Filigrane Schläuche für innovative Medizintechnik

Schlauchtechnik Twinhose ©Novoplast GmbH

Novoplast in Halberstadt gehört zu den innovativsten Mittelständlern in Deutschland

Kunststoffschläuche sind aus der Medizintechnik nicht wegzudenken. Vom Injektionsschlauch bis zum intelligenten Katheter werden die Produkte immer filigraner. Die Novoplast Schlauchtechnik GmbH in Halberstadt ist Spezialist auf diesem Gebiet und Entwicklungspartner für Hersteller medizinischer Geräte.

„Schläuche, die ein Röntgenkontrastmittel in die Blutgefäße pumpen, stehen unter Hochdruck“, sagt Martin Oye und spricht von etwa 83 Bar. Das Mittel müsse sich schließlich bis in die feinsten Kapillaren verteilen. Er vergleicht mit dem Luftdruck in einem Fahrradschlauch, der betrage im Mittel 25 bis 30 Bar. Bei Hörgeräten dagegen – er holt ein winziges aus dem Regal – komme es darauf an, dass die Kunststoffschläuche kaum zu sehen sind, aber Töne super gut übertragen können.

Einen Durchmesser von 0,1 bis 50 Millimeter und ein großes Einsatzspektrum haben die Kunststoffschläuche, die von der Novoplast Schlauchtechnik GmbH in Halberstadt hergestellt werden. Martin Oye leitet hier den Vertrieb der Medizintechnik, die zu 60 Prozent in Deutschland verkauft wird. 40 Prozent gehen in den Export, hauptsächlich innerhalb  Europas. „Wir arbeiten für unsere Kunden individuell und entwickeln Produkte nach deren Bedürfnissen“, erklärt Martin Oye, warum es bei Novoplast keinen Produktkatalog im klassischen Sinne gibt. Neben der erwähnten Anwendung in Hörgeräten und zur Röntgenkontrastmittelinjektion werden die Schläuche in Infusions- und endoskopischen Geräten sowie zur enteralen Ernährung eingesetzt. Zu den Kunden zählen namhafte Hersteller medizinischer Endprodukte. Oye spricht von langjährigen Geschäftsbeziehungen und von einem hohen Vertrauen zu Novoplast als Entwicklungspartner. „Die Kunden schätzen unsere Flexibilität, unsere zertifizierten Produktionsprozesse sowie die fachliche Kompetenz unserer Mitarbeiter“, sagt der Vertriebsleiter.

Medizintechnik hat in der Region Tradition

Als ein Beispiel für Spezialentwicklungen zeigt Martin Oye den Mehrkammerschlauch für einen Venenkatheter. Der transportiert drei verschiedene Stoffe, die sich nicht vermischen, aber dem Patienten zeitgleich zugeführt werden sollen. Ähnlich konstruiert ist der Doppellumenschlauch etwa für die Augenheilkunde. Durch ihn kann das Absaugen und Einspülen von Flüssigkeit gleichzeitig erfolgen.

Solche Schläuche werden in den Reinräumen des Halberstädter Unternehmens an modernsten Extrusionsanlagen produziert odermit anderen Bauteilen montiert. Präzision und Hygiene sind bei der Herstellung von Produkten mit medizinerscher Zulassung oberstes Gebot“, sagt Oye und lädt zu einem Gang durch das Unternehmen ein. 120 Angestellte sind hier beschäftigt: Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik, Betriebswirte, Produktionsmitarbeiter.

Die Novoplast Schlauchtechnik GmbH gehört zur Masterflex Group, einem Weltmarktführer im Bereich technischer Schläuche und Verbindungen. Im deutschen Wendejahr 1989 war das Familienunternehmen aus Gelsenkirchen noch sehr jung, hatte sich gerade zwei Jahre zuvor gegründet – und suchte nun durch die offene Grenze den Kontakt zu „Polyplast Halberstadt“. Der Betrieb hatte  schon seit den 1960er Jahren auf dem Gebiet der Medizintechnik Kompetenzen erworben. Reich an fachlicher Erfahrung und getragen von einer gewissen Gründerzeit-Stimmung ließen sich damals „Polyplast“-Experten überzeugen, die Novoplast Schlauchtechnik mitzugründen.

Für Martin Oye ist jenes erste Unternehmenskapitel gleichsam lokale Heimatgeschichte, für die er allerdings zu jung war, um sie bewusst zu erleben. Nach dem Abitur 2002 folgte der gebürtige Halberstädter seinen Eltern. Die waren – wie man damals so sagte – der Arbeit hinterher gezogen und im Schwarzwald gelandet. Nach seinem Betriebswirtschafts-Studium arbeitete Martin Oye dort im internationalen Vertrieb eines Medizintechnikunternehmens aus Tuttlingen. Als sich der vielgereiste junge Mann 2015 nach neuen beruflichen Herausforderungen umsah, fand er zur Masterflex Group – und zurück zu seinen Wurzeln im Harz.

Verschmelzung von Diagnose und Therapie

„Wir verleihen jedem Schlauch einen ganz speziellen Charakter“, heißt es auf der Internetseite der Novoplast Schlauchtechnik. Es geht also um mehr als um Farbe, Durchmesser und Form. Modifizierte Materialeigenschaften stehen im Fokus. Stets an Wissenstransfer interessiert, unterhält Novoplast unter anderem Kontakte zur Otto-von-Guericke-Universität OvGU in Magdeburg, zum Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS in Halle (Saale) wie auch zu innovativen Unternehmen der Regionen um Halle und Magdeburg. Rund 75Firmen aus der Medizintechnik-Branche haben in Sachsen-Anhalt ihren Standort.

Das Ausprobieren von Materialien und Materialkombinationen sei ein zukunftsorientiertes Thema, sagt Martin Oye und verweist auf die Biokompatibilität der Kunststoff-Komponenten. Vor allem sei die künstliche Intelligenz auch in der Medizintechnik ein Innovationstreiber. Da biete sich der Lehrstuhl für Intelligente Katheter INKA an der OvGU geradezu an für einen regen Wissensaustausch.

Der Novoplast-Vertriebsleiter hat die Bewegungen auf den Märkten aufmerksam im Blick. Er sieht die immer engere Verschmelzung von Diagnose und Therapie. Er sieht das Verlangen nach resorbierbaren Materialien und nach immer kleineren Instrumenten. „Indirekt ist auch häufig die Schlauchtechnik von solchen Entwicklungen betroffen“, weiß der Experte – und steckt gedanklich schon einmal mögliche Wege ab zu neuen „Spezialmärkten“. Gern folgt er dabei den Zukunftsforschern und ihren Visíonen, wohin sich die Medizin in den nächsten 10, 20, 30 Jahren entwickeln wird. Martin Oye sieht die Novoplast Schlauchtechnik als einen aktiven Mitgestalter. „Wir zählen nach 2016 schon zum zweiten Mal zu den innovativsten mittelständischen Unternehmen in Deutschland“, verkündet er stolz das Ergebnis des diesjährigen Innovationswettbewerbes TOP 100. Die Masterflex Group überzeugte in der Kategorie „Innovative Prozesse und Organisation“.

Autorin: Kathrain Graubaum


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