Mit Schwung gegen Muskelschwund

Die Haynl-Elektronik GmbH in Schönebeck (Elbe) hat ein Elektrostimulations-Konzept und einen programmierbaren Trainingsassistenten für die Schlaganfallrehabilitation entwickelt. ©Haynl-Elektronik GmbH

Die Haynl-Elektronik GmbH hat den Sprung auf den internationalen Markt der Medizintechnik geschafft

Die Haynl-Elektronik GmbH in Schönebeck (Elbe) entwickelt und fertigt Medizintechnik vorrangig für Behandlungsmethoden, bei denen Elektrostimulation und das Biofeedbacktraining zum Einsatz kommen. Für das innovationsfreudige Kleinunternehmen aus Sachsen-Anhalt sind Forschungskooperationen unerlässlich, um sich auf dem nationalen wie internationalen Markt der Medizintechnik zu behaupten.

Carsten Hentzsch balanciert mit einem Bein auf der schwingenden Therapiefläche eines „Posturomeds“. Der Name des Gerätes ist vom „posturalen System“ abgeleitet. Das bezeichnet die Zusammenfassung aller menschlichen Körpersysteme, die für die Haltungsstabilität sorgen. Software und Messtechnik für das „Posturomed“ der Firma HAIDER BIOSWING in Pullenreuth kommen von der Haynl-Elektronik GmbH in Schönebeck (Elbe). Das sachsen-anhaltische Unternehmen hat sich mit der Entwicklung und Fertigung von hochwertiger Medizintechnik international einen Namen gemacht. „Mit diesem Gerät werden am Menschen standardisierte Testverfahren zur Beurteilung seiner zentralmotorischen Koordinationsfähigkeit durchgeführt. Ein Feedbackprogramm erstellt in Echtzeit visuelle Rückmeldungen, die am Computerbildschirm zu sehen sind. Je höher die Schwingfrequenz und die Schwingamplitude, umso geringer sind die Stabilitätswerte“, erklärt Hentzsch. Er ist einer der Geschäftsführer der Haynl-Elektronik.

Mit Schwung gegen Muskelschwund

Der „Posturomed“ wird in der Rehabilitation und im Leistungssport eingesetzt und ebenso in der Prävention. Hentzsch erwähnt die betriebliche Gesundheitsförderung. Angebote in diesem Rahmen sind längst zu bestimmenden Qualitätsfaktoren für gute Arbeitsbedingungen geworden. Die Rückengesundheit, so Hentzsch, sei da ein zentrales Thema. Zu den ungesunden körperlichen Beanspruchungen gehörten heutzutage die überwiegend sitzenden Tätigkeiten. In der Prophylaxe werde der „Posturomed“ zum Vermessen des gesamten Halteapparates eingesetzt. Auf Grundlage der Daten könne dann mit dem Gerät auch ein feedback-gesteuertes Training erfolgen. Der Geschäftsführer von Haynl-Elektronik führt es vor. Durch entsprechendes Aufschwingen der Therapiefläche sind gezielte Trainingseinheiten möglich. Da die Muskeln auch im hohen Alter noch trainierbar sind, so Hentzsch, läge beispielsweise in der Prävention altersbedingter Erkrankungen wie Knochen- und Muskelschwund oder sensomotorischer Beeinträchtigungen ein großes Einsatzpotenzial für den „Posturomed“.

Die Anregung für dieses Gerät ergab sich aus dem Kontakt des Schönebecker Unternehmens mit der Firma HAIDER BIOSWING auf der weltgrößten Medizintechnikmesse MEDICA in Düsseldorf. Dort trifft sich jährlich die Fachwelt und nimmt den Gesundheitsmarkt von morgen in den Fokus. Auch Haynl-Elektronik ist hier Stammkunde, um internationale Geschäftsbeziehungen zu knüpfen und den Zukunftsmarkt mitzugestalten. Mit der Firma HAIDER besteht seit zehn Jahren eine Zusammenarbeit, aus der die permanente Weiterentwicklung von Software und Technik resultiert. Derartige Kooperation mit der Wirtschaft, mit Wissenschaftlern und Medizinern versetzen die Haynl-Elektronik mit ihren acht Mitarbeitern – Elektrotechniker, Informatiker, Medizintechniker – in die Lage, innovative Produkte zu entwickeln.

Biofeedback in Echtzeit

Die Gründung der Firma durch Kurt Haynl geht auf das Jahr 1982 zurück. Damals entwickelte der Betrieb Geräte für arbeitsmedizinische Untersuchungen in Krankenhäusern, Kliniken und betriebsärztliche Praxen. Mit Beginn der 1990er Jahre und den technologischen Möglichkeiten im Gesamtdeutschland konzentrierte sich das Unternehmen auf die Entwicklung hochleistungsfähiger Therapiegeräte und erschloss sich den Hochleistungssport als Geschäftsfeld.

Nach wie vor nutzt die Haynl-Elektronik ihre Erfahrungen, Kompetenzen und Netzwerke auf dem Gesundheitsmarkt und hat sich hier als namhafter Dienstleister etabliert. Seine Vertriebskunden verkaufen die Haynl-Produkte nach Polen, Italien, Österreich und in die Schweiz, nach Kuba, Mexiko und Großbritannien.

Im Mittelpunkt der Produktentwicklung und -fertigung stehen bei Haynl-Elektronik Behandlungsmethoden der Elektrostimulation und des Biofeedbacktrainings. „Durch unsere Nähe zur Praxis wissen wir von den Bedürfnissen von Medizinern, Therapeuten und Patienten“, sagt Carsten Hentzsch. In Kooperation mit einem Medizintechnikunternehmen aus dem Ruhrgebiet hat sein Unternehmen gemeinsam mit Wissenschaftlern der Ruhruniversität Bochum ein spezielles Elektrostimulations-Konzept und einen anwendungsorientiert programmierbaren Trainingsassistenten für die Schlaganfallrehabilitation entwickelt.

Des Weiteren wurden in enger Zusammenarbeit mit Urologen Elektrotherapiegeräte für die Behandlung von verschiedenen Formen der Inkontinenz und der Blasenentleerungsstörung auf den Markt gebracht. Sie funktionieren unter Anwendung von Elektrostimulation auf Muskeln und Nerven. Die erzeugten An- und Entspannungen sowie Muskelkontraktionen, die der Patient nicht ausreichend wahrnimmt, werden über visuelle Signale sichtbar gemacht. „Die Medizingeräte sind auch bestens für die Heimtherapie, also für das kontinuierliche aktive Training von Ausdauer, Kraft und Koordination der Muskulatur geeignet“, sagt Carsten Hentzsch.

„Gegenwärtig“, so das Mitglied der Unternehmensleitung, „nimmt die Haynl-Elektronik das internationale Außenmarketing als eine der wichtigsten Aufgaben wahr. In einem großen länderübergreifenden Netzwerk finden wir bessere Voraussetzungen für wirtschaftliche Kooperationen.“ Hentzsch denkt dabei auch an branchenübergreifende Kontakte, um der Firma neue Geschäftsfelder – basierend auf der elektronischen Mess-, Steuer- und Regeltechnik – zu erschließen.

Autorin: Kathrain Graubaum


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