Digitale Tool-Lösungen revolutionieren Prozesse

Die Gründer Timur Ripke (links) und Sven Kägebein (rechts). ©COMAN Software GmbH

Mit ihrer Projektmanagement-Lösung revolutioniert die „COMAN Software GmbH“ den Anlagen- und Maschinenbau. Ihre Software vereint die digitale Bauplanung mit der detaillierten Terminplanung. Das Gründer-Duo baut auf lange Erfahrungen in der Software-Entwicklung und mischt sie mit frischem Unternehmergeist. Vom Norden Sachsen-Anhalts erobert das Start-Up jetzt neue Branchen und Kunden.

Maschinen- und Anlagenbauer kennen das Problem. Planer entwerfen Anlagen wie Produktionsstraßen und erstellen ein digitales Layout. Die praktische Umsetzung erfolgt vor Ort. Diverse Akteure nutzen die digitalisierten Vorlagen – allerdings in analoger Form als Ausdruck oder schriftliches Manuskript. Veränderungen, aktuelle Anforderungen oder der Bearbeitungsstand werden oftmals handschriftlich vermerkt. Die Kommunikation aller Beteiligten wird nicht selten dadurch erschwert, dass solche Notizen „untergehen“. Die Ursache dafür nennt Mats-Milan Müller „Medienbruch“. „Genau da setzt unsere Arbeit an“, sagt der Marketing-Chef der „COMAN Software GmbH“. Das Stendaler Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, die Planungsqualität bei Großprojekten zu erhöhen. „Wie kann der Status transparent erfasst und dargestellt werden?“ „Wie können alle Beteiligten – von der Führungsebene bis zu den Mitarbeitern der beauftragten Firmen – auf dem Laufenden gehalten werden?“ Die Antwort auf solche Fragen bietet das 2018 gegründete Start-Up mit seiner Software und der damit verbundenen Möglichkeit, das Projekt nicht nur per Desktop-Computern sondern auch per App mit dem Smartphone oder dem Tablet zu steuern.

Start-Up startet mit idealen Voraussetzungen

Mit der Entwicklung solcher Lösungen beschäftigen sich die beiden Geschäftsführer Timur Ripke und Sven Kägebein schon viele Jahre. Der Ruf nach einer solchen Software kam 2010 aus der Automotive-Branche. Gehört hat ihn die „Innovationsgesellschaft für fortgeschrittene Produktionssysteme in der Fahrzeugindustrie mbH“ (inpro). In der Forschungsgemeinschaft, zu der Unternehmen wie „Daimler“, „Siemens“, „Sabic“, „Thyssenkrupp“ oder „Volkswagen“ gehören, wird damals die Software zunächst exklusiv entwickelt – für die Organisation und Planung von Anlagenbauprojekten nach den Erfordernissen der „inpro“-Gemeinschaft. Ihre Marktreife erreicht sie im Jahr 2015. Drei Jahre später gründet sich damit als Spin-off die „COMAN Software GmbH“. Ein wichtiger und richtiger Schritt für die beiden Gründer. „Die Zeit war einfach reif und die Ausgangslage ideal“, sagt Timur Ripke. „Wir hatten eine erprobte Software und einen namhaften Kundenkreis, der sie bereits schätzen gelernt hat.“

Unternehmenssitz Stendal hat logistische und wirtschaftliche Vorteile

Die Wahl für die Unternehmensbasis fällt auf Stendal. Nicht nur, weil bei Sven Kägebein Heimatgefühle aufkommen. Beide Gründer, die sich in der Entwicklungsphase der Software kennengelernt haben und auf wissenschaftliche Laufbahnen in den Bereichen Mechatronik, Anlagenbau und Informatik verweisen können, sind sich über die Vorteile des Standorts im Norden Sachsen-Anhalts einig. Vor allem die Erreichbarkeit über die ICE- und Autobahnanbindung überzeugt sie, auch die günstige Lage zwischen Wolfsburg und Berlin, die Pendler anzieht. „Nicht zuletzt haben wir Stendal auch als guten Wirtschaftsbereich für uns gesehen. Und wir sind hier nicht ein Unternehmen von vielen, sondern können unser Produkt hervorragend herausstellen“, sagt Timur Ripke.

Weitere Branchen sollen von der Software profitieren

Unterstützung erhält das junge Unternehmen durch den Investor „bmp Ventures AG“ und durch Mittel des Risikokapitalfonds des Landes Sachsen-Anhalt. Zehn Mitarbeiter, darunter sechs Software-Entwickler, sorgen dafür, dass „COMAN“ auch in anderen Branchen ankommt. „Prozesse effizienter zu gestalten, Missverständnisse zu vermeiden, Termine einzuhalten und damit unnötige Kosten zu verhindern, das ist schließlich überall wichtig, wo in komplexen Prozessen gearbeitet wird“, sagt Mats-Milan Müller. Im Blick hat das Unternehmen dabei nicht nur die Branche des weltweiten Maschinen- und Anlagenbaus. Ebenfalls Branchen wie Gebäude, Kraftwerks- oder Flugzeugbau können heute schon von „COMAN“ profitieren, was bereits erfolgreich durchgeführte Pilotprojekte bestätigen. Kontakte für Pilotprojekte in weiteren bautätigen Industrien seien schon mal geknüpft, so der Marketing-Chef. Wenn es um den Bausektor geht, führt Timur Ripke als Argument für ihren ganzheitlichen Ansatz gern die Negativ-Beispiele Flughafen Berlin-Brandenburg und Elbphilharmonie an. „Mehr Transparenz in den Abläufen hätte hier sicher geholfen“, meint er.

Alle Akteure behalten den Überblick

Genau diese Transparenz gehört zu den wichtigsten Vorteilen der digitalen Tool-Lösung aus Stendal. Die Projekt- und Terminplanungs-Software visualisiert die gesamte Prozesskette – von der Beschaffung über den Aufbau bis zum Produktionsstart. Sie verknüpft die Terminplanung aller Beteiligten, integriert das Mängeltracking und den Fortschritt in einer zentralen Datenbasis. Planabweichungen werden sofort angezeigt. Dank grafischer Symbolcodes, sogenannter Smart Objects, wie Roboter, die auf einem visuellem Layout oder einer direkten CAD Vorlage verknüpft sind, behalten Projekt- und Bauleiter den Überblick. Dabei können alle Akteure ihre Daten selbst einspeichern. Der Auftraggeber steuert dabei, wer welche Bereiche einsehen soll. „Alles kann sofort auf der Baustelle eingespeichert werden und ist revisionssicher hinterlegt“, erklärt Timur Ripke. „Das geht auch offline, egal, wo man auf der Welt ist. Sobald man wieder am Netz ist, aktualisiert sich der Status.“ Dabei achten die Entwickler darauf, dass „ohne viel Firlefanz“ gearbeitet werden kann. Timur Ripke sagt: „Auf Baustellen muss alles meist schnell gehen. Man geht auf seine App, macht ein paar Klicks und hat alles auf dem neuesten Stand, der aktuelle Projektstatus ist jederzeit aktuell abrufbar.“

Altmärkisches IT-Unternehmen ist auf Wachstumskurs

„Weltweit“, „Echtzeit“ und „revisionssicher“ sind wichtige Vokabeln im altmärkischen Start-Up. Auch die Redewendung „über den Tellerrand schauen“. Das Unternehmen ist auf Wachstumskurs, beschäftigt sich derzeit intensiv mit der Darstellung von Praxisbeispielen, neuen Features, wie ein Dashboard für Manager, und eben der Anbahnung von Pilotprojekten. Mats-Milan Müller sagt: „Unsere digitale Lösung soll noch mehr als internationales Tool wahrgenommen werden – und wir als Innovationstreiber.“ Auch neue Mitarbeiter wolle man einstellen, so der Marketing-Chef, um „neue Kundenanfragen bearbeiten zu können, in neuen Branchen Fuß zu fassen und neue Märkte, wie China, zu erobern“.

Autorin: Manuela Bock

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