Stendaler Prüfgeräte weltweit im Einsatz beim Bau von Highspeed-Strecken

Foto: Mit ZORN Fallgewichtsgeräten wird die Tragfähigkeit des Gleis-Unterbaus geprüft (©ZORN INSTRUMENTS)

In naher Zukunft werden zwischen Sacramento und San Diego Züge auf der „California High-Speed-Rail“ in Höchstgeschwindigkeit durch die Landschaft rauschen. Dass dieses ehrgeizige Projekt in Kalifornien umgesetzt wird, ist auch einem Unternehmen aus Sachsen-Anhalt zu verdanken. Das 1870 gegründete altmärkische Traditionsunternehmen „ZORN INSTRUMENTS“ hat Mitarbeiter nach Übersee zu Firmen entsendet, die an der Bauausführung der High-Speed-Strecke beteiligt sind. Ihre Mission: Die Mannschaft der lokalen Betriebe für die Arbeit mit einer Technologie vertraut machen, die bis dato hier noch nicht eingesetzt worden ist. An ihrer Seite haben die „Trainer“ aus der Hansestadt Stendal ihre amerikanischen Partner „KSE Testing Equipment“.

Der Hintergrund für diesen Einsatz ist eine geplante Lieferung nach Übersee. „In den nächsten Wochen liefern wir unsere neuesten ZFG aus“, erklärt Thorsten Hildebrand. Hinter diesem Kürzel, das in der Branche einen klangvollen Namen hat, verbirgt sich ein „Leichtes Fallgewichtsgerät“, das aus dem internationalen Bahnbau nicht mehr wegzudenken ist, denn es misst die Tragfähigkeit des Gleisunterbaus. „Wo immer auch heute Züge pünktlich rollen, waren unsere Geräte im Einsatz“, sagt der Vertriebsverantwortliche. „Auch bei Reparaturen und Wartungsarbeiten werden sie verwendet.“

Gründlichkeit gefragt

International zu denken, in der Welt unterwegs zu sein, modernste Technologien und Produkte einzuführen, ist für das Traditionsunternehmen mit Sitz in der Hansestadt Stendal nicht neu. „Wir bewegen uns seit Jahrzehnten auf dem internationalen Parkett“, sagt Thorsten Hildebrand, bei „ZORN“ verantwortlich für den Vertrieb und das Marketing. Auftraggeber in mehr als 60 Ländern schwören auf die Zuverlässigkeit, Gründlichkeit und moderne Ausrichtung der Produkte, die aus Deutschland – und speziell aus dem altmärkischen Unternehmen – kommen.

Altmärkische Pionierarbeit

Das mittelständische Unternehmen, hat Anfang der 90er Jahre die Abläufe bei der Prüfung von Bauuntergrund revolutioniert. Mit Prüfgeräten der „ZFG“-Reihe haben die Stendaler auch den amerikanischen Markt erobert – vor allem, weil es die anspruchsvolle amerikanische Standardnorm erfüllt. Bei der Entwicklung und Produktion von Prüfgeräten legt die „ZORN INSTRUMENTS GmbH & Co. KG“ viel Wert auf den Kontakt zur „Basis“ und hat darum Auftraggeber in den verschiedensten Gebieten. Mit dem „Leichten Fallgewichtsgerät ZFG“ führten die Altmärker einst ein inzwischen sehr gefragtes Gerät für den sogenannten „Dynamischen Plattendruckversuch“ ein, der beim Eisenbahnbau die Qualität der Tragfähigkeit von unteren Bereichen der Bahndämme beurteilt. Außerdem war „ZORN“ maßgeblich beteiligt an der Erarbeitung verschiedener Prüfnormen für die Qualitätskontrolle im nationalen und internationalen Erd- und Grundbau.

Damit waren die Weichen bereits vor Jahren in Richtung Zukunft gestellt. Der Mechanik-Spezialist erweiterte Stück für Stück sein Portfolio, beschäftigt Tüftler und Denker, um „keine Innovationen zu verpassen“, wie Thorsten Hildebrand sagt. Das Unternehmen kooperiert mit Hochschulen und sucht nach Lösungen für Problemstellungen, die meist direkt aus der Praxis kommen. „Wir analysieren, mit welchen Technologien am effektivsten gearbeitet werden kann“, so der „ZORN“-Vertriebschef. Dabei konzentrieren sich die Stendaler auf viele Märkte. Das Unternehmen arbeitet in vielen Bereichen, ist in der Prüftechnik genauso zu Hause wie in der Medizintechnik. Zum Repertoire gehören Waagen, Messgeräte für winzige Größen, Abstände, Gewichte oder Härteprüfer für alle möglichen Werkstoffe. Die Altmärker sind zudem gefragte Zulieferer von Kleinserienteilen und Prototypen – unter anderem für die Automobilindustrie. Auf dem Medizintechnik-Markt punktet „ZORN“ seit Jahren mit Produkten wie Skalpells oder dem „Clip“, der bei Voruntersuchungen von Darmkrebs zum Einsatz kommt.

Rund um den Globus im Einsatz

Auf der „InnoTrans“ wird sich das sachsen-anhaltische Unternehmen als Spezialist für Infrastruktur präsentieren. Das Unternehmen hat über Jahre viel Kraft in die Weiterentwicklung seiner Prüfgeräte gesteckt und nützliche Erweiterungen entwickelt, wie die integrierte Positionsbestimmung via GPS oder die drahtlose Übertragung von Messergebnissen mittels Mobile-App. Darüber hinaus unterstützt „ZORN“ seine Auftraggeber bei der Interpretation der ermittelten Ergebnisse. Vertreter der Firma arbeiten in Normungsgremien mit und untermauern den Ruf als geschätzter Partner in Forschung und Entwicklungsprojekten.

Das spricht sich herum. Die ZFG-Prüfgeräte aus Stendal sind rund um den Globus im Einsatz, wenn Schnellbahnstrecken gebaut werden. Allein für den Bau der Hochgeschwindigkeitsbahn „CRH“ lieferte „ZORN“ zwischen 2004 und 2010 mehrere hundert Geräte nach China. Wie es konkret an der High-Speed-Rail-Strecke in Kalifornien weiter geht, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. „Wir sind zuversichtlich, dass  das Unternehmen, das demnächst das ZFG mit der Seriennummer 10.000 von uns erhält, am Bau der Strecke beteiligt ist“, so Thorsten Hildebrand.

So oder so steckt in vielen Baustellen und Bahnstrecken auf der ganzen Welt das Know-how aus Stendal in Sachsen-Anhalt, dem Standort, wo der Mittelständler forscht, entwickelt und produziert. „Hier sind wir gewachsen, haben viele gute Partner in Wissenschaft und Wirtschaft und können Netzwerke pflegen“, meint der  Vertriebschef von ZORN. „Von hier aus steht uns also die Welt offen.“ Wenn er seine Mitarbeiter „sucht“, sind die in vielen Ländern im Einsatz. Und im September zeigen sie der Verkehrstechnik-Welt in Berlin, was so alles aus der Altmark kommt.

Autorin: Manuela Bock

Mehr Informationen zu den Ausstellern am Landesgemeinschaftsstand Sachsen-Anhalt und der InnoTrans 2018 unter: www.investieren-in-sachsen-anhalt.de/innotrans-2018 

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