Mit virtuellem Training Menschenleben retten

Programmieren das Magdeburger Unternehmen „2tainment“ für die digitale Zukunft: die Gründer und Gesellschafter Stefan Weyl (vorn) und Bartol Ruzic. ©Manuela Bock

Magdeburger Start-up „2tainment“ erobert mit digitalen Simulationen die Medizintechnik

Virtuelle und Augmented Reality (VR/AR) öffnen allen Branchen Türen in neue Welten. Den Weg für die innovativen Technologien ebnen vor allem Games: Moderne Gaming-Technologie kommt nicht mehr nur in der Unterhaltung zum Einsatz, sondern ist in allen Bereichen zu finden. Wie stark sachsen-anhaltische Unternehmen auf dem Markt agieren, beweist die Magdeburger „2tainment GmbH“.

Sie hatten von Anfang an den richtigen „Riecher“. Im Jahr 2016 startet ein Gründer-Trio mit dem Unternehmen „2tainment“ in Sachsen-Anhalt. Das Bundesland rückt aus vielen Gründen in seinen Fokus. Die von der bmp Beteiligungsmanagement AG verwalteten IBG-Fonds, durch Landesmittel und der Europäischen Union finanzierte Venture Capital Fonds, beteiligen sich finanziell. Und die Gesellschafter wissen um die Studiengänge an den hiesigen Hochschulen, in denen Nachwuchs für die Spiele-Branche ausgebildet wird. „Dass wir uns in Magdeburg angesiedelt haben, war genau richtig“, sagt Development Director Bartol Ruzic, der heute als Duo mit Stefan Weyl die Geschäfte führt.

Die Gründer ziehen damals in Magdeburg zunächst in ein Büro am Wissenschaftshafen, sind damit nah dran an der Otto-von-Guericke-Universität, die gut ausgebildete Studenten und Absolventen hat und sofort Kooperationsmöglichkeiten bietet – vor allem wenn es um die Virtuelle Realität geht. Das Unternehmen baut zunächst die Basisgeschäftsfelder auf – entwickelt und vermarktet Hardware- und Software-Unterhaltungsprodukte, optimiert Hardware für Gamer. Als „Publisher“ ist die Firma in der ganzen Welt unterwegs und bedient alle wichtigen Game-Konsolen. Vor zwei Jahren bringt sie als erste in Sachsen-Anhalt mit dem Action-Game „Air Conflicts Secret Wars“ ein Spiel heraus, das bei „Playstation“ und Co. zum Einsatz kommt.

„Es ist spannend, was sich in der Medizintechnik tut …“

Soft- und Hardware-Angebote haben im Magdeburger Unternehmen inzwischen gute Gesellschaft bekommen. AR und VR eröffnen neue Geschäftswelten. „Wir wollen uns künftig verstärkt auf die Software-Entwicklung fokussieren“, sagt der Development Director. Wie XR – die Kombination aus virtueller und erweiterter Realität – eingesetzt werden kann, welche neuen Welten sich auftun, das fasziniert das Team. „Wir finden höchst spannend, was sich in der Medizintechnik tut“, sagt Ruzic. Wer nach „2tainment“ sucht, wird darum immer häufiger auf den Namen „2simulate“ stoßen, mit dem sich die Magdeburger Unternehmer eine eigene Marke im medizinischen Bereich aufbauen will. „Irgendwann könnte daraus eine neue Firma in Sachsen-Anhalt werden“, meint Bartol Ruzic.

OP-Training: Kooperationen am Forschungscampus der Magdeburger Uni

Erste Schritte in diese Richtung sind gemacht: Das Unternehmen unterstützt Wissenschaftler am Forschungscampus „STIMULATE“ der Otto-von-Guericke-Universität bei „AVATAR“: In diesem, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten, Verbundprojekt werden VR- und Visualisierungstechniken für ein innovatives chirurgisches Training entwickelt. Damit soll es künftig möglich sein, dass Ärzte an verschiedenen Orten gleichzeitig Operationssituationen simulieren. Operateure bewegen sich hierbei in einer Virtuellen Realität, können für Notfälle und Komplikationen trainieren, spezialisiertes Wissen austauschen. Am Projekt beteiligt sind auch die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, die Harvard Medical School in den USA sowie die regionalen Firmen „metraTec“ und eben „2tainment“. „Als sehr spannend“ stuft Bartol Ruzic diese Forschungen ein, bei denen seine Firma das „Multi-User-Kommunikations-Netzwerk“ entwickelt. Ein gutes Rüstzeug sei das „für weitere Simulationsprojekte im medizinischen Bereich“. Denn „2tainment“ widmet sich zusätzlich aktuell dem Thema Notfall-Simulator. „Wir waren kürzlich in knapp 30 medizinischen Zentren, um uns einen Überblick zu verschaffen, was verbessert werden kann“, erzählt Bartol Ruzic. Das Fazit lautet: eine ganze Menge. „In den Notfall-Aufnahmen ist der Bedarf an digitalen Optimierungen sehr groß. Fast alle Kliniken, die wir angesprochen haben, waren begeistert“, so der Development Director. Das Unternehmen reagiert schnell, baut einen Prototypen für Simulations-Möglichkeiten. Mittels VR-Brille und „Datenhandschuh“ können erfahrene und angehende Mediziner oder das medizinische Personal damit den Notfall trainieren und „durchspielen“, wie man schnell richtige Entscheidungen trifft.

Digitale Vision: Simulationen für alle Trainingsbereiche

Als Hauptpartner haben die Magdeburger hierbei die Berliner Charité an ihrer Seite. „Unsere Vision ist, daraus ein Medizinprodukt zu machen, mit dem man regelmäßig trainieren kann, um Qualifikationen zu erhalten, ähnlich wie bei Piloten“, so Ruzic. Dafür müssten allerdings noch Richtlinien und Prozesse in der Medizin verändert werden. Für das „2tainment“-Team steht zunächst die Teilnahme an Fachkongressen auf der Tagesordnung, neue Interessensgruppen und der weitere Bedarf sollen abgeklopft werden. „2020 möchten wir die erste einsatzfähige Version fertig haben“, sagt Ruzic.  Der Blick in die Zukunft richtet sich beim Magdeburger Unternehmen auch auf weitere Einsatzfelder. Egal, ob bei der Feuerwehr, der Polizei oder beim Katastrophenschutz, selbst beim Sport – überall, wo trainiert werden muss, könnten Simulations-Tools aus dem Magdeburger Start-up weiterhelfen. „Es gibt kaum Grenzen“, so der Unternehmer, „die Zukunft liegt für uns im virtuellen Bereich“.

Autorin: Manuela Bock

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