Handwerklich gebrauter Gerstensaft und sein Retro-Design treffen den Geschmacksnerv

Ulf Steinforth, Geschäftsführer des „Magdeburger Getränkekombinats“, ist ein bekennender Magdeburger und leidenschaftlicher Bewahrer von regionalen Bier-Traditionen. ©Sudenburger Brauhaus

Hopfen, Wasser und Malz gehören laut Reinheitsgebot in ein deutsches Bier: Die „Magdeburger Getränkekombinat GmbH“ gibt eine große Prise Tradition dazu. Mit dem „Sudenburger Bier“ serviert das Unternehmen der Region eine handwerklich gebraute Marke, die an süffige Erfolge alter Zeiten anknüpft und immer mehr neue Liebhaber findet. Für das „Sudenburger Helles“ leuchtet seit 2018 sogar ein „Kulinarischer Stern“, mit dem Sachsen-Anhalt jedes Jahr qualitativ hochwertige Produkte von Unternehmen der Ernährungswirtschaft auszeichnet.

„… und nach der Arbeit trinken wir das gute Sudenburger Bier“, diesen Slogan kannte in alten Zeiten fast jeder in Magdeburg und Umgebung. Heute ist er wieder in der Landeshauptstadt zu sehen. In leicht angepassten Retrostil steht der Schriftzug an den Theken der Gastronomen der Stadt, an umgebauten, teils historischen Ausschankwagen und dem Fuhrpark der Brauerei, im Internet, in den „Sozialen Medien“ und im „Sudenburger Brauhaus“. Mit dem Spruch knüpft das „Magdeburger Getränkekombinat“ an eine Bier-Tradition an, die im Jahr 1882 im südwestlichen Stadtteil begründet wird und kurz nach der Wende mit dem Abriss der alten Anlagen zunächst endet. An dieser Stelle kommt Ulf Steinforth ins Spiel. Der Unternehmer und erfolgreiche Box-Promoter ist nicht nur ein bekennender Magdeburger, sondern sammelt historische Werbemittel, und unter anderem auch, was es zum Thema Bier aus seiner Heimatregion gibt.

„Magdeburger Getränkekombinat“ investiert in eine eigene Brauerei

„In Magdeburg muss wieder ein eigenes Bier hergestellt werden“, lautet in den frühen 2000er Jahren seine Devise. „Wir hatten diese Idee in Zeiten, wo die großen Brauereien den Markt bestimmten“, erinnert sich Marketing-Chef Christof Hawerkamp. Die Magdeburger „Bier-Visionäre“ gehen auf Recherche-Tour, befragen Brauer, sprechen mit den Menschen auf der Straße und mit jenen, die sich erinnern und dann alte Bierkrüge aus ihren Kellern hervorkramen. „Wir merkten recht schnell, dass wir einen Nerv treffen“, so Hawerkamp. Aus der kühnen „Schnapsidee“ wird schließlich die Geschäftsgrundlage für das heutige „Magdeburger Getränkekombinat“ – das wie der einstige „Volkseigene Betrieb“ heißt.

2014 führt das Unternehmen die Marke „Sudenburger Bier“ ein, konzentriert sich auf drei Sorten, belebt die Traditionsmarke von 1882 mit „Pils“, „Helles“ und „Bock“ – zunächst in der Ferne. Drei Jahre später wird das erste Frischbier in Magdeburg produziert – in einer neuen Anlage, die mit Mitteln aus dem „Europäischen Fonds für regionale Entwicklung – EFRE“ – gefördert wird und mit modernen, umweltschonenden Tanks ausgestattet ist. Die Sudenburger Bier-Produzenten treffen offenbar den Geschmacksnerv. Einzelhandelsketten listen ihren Gerstensaft, Getränkehändler und Veranstalter wollen es ausreichen.

Mit dem Bier, der Region und Nachhaltigkeit überzeugen

Beim Design der Etiketten, der Plakate und Schriftzüge für Fahrzeuge, die Feste ansteuern, orientieren sich die Magdeburger ans Aussehen vor über 100 Jahren. Im Markenaufbau setzt Christof Hawerkamp auf ein klares Bild mit „dem gewissen Wiederkennungswert fürs Bier und die Region“. Der Marketing-Chef sagt: „Wir wollen weder die Nostalgie- noch die Ostalgie-Welle reiten, wir wollen auch keinen Oststempel aufgedrückt bekommen. Wir wollen mit dem Bier, unserer Region und Nachhaltigkeit überzeugen“. Fast alle Zutaten kommen aus Sachsen-Anhalt. Bald sollen es alle sein, daran arbeite man gerade. Wenn die Brauer mit ihrer Arbeit fertig sind, kommen Mitarbeiter eines nahegelegenen Hofladens und holen die Malz-Reste ab, die als nährstoffhaltiger Zusatz an die Schweine verfüttert werden. Transport-Umwege vermeiden die Sudenburger durch den Direkt-Vertrieb. Angefahren werden Kunden im weiten Umkreis von Magdeburg. „Wir könnten noch viel weiter liefern, erhalten Anfragen aus vielen Regionen in Deutschland und darüber hinaus“, sagt Hawerkamp. „Aber wir gehen lieber in sorgfältig geplanten Schritten voran, wollen uns nicht verzetteln und etablieren uns zunächst hier bei uns.“ Dazu gehöre auch, „nicht jeden Trend mitzumachen“. „Wichtiger ist uns, ein besonders gutes Bier zu liefern“, so der Marketing-Chef.

Das Konzept scheint aufzugehen. Das leichte, milde „Helles“ bekommt 2018 die Landes-Auszeichnung „Kulinarischer Stern“. Bei Groß-Veranstaltungen wie der „Magdeburger Firmenstaffel“ greift man jetzt zum „Sudenburger Bier“, es wird auf der hiesigen Rennbahn und bei vielen Festen ausgeschenkt. Gastronomen besinnen sich immer mehr auf die heimische Bier-Sorte und ordern sie, wenn ihre Verträge mit Groß-Anbietern auslaufen. „Was viele Kunden schätzen, ist neben der Gewissheit, dass das Bier direkt vor der Haustür angesetzt wird, auch die Herstellungsweise“, meint Christof Hawerkamp. „Bei uns gibt es keine Zusätze, kein Schnickschnack.“ Das gilt auch für die neue Sorte „Rubin“, die seit vorigen Sommer zum Portfolio gehört und dank eines besonderen Malz-Einsatzes rot schimmert. 

Das Bier fließt, und die Geschichte bleibt im Fluss

Noch mehr Abwechslung kommt im „Magdeburger Getränkekombinat“ ins Spiel, wenn es um die Gestaltung und den Einsatz des Gerstensaftes geht. Alle Sorten gibt es vom Fass oder aus der Flasche mit Bügelverschluss. Dazu gesellen sich Sonder-Editionen, die in limitierten Steingutflaschen ausgereicht werden, wie der „135 Jahre – Jubilator“ zur Erinnerung an das Gründungsdatum des „Sudenburger Brauhauses“ oder das „AFRICAMBO-Bier“ für den Magdeburger Zoo. In ausgewählten Geschäften gibt es immer wieder die Sonder-Edition „Der flotte Dreier“, bei dem in einem Karton in Spind-Optik die drei „Klassiker“ eingebettet sind. Bei Veranstaltungen kann das Bier auf Wunsch von historischen Fahrzeugen – Feuerwehr, Barkas Trabant – oder von einem „Sudenburger Bierkarren“ und der „Biertonne“ ausgeschenkt werden.

„Die Ideen gehen uns hier nicht aus“, sagt der Marketingchef und blickt in die Zukunft. Weiter ausbauen wolle man das „Getränkekombinat“ mit seinen derzeit sieben Mitarbeitern, die Brauanlage erweitern, die Absatzmärkte in Gastronomie und Events weiter erschließen und den Namen weiter auch über die Region hinaus bekannt machen. Brauereiführungen sollen dann in der Zukunft angeboten werden. Das Erlebnis rund um den Gerstensaft soll so noch weiter geprägt werden. „Am wichtigsten bleibt aber immer unser Bier, das Handwerk und die Geschichte, die wir damit beleben“, sagt Christof Hawerkamp.

Autorin: Manuela Bock

Kontakt:
Magdeburger Getränkekombinat GmbH / Sudenburger Brauhaus
Brenneckestraße 94, 39118 Magdeburg

Telefon:              0391/6 20 92 24-10
E-Mail:                info@sudenburger-brauhaus.de
Internet:             www.sudenburger-brauhaus.de


 

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