Interaktiv im digitalen Meer Kaliforniens

©prefrontal cortex

Prefrontal Cortex aus Sachsen-Anhalt ist mit Interaktionskonzepten für internationale Kunden erfolgreich.

Modernste interaktive Anwendungen sind das Spezialgebiet von Prefrontal Cortex aus Halle (Saale). Die Expertise der jungen Designer und Programmierer vor allem in den Bereichen Virtual Reality/Augmented Reality und 3D-Echtzeitgrafik ist international gefragt. Für Intel haben sie LED-Wände zum Leben erweckt, für Microsoft eine interaktive Earth-Day-Kampagne designt, und in Kooperation mit Facebook entwickeln sie gerade eine virtuelle Tauchfahrt zu einem versunkenen Schiffswrack.

Die Lobby der Intel Corporation, Santa Clara, Kalifornien, ist kein Entrée wie jedes andere. Der berühmte Hightech-Konzern im Herzen des Silicon Valley empfängt Besucher und seine Mitarbeiter in einer Art Showroom: In einer digitalen südkalifornischen Unterwasserwelt wiegen sich auf einer LED-Wand am Eingang Meerespflanzen, Schwärme kleiner Fische schießen vorbei und ein Hai zieht durch die Szenerie. Die dem natürlichen Tagesverlauf angepasste Lichtstimmung und Sound-Wogen des Pazifiks perfektionieren die Illusion. Die Grafik ist schön anzusehen, aber das reicht für Intel nicht aus, schon gar nicht, um die Leistungsfähigkeit ihrer Prozessoren zu demonstrieren. Deshalb ist die 16 Quadratmeter große Wand mit  der Unterwasserszene am Eingang zur Konzernzentrale interaktiv: Bleibt ein Besucher vor dem Screen stehen, schwärmen die Fische herbei, schwungvolle Gesten verscheuchen sie rasch. Möglich machen diese Interaktion von realer und digitaler Welt sechs integrierte Intel® RealSense™ Kameras, die Tiefendaten zur Steuerung generieren.

VR-Simulation mit Entwürfen und Zwischenständen

Technisch umgesetzt haben das Unterwasser-Spektakel  die Designer und Programmierer des jungen Start-ups Prefrontal Cortex aus Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt. „Wir haben in Gesprächen mit dem Intel-Kreativteam das Konzept für die Wand entwickelt und es gestalterisch und technisch so realisiert, dass es auf der LED-Wand in Echtzeit funktioniert“, sagt Mitgründer Felix Herbst. Die Entwicklung für die Wand sei anspruchsvoll gewesen: Schließlich müsse jemand, der nur zehn Sekunden vor der Wand stehen bleibe, genauso das Gefühl haben, dass die Wand auf ihn reagiert, wie 20 Leute, die gleichzeitig länger davor verweilen. „Als Arbeitsgrundlage haben wir in unserer Werkstatt die LED-Wand quasi in klein simuliert. Den Raum, die Intel-Lobby, gab es ja noch nicht“, ergänzt Paul Kirsten, ebenfalls Prefrontal-Cortex-Gesellschafter. „Um eine detaillierte Vorschau auf den jeweils aktuellen Stand der Grafik zu ermöglichen, haben wir eine VR-Simulation mit unseren Entwürfen und Anpassungen in der geplanten Architektur entwickelt. Somit konnten wir Entscheidungsprozesse bei Intel auch über diese große Distanz reibungslos und anschaulich gestalten”, sagt Kirsten.

Die Entwicklung für die Konzernzentrale der Intel Corporation ist eines der bisher erfolgreichsten Projekte von Prefrontal Cortex. „Unsere Projekte befassen sich immer mit einer besonderen Interaktion. Darin sind wir gut“, sagt Felix Herbst. Seit 2011 arbeiten die Freunde Felix Herbst, Paul Kirsten und Christian Freitag zusammen. Damals studierten sie noch Multimedia |  Virtual Reality-Design an der renommierten BURG Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Sehr früh haben sie sich auf 3D-Echtzeitgrafik und die damals noch wenig verbreiteten Entwicklungen Virtual Reality und Augmented Reality spezialisiert. Seit 2015 gibt es die Firma Prefrontal Cortex, inzwischen mit zehn Mitarbeitern.

Reaktionen und Emotionen

Prefrontal Cortex - der Name ist gut gewählt. Er bezeichnet jenen Bereich im Gehirn, in dem sensorische Informationen zusammenlaufen, Reaktionen entworfen und Emotionen reguliert werden. Reaktionen und Emotionen erzeugen, genau das möchte Prefrontal Cortex mit  innovativen Softwareprototypen und Interaktionskonzepten für seine Kunden erreichen. Und das Unternehmen ist  erfolgreich. „Es gibt viele Firmen, die mit interaktiven Konzepten unterwegs sind. Aber die meisten bieten entweder den kreativen Teil oder das Programmieren an. Unser wichtigster Vorteil ist, dass wir Gestaltung, Programmierung und die Entwicklung vom Konzept bis zur praktischen Bedienung anbieten können“, sagt Paul Kirsten. Und weil die Projekte des Start-ups aus einer Hand kommen, kann Prefrontal Cortex seine Produkte mit weniger Abstimmungsrunden so schnell liefern, wie es auch international nur wenige Mitbewerber schaffen.

Das hat sich herumgesprochen. Zusammen mit einer Firma aus London hat das sachsen-anhaltische Unternehmen für Microsoft ein Online Tool erschaffen, mit dem im Rahmen der internationalen Earth Day-Kampagne Baumbestände in Wäldern innovativ visualisiert werden. Große Datenmengen ermöglichen dem Betrachter ein spannendes Navigieren durch die Schichten des Waldes. Am Ende gibt es zu jedem der vorgestellten Wälder außerdem die Möglichkeit, für eine gemeinnützige Naturschutzorganisation zu spenden.

„Spielerisch“ ist eine Stärke

„Spielerisch“ ist eine Stärke von Prefrontal Cortex. Das wird auch im jüngsten Projekt der Firma aus Sachsen-Anhalt deutlich: Mit Facebook wird gerade an einer VR-Anwendung getüftelt, mit deren Hilfe es auf eine virtuelle Tauchfahrt zu einem echten Schiffswrack in 80 Meter Tiefe geht. Dort kann die Originalladung, die inzwischen von kunsthistorischem Wert ist, betrachtet werden - von allen Seiten. 

Von Halle (Saale) aus erweitert wird übrigens auch das Angebot auf der LED-Wand im Intel-Hauptquartier. „Savanna“ heißt eine weitere interaktive Installation aus Sachsen-Anhalt. Besucher können dabei in der Lobby gemeinsam eine Landschaft formen und einer trockenen Savanne Stück für Stück Leben einhauchen: Tritt der Besucher näher an die Wand, kann er in dem virtuellen ausgetrockneten Boden mit seinen eigenen Händen tiefe Schluchten graben und dem Wasser neue Wege bahnen.

Autor: Michael Falgowski

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