Smart Materials – Intelligente Folien als Multitalente

©Folienwerk Wolfen

Die Folienwerk Wolfen GmbH produziert Folien für Kosmetika, Lebensmittel, Führerscheine und Verbundsicherheitsglas

Der Bodyguard fürs Fensterglas

Glasfassaden an Gebäuden müssen eins unbedingt sein: sicher. Deshalb wird in Fassaden auf der ganzen Welt heute ein Verbundsicherheitsglas verbaut, in das eine transparente Spezialfolie aus Sachsen-Anhalt eingeklebt ist. „evguard“® heißt diese Folie. Entwickelt wurde sie im Folienwerk Wolfen, einem der weltweit führenden Hersteller innovativer Spezialfolien. „evguard“ wird zwischen zwei Glasscheiben laminiert, was die Festigkeit des Glasverbundes erhöht und Eigenschaften für eine langlebige Anwendung als Sicherheitsglas oder als Brand- und Schallschutzglas verleiht Ein weiterer Vorteil der geschützten Markenfolie ist ihre Unempfindlichkeit gegenüber vielen äußeren Einflüssen wie Chemikalien, Temperaturschwankungen oder Luftfeuchtigkeit. Das so verstärkte Glaseröffnet auch den Architekten neue Möglichkeiten. Etwa für den Einsatz von Glas in rahmenlosen Balkonbrüstungen und Balustraden, aber auch für neuartige Fassadenkonstruktionen, beleuchtete Treppenstufen, Glaskuppeln oder Überkopfverglasungen. Mit „evguard“-Folie hergestellte Glaslaminate werden auch bei der Veredelung von Displays, zum Beispiel bei Touchpads oder Bildschirmen von Bank- und Ticketautomaten, verwendet.

Folien als Multitalente

Die neuartige Sicherheitsfolie gehört zu den „intelligenten“ Materialien der Produktpalette der Folienwerk Wolfen GmbH, die ihren Sitz im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt hat. Seit 27 Jahren entwickelt und produziert das Unternehmen Kunststoff-Folien. Über 200 Folientypen für die Weiterverarbeitung laufen im Folienwerk Wolfen von den Bändern. Die Folien unterscheiden sich durch Farbe, Gleitfähigkeit und Stärke. Je nach Anwendung werden sieindividuell angepasst oder neu entwickelt. Beispielsweise erhalten einige UV-Schutz, um später in ihnen verpackte Erzeugnisse zu schützen. Pro Jahr werden inzwischen bis zu 20.000 Tonnen verschiedener Kunststoff-Folien hergestellt, technische Folien für die Industrie, Entwicklungen für Verpackungen oder auch geriffelte Lentikular-Folien für den Druck mit 3D-Effekten oder „Wackelbildern“. „Wir entwickeln entsprechend der Kundenwünsche unsere Produkte sehr individuell, reagieren schnell und bieten unsere individuellen Lösungen auch in kleineren Mengen und mit kurzen Lieferzeiten an“, sagt der Geschäftsführer der Folienwerk Wolfen GmbH, Günther Burkardt.

Folien für Führerscheine, Kosmetika und Lebensmittel

Als einer der ersten Kunststoff-Verarbeiter hat das Team aus Wolfen mittels der Mehrschichttechnologie die Eigenschaften verschiedener Polymere in einer Folie vereinigt. Die Folien werden für die einzelnen Anwendungsgebiete maßgeschneidert: Das preisgünstigere PET-A bildet das Folieninnere, während mit der PET-G-Außenschicht die Eigenschaften der Folie wie Bedruckbarkeit und Verschweißbarkeit gezielt eingestellt werden können. Weltweit, auf allen Kontinenten, steckt etwa in Führerscheinen, in U-Bahn-Netzkarten oder in Kreditkarten eine Folie aus Sachsen-Anhalt. Andere Länder in wählen die Materialien aus Wolfen für die Herstellung von Personalausweisen und Reisepässen. Das Unternehmen produziert auch für Verpackungen von Lebensmitteln, Kosmetika oder Produkten des täglichen Bedarfs oder für die sterile Lagerung von Operationsbestecken. Selbst zur Verpackung koscherer Lebensmittel steht eine spezielle Foliensorte bereit, denn diese darf keinerlei tierische Stoffe enthalten. „Für bestimmte Additive, beispielsweise zur Verbesserung der Gleitfähigkeit von Kunststoffteilen, werden aber tierische Bestandteile verwendet. Wir fertigen eine Folie, die nachweislich frei von tierischen Bestandteilen ist“, erläutert Dr. Steffen Bornemann, Leiter der Entwicklungsabteilung. Alljährlich zertifiziert ein Rabbi in der Werkhalle die Produktion der Spezialfolie.

Bereits seit 2003 gehören auch Folien aus Polymilchsäure (PLA), einem aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnenen Material, zum Sortiment. Viele Folien bestehen aus hochwertigem Recyclat, dazu werden sortenreine Folienabfälle der Kunden wiederverwertet. Solche Nischen-Produkte zeigen die Vielseitigkeit der Wolfener Folien-Experten und begründen den wirtschaftlichen Erfolg.

Pionier der Folienherstellung

Die Folienhersteller setzen die lange Tradition der Chemie- und Kunststoffindustrie in Sachsen-Anhalt fort. 1991 ist das Unternehmen aus der ORWO Filmfabrik hervorgegangen, die neben Anbietern wie AGFA und Kodak zu den Pionieren in der Produktion von Folien als Basis für die fototechnischen Filme und Röntgenfilme gehörte. Die Folienwerk Wolfen GmbH wurde als eines der ersten Unternehmen in Bitterfeld auch von ehemaligen Mitarbeitern aus der ORWO-Filmfabrik heraus gegründet. Die Entwicklung war erfolgreich: Man begann mit 28 Mitarbeitern, heute sind es 160.

Zum Erfolg trägt auch eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung bei. „Wir optimieren unsere Folien ständig weiter und entwickeln neue Produkte. Nur mit unseren individuellen Lösungen können wir uns weltweit auf dem Markt behaupten“, sagt Dr. Steffen Bornemann.

Kunststoff-Standort Sachsen-Anhalt

Das Land Sachsen-Anhalt und der Kunststoff- und Chemiestandort Bitterfeld- Wolfen bieten dem Unternehmen hervorragende Standortbedingungen. Dazu gehören mehrere Hochschulen und wissenschaftliche Einrichtungen in unmittelbarer Nähe. Kooperationen gibt es beispielsweise mit den Hochschulen Merseburg und Anhalt, mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in Halle (Saale), dem Fraunhofer-Center für Silizium-Photovoltaik CSP oder dem Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS. Mit den Fraunhofer-Partnern in Halle (Saale) beispielsweise wurden in den letzten Jahren in einem Projekt namens „PV-Extrem“ Folien für Glaslaminate im Verbundsicherheitsglas und in Solarmodulen für  extremes Klima optimiert. Diese Produkte werden dann zum Beispiel in Hausfassaden  in Ländern entlang des „Sonne-Gürtels“ unseres Planeten verbaut.

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