KI verbessert die Wettbewerbsfähigkeit

Werkteilprüfung mit Computertomografen: Mit der von Mikrovista entwickelten Künstlichen Intelligenz können Serien in kurzer Zeit analysiert werden. ©Microvista GmbH

Die Microvista GmbH hat sich auf die industrielle Computertomographie, eines der modernsten zerstörungsfreien Mess- und Prüfverfahren, spezialisiert und gehört in diesem Bereich zu den führenden Dienstleistungsunternehmen in Deutschland.

Computertomografen (CT) kennen die meisten Menschen aus der medizinischen Diagnostik. CT dienen beispielsweise in der Kardiologie, der Orthopädie, Onkologie und vielen anderen Disziplinen dazu, dreidimensionale Bilder des Körperinneren zu gewinnen. Technische Fortschritte führten in den vergangenen drei Jahrzehnten dazu, dass auf Grund verkürzter Untersuchungszeiten die Strahlenbelastung für die Patienten sank. Von diesen Entwicklungen kann inzwischen auch die industrielle Werkteilprüfung profitieren. CT werden unter anderem auch zur zerstörungsfreien Untersuchung vornehmlich von Objekten aus Leichtmetall und Faserverbundwerkstoffen u.a. in der Luft- und Raumfahrtindustrie sowie im Automobil- und Anlagenbau eingesetzt. „Dauerte vor  etwa einem Jahrzehnt der Scan eines Fahrzeug-Zylinderkopfes noch sechs bis acht Stunden, lässt er sich mittlerweile in circa 30 Sekunden durchführen“, so Dr. Lutz Hagner, Geschäftsführer der Firma Microvista in Blankenburg. 

Mehr Geschwindigkeit beim CT-Scan ist allerdings nur ein Teil der Lösung für eine schnelle und damit kostengünstige Inspektion von Bauteilen.  Schließlich müssen die vom Tomografen erzeugten 3D-Bildinformationen anschließend auch noch ausgewertet werden. Dieser Prozess ist zeitaufwendig und verlangt Expertenwissen. Nur selten kann ein Prüfreport in weniger als einer halben Stunde abgeschlossen werden. Damit wird die Auswertung von CT- Daten zum Engpass im Inspektionsprozess. Die Auswertung der CT-Daten großer Bauteilmengen würde mehrere Wochen in Anspruch nehmen und deshalb ökonomisch nicht sinnvoll sein.

Den Ausweg zur Überwindung dieses „Flaschenhalses“ eröffnet  die Künstliche Intelligenz, die das Unternehmen aus Sachsen-Anhalt für die Analysen einsetzt. In einem mehrstufigen Prozess werden die CT-Messdaten mit den von der KI vorgegebenen Qualitätskriterien verglichen.  Was verdächtig ist, wird in einem weiteren Schritt mittels klassisch entwickelter Software aus dem Hause Microvista entsprechend den darin vorgegebenen Parametern erneut analysiert.  Gegenüber der bisherigen Qualitätsprüfung, die auf  Stichproben beschränkte Kontrollen setzt, ermöglicht die CT-Prüfung mit Unterstützung der Künstlichen Intelligenz Wettbewerbsvorteile. Mit ihr können Herstellungsverfahren hinsichtlich des Material- und Zeitaufwands weiter optimiert werden. Dank dieser Innovation zählt Microvista zu den heimlichen Helden der Wirtschaft in Sachsen-Anhalt.  Dem erst seit zehn Jahre bestehenden Unternehmen aus Blankenburg  ermöglichte die KI einen Wettbewerbsvorteil und Kundenaufträge aus einer Vielzahl europäischer Länder. „Wir prüfen Einzelteile ebenso wie Serien von bis zu 20.000 Teilen und mehr“, so Geschäftsführer Dr. Hagner. Auch hunderte komplett montierte PKW-Motoren haben die Microvista-Mitarbeiter schon mit ihren Computertomografen analysiert.

Während in den vergangenen Jahren die meisten Prüfungsaufträge aus der klassischen Automobilindustrie mit Verbrennungsmotoren stammten, sind es jüngst zunehmend Unternehmen und Zulieferer, die Bauteile für den Elektromobilitätsbereich fertigen. „Wie dauerhaft diese Nachfrage sein wird, kann aktuell niemand voraussagen“, so der Microvista-Geschäftsführer. Er sieht darin einen Aufholtrend, der den aktuellen Entwicklungen auf dem Automobilmarkt folgt.

„Es ist für uns sehr wichtig, die Elektromobilität im Blick zu behalten und neue Kundenkreise rechtzeitig zu erschließen“, so Dr. Hagner. 2008 ging Mirovista mit finanzieller Unterstützung des Landes Sachsen-Anhalt, der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft und der regionalen Sparkasse in Blankenburg an den Start. Nach gut vier Jahren konnte es erstmals schwarze Zahlen schreiben. 

Anders als so manches Industrieunternehmen in Deutschland hat das Harzer Unternehmen kein Problem bei der Suche nach Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. „Den wachsenden Nachwuchs decken wir überwiegend aus unserer Region“, so Dr. Hagner. Dabei handelt es sich vorrangig um Absolventen  der Hochschule Harz in Wernigerode und der Universität Magdeburg. „Wir bieten unseren Mitarbeitern einen interessanten Job, der sich durch Abwechslung und innovative Erneuerung auszeichnet. Für den Spaß am Job sorgt auch die stark teamorientierte Arbeitsweise mit flacher Hierarchie und einer Unternehmenskultur, die die Mitarbeiter wesentlich mitbestimmen.“

Autor: Uwe Seidenfaden

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