dreifache wie beim Start 2004. 13 Lehrlinge erhalten aktuell ihre Ausbildung. Teilzeitkräfte und Studenten helfen in Spitzenzeiten, die Aufträge in kurzer Zeit zu erledigen.

Wichtigster Partner und Auftraggeber der Zur Rose Pharma GmbH ist die Versandapotheke Zur Rose. Deren Mitarbeiter überwachen an allen entscheidenden Stellen im Versandprozess die Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen, haben letztlich die "Hoheit in allen pharmazeutischen Arbeitsschritten", erläutert Walter Hess. Dazu gehören unter anderem die pharmazeutische Freigabe der Kundenaufträge und die Abgabekontrolle. Im Hintergrund jeder Bestellung von verschreibungspflichtigen und freiverkäuflichen Medikamenten laufen umfangreiche Überprüfungen ab. So müssen bei jedem Rezept die unterschiedlichen Rabattverträge der einzelnen Krankenkasse aus der ganzen Bundesrepublik mit den Herstellern abgeglichen werden. Zudem ist es besonders wichtig, dass per Softwareunterstützung Wechselwirkungen bei ärztlich verordneten Medikamenten überprüft und im Konfliktfall an den Arzt gemeldet oder die Patienten entsprechend beraten werden. Jährlich werden mehr als 200.000 Rezepte dieser Prüfung unterzogen. 

Ohne moderne Softwarelösungen läuft bei Zur Rose nichts. Jeder der mehr als neun Millionen kommissionierten Artikel im Jahr wird über seinen Barcode einschließlich der Chargennummer beleglos erfasst. Im Falle des Rückrufs eines Medikaments lasse sich so der Empfänger in kürzester Zeit ermitteln, könne man eine durchgehende Sicherheit garantieren, erklärt Logistikverantwortliche Madlen Arnold.

Die Schweizer Zur Rose-Gruppe mit Sitz in Frauenfeld widmet sich in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich der Arzneimitteldistribution. Sie ist nach eigenen Angaben Marktführer im europäischen Arzneimittelversand. Zur Rose wurde 1993 als Ärztegrossistin gegründet und betätigt sich seit 2001 auch als Versandapotheke für Privatkunden. In Deutschland und Österreich ist Zur Rose mit ihren Tochtergesellschaften DocMorris in Heerlen (NL) und Zur Rose Pharma in Halle aktiv. Die Zur Rose-Gruppe beschäftigt an den verschiedenen Standorten mehr als 800 Mitarbeiter.

Über die Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" (GRW) wurden zahlreiche Investitionen von Schweizer Unternehmen in Sachsen-Anhalt gefördert. Gemessen am Investitionsvolumen liegt die Schweiz zwischen 2000 bis Ende März 2015 im Ländervergleich auf Platz 3 hinter den USA und den Niederlanden. Zu Buche stehen 23 geförderte Investitionsvorhaben mit einem Gesamtvolumen von 371,7 Millionen Euro. Dadurch wurden mindestens 627 neue Dauerarbeitsplätze geschaffen sowie 3.629 Dauerarbeitsplätze gesichert.

2014 betrugen die Exporte sachsen-anhalter Unternehmen in die Schweiz rund 473 Millionen Euro, das bedeutet Platz elf im Vergleich aller Exportländer. Importiert wurden 2014 Waren und Dienstleistungen im Wert von etwa 378 Millionen Euro. Im Ranking der Importländer das bedeutet Platz zwölf.

Bildtext: Täglich werden in der Zur Rose Pharma GmbH in Halle (Saale) rund 5.000 Pakete mit Arzneimitteln zusammengestellt.

Autor/Foto: Klaus-Peter Voigt

 

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