Nichts klebt mehr

"Sprühturm" der Münzing Chemie GmbH ©Münzing Chemie GmbH

Mit dem seltenen Verfahren der Sprühmikronisierung produziert die MÜNZING Micro Technologies GmbH im Industriepark Zeitz ein vielfältig einsetzbares Produkt.

Kleinstpartikel in runder Form und mit glatter Oberfläche entstehen, wenn Wachs geschmolzen wird und anschließend per Zerstäubung in Stickstoff kondensiert. Mikronisiertes Wachs weist gegenüber konventionell gemahlenem viele Vorteile auf. In Sachsen-Anhalt im Chemie- und Industriepark Zeitz befindet sich eine von weltweit sieben Produktionsstätten der MÜNZING-Gruppe.

„Nichts klebt mehr“ wird zufrieden sagen, wer auch nach einem längeren Zeitraum aneinander gepresste, lackierte Oberflächen mühelos voneinander trennen kann. Lackierte Holzfensterrahmen zum Beispiel. Die Eigenschaft des Nichtklebens erreichen Lacke, indem ihnen Additive zugesetzt werden, die als eine Art Abstandshalter fungieren. Mikronisierte Wachse erfüllen diese Funktion. Produziert und verkauft werden sie im Chemie- und Industriepark Zeitz, einer von 12 Zukunftsorten in Sachsen-Anhalt, die sich durch ein besonders enges Miteinander von Wirtschaft und Wissenschaft und eine hohe Innovationskraft auszeichnen. Hier, in Zeitz, befindet sich der wichtigste Produktionsstandort für mikronisierte Wachse der MÜNZING-Gruppe. Die vier Sprühtürme des Unternehmens prägen die Silhouette des Standorts. Hier findet die sehr seltene Technologie der Wachsmikronisierung statt – und damit die wichtigste Technologie für die MÜNZING-Gruppe überhaupt.

Dafür werden technische Wachse, aus Polyethylen oder Montan zum Beispiel, unter Sauerstoffausschluss geschmolzen und anschließend durch eine Düse in kalten Stickstoff gesprüht. Das Wachs kondensiert darin und bildet winzig kleine Tröpfchen - kugelförmige, regelmäßige Kleinstpartikel mit geringer Oberfläche. Die Vorteile dieser Technologie gegenüber der konventionellen Mahlung, der mechanischen Zerkleinerung von Wachsen, liegen in der runden Form der Partikel und ihrer glatten Oberfläche. Damit erleichtern sie den Dispergierprozess, reduzieren die Wachsmenge und die Staubentwicklung. Die CERETAN®-Wachse der MÜNZING Micro Technologies GmbH finden Anwendung in Holzlacken, Druckfarben, Masterbatch, Pulverlacken oder Anstrichfarben.

Einheitliche Dichte durch Verschmelzung

Die Technologie ermögliche zudem die Verschmelzung mehrerer Wachse, sagt Melanie Wiens, Head of Marketing & Product Management. „Dadurch wird eine einheitliche Dichte ohne Inhomogenitäten erreicht.“ Dies gelänge bei der Mahlung nicht. Melanie Wiens hat dafür ein plastisches Beispiel kreiert: „Bei der Verschmelzung von einem schwarzen und einem weißen Schaf würde ein graues entstehen; bei der gemahlenen Version ein geschecktes.“

Bei der Anwendung in Druckfarben sorgt der Zusatz von mikronisiertem Wachs für eine erhöhte Abriebsbeständigkeit - wie bei Lacken fungieren auch hier die runden Kleinstpartikel als eine Art Abstandshalter. Durch die kleinen, für das bloße Auge nicht sichtbaren Wölbungen im Druck verhindern sie dessen Zerkratzen oder Verschmieren. Der Einsatz in der Masterbatch-Industrie als Fließmittel wiederum sorgt dafür, dass die aufgeschmolzenen und gepressten Kunststoffgranulate auf dem Extruder in einem gleichmäßigen Prozess konstant laufen. Die Klebstoffindustrie bedient sich des Zusatzes von CERETAN®-Wachsen ebenfalls. Hier sorgen sie zum Beispiel dafür, dass sich Klebebänder leichter von der Rolle lösen lassen. Beim Pulverlack wiederum werden die Wachse zur Beeinflussung der Oberflächeneigenschaften zugesetzt. Lackfilme werden dadurch glatter und kratzunempfindlicher. Die Wachse sorgen auch bei der Produktion von Pulverlacken für einen positiven Einfluss bei der Benetzung der Pigmente und Füllstoffe.

MÜNZING in mehr als 40 Ländern vertreten

Gegründet wurde MÜNZING 1830 durch Friedrich Michael Münzing in Heilbronn und war der erste Hersteller von Schwefelsäure in Deutschland. Heute agiert das noch immer im Familienbesitz befindliche Unternehmen weltweit als bedeutender mittelständischer Hersteller von Additiven für die Farben- und Lackindustrie. Forschungs- und Produktionsstandorte unterhält MÜNZING in Deutschland, den USA, Australien und Malaysia; mit eigenen Vertriebsgesellschaften ist MÜNZING darüber hinaus z.B. in China, Mexiko und Brasilien vertreten und arbeitet mit Vertriebspartnern in mehr als 40 Ländern zusammen. Die Sprühtechnologie gehört seit einer Akquisition im Jahr 2011 zur MÜNZING-Gruppe und ist Teil des Geschäftsbereichs Wachsadditive. Das Wachsportfolio des Unternehmens reicht von nichtmikronisierten Wachsen, mikronisierten Wachsen über beschichtete Wachse bis zu wasser- und lösemittelbasierenden Wachs-Emulsionen und -Dispersionen.

Bedeutende Rolle des Standortes in Sachsen-Anhalt

Der Standort in Sachsen-Anhalt sei ein sehr bedeutender für die MÜNZING-Gruppe, sagt Melanie Wiens, zirka 5000 Tonnen pro Jahr würden hier produziert. Der für alle Wachsprodukte zuständige Customer-Support fände ebenfalls in Zeitz statt. Überhaupt ist MÜNZING auf weiteres Wachstum eingestellt, der Bau des vierten Sprühturms nach dem Kauf der Produktionsstätte sei dafür bereits Vorbereitung gewesen, sagt Melanie Wiens. „Der Markt in Europa ist zwar stark umkämpft, aber in den Märkten gerade in Asien und Nordamerika sehen wir großes Potential. Unsere Exporte aus Zeitz nehmen beständig zu.“ Sechs Millionen Euro habe man seit der Akquisition in den Standort Zeitz investiert, an dem zur Zeit 60 Mitarbeiter beschäftigt sind. Zwar verfüge die MÜNZING-Gruppe an ihrem Hauptsitz in Abstatt über eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung, dennoch profitiere sie von der Zusammenarbeit mit einschlägigen Einrichtungen in Sachsen-Anhalt, etwa der ebenfalls im Industriepark Zeitz ansässigen ifn Forschungs- und Technologiezentrum GmbH, die Unternehmen bei der Lösung von analytischen und ingenieurtechnischen Problemstellungen unterstützt, sagt Melanie Wiens.

Autorin: Anja Falgowski

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