Auf Egelner Spike-Dornen ins Ziel

WBKT aus Sachsen-Anhalt hat eine Innovation für Sportler auf den Markt gebracht: Leichtathleten aus ganz Deutschland schrauben sich seit kurzem blaue Kunststoff-Dornen unter die Sohlen.

Mit Kunststoff statt Metall eifert ein Familienunternehmen den Gebrüdern Dassler nach

Das Familienunternehmen Werkzeugbau & Kunststofftechnik Kruse GmbH (WBKT) aus Sachsen-Anhalt hat eine Innovation für Sportler auf den Markt gebracht: Leichtathleten aus ganz Deutschland schrauben sich seit kurzem blaue Kunststoff-Dornen unter die Sohlen. Die sind genauso robust wie herkömmliche Ersatzspikes, aber für deutlich weniger Geld zu haben.

Entwicklung dank Experimentierfieber

Die Entwicklung dieser Dornen hat Anja Kruse, die das Unternehmen gemeinsam mit ihrem Vater und ihrem Ehemann führt, eigentlich ihren Töchtern zu verdanken. Denn in den zurückliegenden Jahren hat sie unglaublich viel Zeit auf Sportplätzen verbracht. Nicht, weil sie selber über die Tartanbahnen sprintete, sondern weil sie ihre Zwillingstöchter Laura und Michelle zu Trainings und Wettkämpfen begleitete. Immer mit dabei hat Mutter Anja dann eine kleine Box, in der die Spike-Dornen liegen – samt Schlüssel, um sie zu montieren. „Die Dornen nutzen sich ab, man muss sie regelmäßig auswechseln“, erläutert Anja Kruse. „Das geht mit der Zeit ganz schön ins Geld, zumal man pro Schuh zwischen 5 und 7 Dornen braucht.“  Weil die Ersatzdornen aus Metall recht teuer sind, kam sie auf die Idee, sie aus Kunststoff herzustellen. Das lag nahe, schließlich ist ihre Firma WBKT auf die Fertigung von Kunststoff-Formteilen spezialisiert. „Die Frage war, ob wir einen Kunststoff finden, der robust ist und nicht schneller verschleißt als die üblichen Metalldornen.“

Familie Kruse hatte das Experimentierfieber gepackt. Dank einer Förderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie im Rahmen des Programms „go-Inno“ konnten sie das Projekt 2016 in Angriff nehmen. Als die Maschine die erste Kleinserie ausspuckte, kamen wieder die Töchter ins Spiel. „Wir haben insgesamt 25 verschiedene Materialien im Sprint, beim Weitsprung und beim Hürdenlauf auf Tartan- und Aschebahnen getestet, um den perfekten Kunststoff zu finden“, sagt Anja Kruse. „Erst haben Laura und Michelle die Spike-Dornen getestet, dann auch die anderen Sportler in ihrem Verein .“

Als der Kunststoff mit den gewünschten Eigenschaften gefunden war und die Sportler den Daumen hoch hielten, ging die Produktion in Serie. Seit November 2016 sind die blauen Dornen nun im Handel. Verkauft werden sie bei einzelnen Sporthändlern, über Ebay, Amazon und den eigenen Webshop von WBKT. Eine große Werbeaktion haben die Egelner bislang nicht gestartet. „Unter den Sportlern spricht sich das sozusagen von selbst herum. Zu jedem Wettkampf nehme ich kleine Tüten mit, die wir verteilen. Das funktioniert gut, die Leute bestellen sie bei uns nach“, sagt Anja Kruse. Nach den ersten 10.000 verkauften  Dornen hielt sie freilich auch ihr Versprechen und bedankte sich bei ihren Töchtern für die Unterstützung während der Testphase: Die Elfjährigen hatten sich gewünscht, die Werbegesichter für das Produkt zu werden – nun lächeln sie in Start-Pose vom Poster an der Wand in Mamas Büro.

Die 6mm langen blauen Dornen aus Egeln passen an alle handelsüblichen Leichtathletik-Spikeschuhe. Dank eines mitgelieferten speziellen Schlüssels lassen sie sich besonders einfach aus- und einschrauben. Das Material sorgt nicht nur dafür, dass sie preisgünstiger zu produzieren sind, sondern hat auch den positiven Nebeneffekt, dass die Dornen ein geringeres Gewicht als ihr Äquivalent aus Metall haben. „Das ist bei Laufschuhen ja wichtig. Wer die Geschichte der Adidas-Erfinder, Adolf und Rudolf Dassler, kennt, der weiß, wie die beiden versucht haben, immer leichtere Sportschuhe zu entwickeln.“

Mehr als Dornen

Allerdings sind die Spike-Dornen nur ein ganz kleines Steinchen im Puzzle dessen, was WBKT produziert. Das Unternehmen, das vor 27 Jahren von Lutz Kruse als Einmannbetrieb im Keller seines Einfamilienhauses gegründet wurde, ist seitdem stetig gewachsen. Mehr als dreißig Beschäftigte arbeiten heute in den Bereichen Werkzeugbau, Tampondruck, Montage und Kunststoffverarbeitung. Um die Produktionsabläufe zu optimieren, wurde 2003 ein zweites Werk  in Betrieb genommen. Hier stehen moderne Spritzgießmaschinen, auf denen Klein-, Mittel- und Großserien gefertigt werden. Die Spritzgussformen werden vor Ort gebaut, so dass Kundenwünsche individuell umgesetzt werden können. Das Unternehmen arbeitet unter anderem für Medizintechnikfirmen und die Automobilindustrie. „Wir fertigen auch Kleinstteile mit einem Gewicht von unter einem Gramm“, sagt Anja Kruse und zeigt auf winzige farbige Zeiger, die später in Messgeräte eingebaut werden.

Doch neben den vielen Kundenaufträgen, die das Tagesgeschäft ausmachen, haben Vater Lutz Kruse, Tochter Anja Kruse und ihr Ehemann Michael Otto Spaß daran, neue Ideen auf den Weg zu bringen. Neben den Kunststoff-Spikedornen und einem Teleskop-Wandhaken wollen sie nun vor allem die borstenlose WC-Bürste voranbringen. Sie lässt sich mühelos reinigen, Schmutz und Keime perlen dank des Lotus-Effekts von der Oberfläche der Lamellen ab. Die Bürste hat es als „sauberste Klobürste der Welt“ immerhin schon in die Fernsehsendung „Galileo“ geschafft. „Wir haben dem Erfinder das Patent abgekauft, es ist ein tolles Produkt“, sagt Anja Kruse. „Wir haben die Bürsten noch etwas verbessert, fertigen sie hier bei uns im Werk und wollen sie nun vermarkten.“

Autorin: Dana Toschner

www.wbkt.de


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