Sachsen-Anhalt auf der transport logistic 2011

Gemeinschaftsstand des Landes Sachsen-Anhalt
Bis zum 13. Mai 2011 präsentierte sich die sachsen-anhaltische Wirtschaft und Forschung auf der weltweit größte Messe für Transport und Logistik in München.

 

So beurteilen die Aussteller dem gemeinsamen Messeauftritt
Die 30 Aussteller des Gemeinschaftsstandes Sachsen-Anhalt auf der transport logistic 2011 beurteilen den gemeinsamen Messeauftritt, der von der Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbh gemeinsam mit der Hafen Magdeburg GmbH organisiert und durchgeführt wurde, durchweg als positiv bis "hervorragend".


Dominik Scholl, Unternehmerberater und Geschäftsführer der 7LOG Consultants GmbH i.G.:
"Insgesamt war der Messeauftritt ausgezeichnet. Insbesondere am Sachsen-Anhalt-Tag konnten wir zahlreiche Neukontakte knüpfen. Aus den Gesprächen mit über 15 relevanten Entscheidungsträgern werden sich konkret mindestens drei bis vier Beauftragungen ergeben."

Conny Eggert, Geschäftsführerin der SALEG Sachsen-Anhaltinische Landesentwicklungsgesellschaft mbH:
"Die transport logistic 2011 war für uns eine gute Plattform, Kontakte zu knüpfen, um unsere Leistungen, die Bereitstellung von Flächen und das Projektmanagement für die Flächenerschließung, der Logistikbranche anzubieten. Der Gemeinschaftsstand des Landes Sachsen-Anhalt war ausgezeichnet geeignet, bestehende Geschäftsbeziehungen auszubauen und neue aufzubauen. Besonders positiv war für uns die Übernahme der Projektsteuerung für die Industrie- und Gewerbepark Mittelelbe GmbH zur weiteren Erschließung ihrer Flächen. Wir sind sehr zufrieden mit der transport logistic 2011."

Hendrik Fries, Geschäftsführer der Industrie- und Gewerbepark Mittelelbe GmbH:
"Wir möchten uns bei der Investitions- und Marketinggesellschaft für die hervorragende geleistete organisatorische Arbeit bedanken. Wir waren sowohl mit dem Stand-Layout als auch mit dem Rahmenprogramm auf dem Gemeinschaftsstand sehr zufrieden. Auch konnten wir hervorragende Kontakte in München knüpfen. Bereits heute können wir feststellen, dass wir uns bei der nächsten transport logistic Messe in München wieder am Gemeinschaftsstand Sachsen-Anhalt beteiligen würden."

Georg Dettendorfer, Geschäftsführer der Johann Dettendorfer Spedition FerntransGmbH & Co. KG:
"Die Transportmesse 2011 hat unserer Ansicht ein deutlich höheres Niveau als die letzten. Auch die Besucheranzahl war augenscheinlich höher als früher. Unser Stand auf dem Gemeinschaftsstand Sachsen-Anhalt war deutlicher frequentiert und neben den vereinbarten Kundenterminen und Einladungen waren auch eine große Anzahl an Besuchen von Interessenten aus der verladenden Industrie zu verzeichnen. Es gab eine Reihe von Neukundengespräche, die in einigen Fällen schon auch zu Neugeschäften führten. Bei den weiteren Kontakten befinden wir uns aktuell in den Auswertungen, Zweitgespräche und Prüfphasen. Wie viele Erstkontakte auch in dauerhafte Kundenbeziehungen übergehen, lässt sich momentan noch nicht beurteilen. Wie zu erwarten bestand der größte Anteil der Kundengespräche aus Kontaktgesprächen zu bestehenden Kunden. Hier war sicherlich der wesentlichste Vorteil, dass wir die Gespräche sehr gebündelt und ohne große Reiseaktivitäten gezielt durchführen konnten. Auffallend war bei allen Gesprächen, wie sensibel mittlerweile die Verladerschaft auf die Konjunktur, die Verknappung der Transportkapazitäten, aber auch auf ökologische Aspekte reagieren."

Lutz Zimmermann, Abteilungsleiter für Stadtmarketing und Kommunikation der Stadt Haldensleben:
"Diese Entscheidung hat sich als goldrichtig erwiesen: Die Messe hat ihren Ruf als effektivster Branchentreff zu Recht und war das ideale Podium, um unsere neuen Hafen- und Infrastrukturflächen in gezielten Gesprächen an Logistiker und Betreiber heranzutragen. Angesichts vieler sehr konkreter Gespräche rechne ich fest mit ergebnisorientierten Nachfragen in Auswertung der Messe."

Uwe Hädicke, Geschäftsführer Magdeburg-Cochstedt:
"Der Flughafen Magdeburg-Cochstedt international stellte mehreren Dutzend Logistik- und Frachtunternehmen den internationalen Verkehrsflughafen Sachsen-Anhalts vor. Dieser ist mit seiner hochmodernen Ausstattung und idealen verkehrstechnischen Anbindung in direkter Nachbarschaft zur deutschen Hauptstadtregion bestens geeignet, Waren- und Güter zu lagern und via Luftfracht weltweit zu verteilen. Neben großen Speditionen stießen unsere Angebote vor allem bei osteuropäischen und Luftfrachtfirmen der sogenannten Schwellenländer auf großes Interesse", so Flughafen-Geschäftsführer Uwe Hädicke. Erfreulich aus Sicht der Airport-Betreiber, so Hädicke weiter, sei, dass durch den Start der Passagierflüge vor acht Wochen mit der irischen Fluggesellschaft Ryanair der Flughafen Magdeburg-Cochstet im Bekanntheitsgrad schon beachtlich zugelegt hat. "Es ist dem Airport sehr wichtig, neben dem Segment des Passagierverkehrs das Frachtaufkommen am Standort in den nächsten Jahren massiv zu steigern. Baurechtlich sind alle Weichen gestellt, das in Frage kommende Areal ist voll erschlossen, somit können entsprechend von Kundenwünschen innerhalb weniger Wochen auch entsprechende maßgeschneiderte Bauwerke zur Frachtabfertigung errichtet werden."

 

Sachsen-Anhalt-Tag
Verkehrsstaatssekretär Dr. Klaus Klang stattete den Ausstellen aus Sachsen-Anhalt am 11. Mai einen Besuch ab, sprach mit Unternehmern und besuchte unter anderem den Messestand des Netzwerk Logistik Leipzig-Halle.

Gute Nachrichten aus München: Nach einem Gespräch mit Verkehrsstaatssekretär Dr. Klaus Klang am Rande des Sachsen-Anhalt-Tages gaben die Geschäftsführer der Landesentwicklungsgesellschaft des Landes Sachsen-Anhalt SALEG, Conny Eggert und Hendrik Fries, Industrie- und Gewerbepark Mittelelbe GmbH, bekannt. Ziel der Zusammenarbeit, so die Geschäftsführer, ist die infrastrukturelle Erschließung der Gesamtfläche von 550.000 Quadtratmetern, die Anbindung an die öffentlichen Straßen sowie die gesamte Medienerschließung. "Damit", so Fries, "schaffen wir die Voraussetzungen für neue Ansiedlungen und damit Arbeitsplätze". Weitere Informationen finden Sie hier.

Im Beisein von Sachsen-Anhalts Verkehrsstaatssekretär Dr. Klaus Klang und dem Wirtschaftsbeigeordneten der Stadt Magdeburg, Rainer Nitzsche, unterzeichneten am 11. Mai auf dem Gemeinschaftsstand des Landes die Magdeburger Hafen GmbH und die MUT, Magdeburger Umschlag und Lagerterminal GmbH, einen Vertrag zum Hafenbahntransport und Umschlag von Mineralölprodukten. Weitere Informationen finden Sie hier.

 
 

Zum Nachlesen – Logistik in Sachsen-Anhalt

Simon Hegele Gesellschaft für Logistik und Service mbH, Halle/Saale

Spezialisten der Simon Hegele Gesellschaft für Logistik und Service GmbH Niederlassung Halle weltweit gefragt.

Bei der Arbeit sehen sie aus wie Mediziner. Sie tragen Kleidung wie im Operationssaal. Sie stehen in vielen Ländern der Welt mit an Röntgen- und Strahlentherapieanlagen, wenn Patienten behandelt werden. Sie sind  hochqualifizierte Medizinproduktberater und Logistiker zugleich. Sie gehören zur Simon Hegele Gesellschaft für Logistik und Service mbH der Niederlassung Halle. Das Unternehmen gebe der Branche eine neue Architektur, sagt Niederlassungsleiter Toralf Weiße.

Bei der Arbeit sehen sie aus wie Mediziner. Sie tragen Kleidung wie im Operationssaal. Sie stehen mit an Röntgen- und Strahlentherapieanlagen, wenn Patienten behandelt werden. Das kann in Deutschland, aber auch in anderen Staaten Europas, in Australien, im arabischen Raum oder Asien sein. Die hochqualifizierten Medizinproduktberater, gehören zur Simon Hegele Gesellschaft für Logistik und Service mbH der Niederlassung Halle/Saale und arbeiten im Auftrag eines Kunden direkt in den Krankenhäusern und Arztpraxen. Von den rund 100 Mitarbeitern der Simon Hegele- Niederlassung in Halle/Saale sind zwölf ausgebildete Medizinisch-technische Radiologie-Assistenten. Das Unternehmen ist dabei, diese Zahl auf 20 aufzustocken, berichtet Toralf Weiße, Leiter der Simon Hegele-Niederlassung in Halle/Saale. Denn das Geschäft läuft gut.

Die Mitarbeiter der Simon Hegele GmbH transportieren nicht nur Medizintechnik im Bereich Röntgen- und Strahlentherapieanlagen im Auftrag eines großen Medizintechnikherstellers rund um den Erdball, sie stellen sie auch auf und installieren sie. Sie sind hoch spezialisiert und auf die entsprechenden Geräte geschult. Die Großgeräte, die zuweilen bis zu 15 Tonnen wiegen, müssen sogar manchmal bei laufendem Krankenhausbetrieb eingebaut werden. Doch die Spezialisten aus Halle hören nicht bei der Installation der komplizierten, manchmal tonnenschweren Geräte auf, sondern nehmen sie auch teilweise in Betrieb und installieren Software. Die Inbetriebnahmen werden von ausgebildeten Medizintechnikern durchgeführt. „Wenn wir fertig sind, kann der Arzt beginnen“, sagt Weiße. Die Medizinproduktberater weisen die Ärzte vor- und während der Anwendung  in den Bereich der Chirurgie und den medizinischen Fachgebieten Urologie, Radiographie, Fluoroskopie, Angiographie, Kardiologie und Mammographie an den Neugeräten ein. Sie schulen das medizinische und ärztliche Personal an den Systemen, sagt Weiße, der die Entwicklung dieses neuen Produkts angestoßen hat und die Weiterentwicklung stetig vorantreibt.

„Das ist eine andere Welt als die herkömmlichen Logistik“, erklärt Weiße. „Wir geben der Branche eine neue Architektur“, hebt der 45-jährige Verkehrsfachwirt hervor, der die Niederlassung an der Saale seit 1999 leitet. Logistik heißt für ihn nicht nur Waren von A nach B zu transportieren, sondern Logistik sei vor allem Mathematik und Architektur, beschreibt Weiße sein Verhältnis zu dieser Branche. Er sagt: „Wir denken Logistik weiter. Wir liefern nicht nur. Wir vereinfachen Prozesse, optimieren sie und sorgen für Innovation. Innerhalb von 24 Stunden vermögen wir unverpackte  Erzeugnisse an einen gewünschten Ort zu liefern. Wir übernehmen für unsere Kunden den technischen Service vor Ort, den Anschluss, die Verkabelung und die Inbetriebnahme. Wir verstehen uns nicht als Dienstleister unseres Kunden. Wir sind Partner“, so Weiße. Allerdings sei es nicht einfach, für diese moderne Art von Logistik Spezialisten zu finden, räumt er ein. Nach ihnen werde nicht nur weltweit gesucht, es werde auch eng mit Fachschulen in der Region zusammengearbeitet, um solche Fachkräfte auszubilden. 

So wie sich ein Teil der  Hegele-Mitarbeiter auf Röntgen- und Strahlentherapieanlagen versteht, sind andere Mitarbeiter für High Tech Geräte wie z .B. Geldautomaten, Kassentische, Kopiergeräte oder Backautomaten spezialisiert.

„Nahezu jeder Geldautomat in der Region ist von uns aufgestellt“, berichtet der Niederlassungsleiter. Auf den Fahrzeugen des Speditionsunternehmens sitzen stets zwei Mitarbeiter, die für die Produkte, die sie transportieren und installieren, geschult sind. Die rund eine Tonne schweren Geldautomaten werden z. B. transportiert, aufgestellt und verkabelt, die Software wird aufgespielt, Mitarbeiter von Geldinstituten werden eingewiesen.

Beim Liefern und Installieren von Kassentischen in Märkten großer Handelsketten sei Simon Hegele in der Lage, diese Spezial-Tische so vorzubereiten, zu konfigurieren und zu testen, dass sie innerhalb weniger Stunden aufgestellt und in Betrieb genommen werden können. „Dass eine Handelsfiliale geschlossen werden muss, weil sie einen neuen Kassentisch bekommt, gibt es bei uns schon lange nicht mehr“, versichert Weiße. 

Für ihn und sein Team ist diese High-End-Logistik, wie er sie nennt, ein Vorzeige-Produkt. In diesem Bereich gebe es weltweit nur wenige Mitbewerber, hebt er hervor. Es reiche eine Hand, um sie aufzuzählen. „Die Kunden kennen uns“, berichtet Weiße. „Sie produzieren hochwertige Erzeugnisse, wir bieten dafür die entsprechende Logistik“, fügt er hinzu.

Zu den Kunden von Simon Hegele in Halle/Saale gehört unter anderem ein großer ausländischer Hersteller von Kopiergeräten und ganzen Kopiersystemen. Für ihn werden vor der Auslieferung die Geräte durch die Hegele-Techniker komplettiert. Die Zusammenarbeit laufe so erfolgreich, blickt Weiße voraus, dass dieser internationale Kopiergeräte-Hersteller plane, in absehbarer Zeit eine Fertigungsstätte auf dem Gelände des halleschen Logistik-Unternehmens zu errichten. 

Diese Beispiele zeigen, dass das 1920 in Karlsruhe gegründete Familien-Unternehmen zwar als Möbeltransportfirma begonnen habe, aber über diese Wurzeln längst hinaus gewachsen sei, hebt Weiße hervor. Heute stehe auf dem Programm auch noch die klassische konventionelle Logistik, aber das Inhaber geführte Familien-Unternehmen entwickele darüber hinaus immer mehr zukunftsorientierte  Geschäftsstrategien über die gesamte Wertschöpfungskette. Diese Herausforderungen können gemeistert werden, weil Simon Hegele nicht nur über ein spezialisiertes, sondern auch hoch motiviertes Team verfüge. Mehrfach sei das Unternehmen als eines der 100 besten Arbeitgeber im deutschen Mittelstand ausgezeichnet worden, verweist Weiße auf zahlreiche Urkunden und Auszeichnungen, die auch die Wände der halleschen Niederlassung schmücken.

Halle/Saale ist eine von 25 Niederlassungen der Simon Hegele Gesellschaft für Logistik und Service in Deutschland. In der Saale-Stadt ist zudem die  Hegele Holzverarbeitung angesiedelt, welche maßgeschneiderte, auf  Produkte und Kunden abgestimmte spezielle Verpackungen für See-, Land- und Luftfracht für das gesamte Unternehmen herstellt.  Niederlassungen gibt es auch in Istanbul (Türkei), Abington (Großbritannien) und Chicago (USA).  

Insgesamt arbeiten weltweit ca. 2000 Männer und Frauen für Simon Hegele. Der Umsatz betrug im Jahr 2009 200 Millionen Euro. In Halle besitzt Simon Hegele seit 1991 eine Niederlassung. Der Schritt an die Saale hänge auch damit zusammen, dass Halle Partnerstadt von Karlsruhe sei. Das habe Kontakte nach dem Mauerfall erleichtert, erinnert Weiße. Damals seien Mitarbeiter  und Gelände eines großen ehemaligen Betriebes des DDR-Starkstromanlagenbaus  übernommen worden. „Manche Mitarbeiter sind jetzt schon 20 Jahre bei uns, die Fluktuation ist sehr gering“, erklärt der Niederlassungsleiter. Das Unternehmen wachse weiter. Derzeit seien allein  in Halle 20 offene Stellen zu besetzen, sagt der gebürtige Sachse aus Torgau, der in Weimar und Dresden studiert hat.

Kontakt

Gesellschaft für Logistik und Service mbH Simon Hegele
Toralf Weiße
Verlängerte Apoldaer Straße 24

06116 Halle/Saale

Tel. +49 (0) 345 564370

E-Mail: toralf.weisse@hegele.de

www.hegele.de

Sachsen-Anhalt ist ein Zentrum der Logistik-Forschung

Land fördert Projekte – Wissenschaftler arbeiten an innovativen Verkehrs- und Logistiksystemen

Das Energieeffizienz-Labor der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg ist eine Perle der Logistik-Forschung. Denn im deutschsprachigen Raum ist es einzigartig. Im Dezember 2010 eingeweiht, verfügt es über 800 Lagerplätze für Kleinteile. In dem 15 Meter langen, acht Meter hohen und vier Meter breiten Raum wird eine Situation simuliert wie sie in großen Lagerhäusern anzutreffen ist. Doch die Magdeburger Anlage kann mehr. Sie misst ununterbrochen und ganz detailliert sämtliche Energieverbräuche. Fast zeitgleich mit jeder Bewegung wird dargestellt und dokumentiert, was wird wann, wo, bei welcher Aktion verbraucht. Die hier ermittelten Ergebnisse können andernorts viel Geld sparen.

In dem Energieeffizienz-Labor wird unter anderem gemessen wie viel Strom kostet die horizontale und wie viel die vertikale Bewegung. Wie viel wird beim Herabfahren und was beim Bremsen gespart. Denn beim Bremsen des Bediengerätes, das die Regale bestückt, wird Energie frei. Bei horizontalen Bewegungen können bis zu 50 Prozent, bei vertikalen sogar bis zu 60 Prozent in das Stromnetz zurückgeführt werden. Aus den Ergebnissen könne zum Beispiel abgeleitet werden, ob es effektiver ist zuerst unten oder oben, mehr am Anfang ober mehr am Ende eines Hochregals einzulagern, beschreibt Professor Dr.-Ing. Hartmut Zadek, Leiter des Instituts für Logistik und Materialflusstechnik (ILM) an der Fakultät für Maschinenbau der Universität Magdeburg, den praktischen Nutzen dieses Labors. Sein Institut betreut das 250.000 Euro teure, vom Land Sachsen-Anhalt und der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierte Energieeffizienz-Labor, das neben der Grundlagen- und Anwendungsforschung auch in der Ausbildung von Logistik-Studenten genutzt wird. Von besonderem Interesse dürften die Forschungsergebnisse besonders für die Betreiber großer Hochregal-Anlagen sein. So habe zum Beispiel allein der Otto-Konzern an seinem Standort in Haldensleben mit jährlichen Stromkosten in Millionenhöhe zu tun. Die ersten Testreihen im Labor zeigten, dass bis zu 40 Prozent Energie zurück gewonnen werden könne, berichtet Hartmut Zadek, der den Lehrstuhl für Logistik an der Magdeburger Universität innehat. 

Dass dieses Labor an der Magdeburger Universität entstand, ist kein Zufall. Sachsen-Anhalt ist ein Zentrum der Logistik-Forschung. Es gäbe kaum eine andere Hochschule in Deutschland, an der so viele Lehrstühle mit dem Bezug zum Thema Logistik gebündelt sind, wie in Magdeburg, sagt Zadek, der auch an anderen deutschen Hochschulen als Lehrbeauftragter tätig ist. Neben dem von ihm geleiteten Lehrstuhl gibt es am Institut für Logistik und Materialflusstechnik zwei weitere. Der von Prof. Michael Schenk geleitete Lehrstuhl für logistische Systeme befasst sich vor allem mit der Logistik orientierten Fabrikplanung und -betrieb sowie der Modellierung und Simulation von Beschaffungs-, Produktions- und Distributionsnetzwerken. Prof. Schenk ist in Personalunion darüber hinaus seit vielen Jahren Chef des Magdeburger Fraunhofer Instituts für Fabrikbetrieb und -automatisierung (IFF). Daraus ergäben sich bedeutende Synergien in Lehre und Forschung hebt Zadek hervor. Das beim IFF angesiedelte Test- und Entwicklungslabor für RFID, für Funk-Etikette, erforscht und entwickelt auf 1.800 Quadratmetern die lückenlose Überwachung von Transportwegen durch innovative funk- und videobasierte Ortungstechnologien. Das Virtual Development and Training Centre VDTC des IFF befindet sich im Magdeburger Wissenschaftshafen. Es sei auf neueste Virtual Reality-Technologien für Anwendungen in der Industrie spezialisiert, so Zadek. Der dritte Lehrstuhl an dem von Prof. Zadek geleiteten Institut ILM befasst sich mit Materialflusstechnik. Er wird von den Professoren Klaus Richter und André Katterfeld betreut. Darüber hinaus widmen sich auch Wirtschaftswissenschaftler der Magdeburger Universität der Logistik-Forschung. Der Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft behandelt betriebswirtschaftliche Entscheidungsprobleme auf dem gesamten Feld der Produktionswirtschaft und des Logistikmanagements.

Zadek verweist auch auf Kollegen in Halle (Saale). An der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg werden von Professor Christian Bierwirth und seinem Team Produktions- und Logistiksysteme in Industrie- und  Dienstleistungsunternehmen erforscht. Auch an den Hochschulen Magdeburg Stendal, Harz, Merseburg und Anhalt-Köthen stehen Logistik-Themen auf den Lehrplänen.

Eine besondere Rolle nimmt das  Institut für Automation und Kommunikation ifak in Magdeburg ein.  Es ist ein eigenständiges vom Land Sachsen-Anhalt gefördertes Institut der angewandten Forschung. Es widmet sich besonders der Einführung aktueller Informations- und Kommunikationstechnologien in die Automatisierungstechnik. Unter der Führung von Professor Ulrich Jumar werden auch eine Reihe logistischer Themen verfolgt, hebt Zadek hervor.

Diese Konzentration wissenschaftlicher Kompetenz und die intensive Beschäftigung von Wissenschaftlern mit dem Thema Logistik werden in der Branche als eine Stärke Sachsen-Anhalts gesehen. So sagt Magdeburgs Hafendirektor Karl-Heinz Erhardt, das Land verfüge mit dem Hafen und dem Wasserstraßenkreuz im Norden, dem Drehkreuz rund um den Flughafen Leipzig/Halle und der Logistik-Wissenschaft drei logistische Pfunde, mit denen man phantastisch wuchern könne. Auch Toralf Weiße, Chef des Logistik-Netzwerkes Leipzig-Halle, das die Kräfte der Branche in der Region bündeln und den Standort weltweit vermarkten will, sieht die Logistik-Forschung in Sachsen-Anhalt „super aufgestellt“. Er wünscht sich, dass noch bekannter würde, an welchen Projekten die Wissenschaftler arbeiten, um Ergebnisse schneller in die Praxis überführen zu können.

Zadek sieht diese Konzentration der Logistik-Forschung in Sachsen-Anhalt weniger als Reflex auf die im Lande wachsende Logistik-Branche. Nach seinen Worten bringt die Wissenschaft vielmehr Vorleistungen, die von den Unternehmen in der Praxis angewendet werden können. „Logistik-Forschung beflügelt die Wirtschaft“, hebt er hervor. „Entscheider sehen, dass hier viel geforscht und ausgebildet wird. Warum sollten sie hier nicht auch investieren?“, fragt er. Dieser Gedankengang werde ja auch schon nachvollzogen, erklärt der 42-jährige Wissenschaftler mit Hinweis auf laufende oder geplante Investitionen von Branchengrößen wie Hermes in Haldensleben, von Rewe, Kühne & Nagel oder Dachser an anderen Stellen. Dabei erweise sich auch als großer Vorteil, dass im Land noch genügend große Flächen vorhanden sind, auf denen investiert werden könne, unterstreicht auch  Zadek Vorzüge des Landes als Logistik-Drehscheibe. 

Als einen Schwerpunkt, der derzeit intensiv an der Universität bearbeitet wird, hebt der Wissenschaftler das Telematik-Labor hervor, das noch in diesem Jahr fertiggestellt wird. Es soll sowohl der Forschung als auch der Lehre dienen. In ihm soll untersucht werden, wie Güterströme in der Stadt intelligent zu bündeln, auszulasten und dynamisch zu steuern sind. Das korrespondiere mit dem Entwicklungslabor des Gallileo-Testfeldes Sachsen-Anhalt, das vor einem Jahr von der Magdeburger Universität im Hafen eingeweiht wurde. Dieses ehrgeizige Projekt wird im Logistik-Konzept der Landesregierung ausdrücklich hervorgehoben. Es wird mit mehreren Millionen Euro gefördert. Es ist das einzige Entwicklungslabor und Testfeld für Ortung, Navigation und Kommunikation in Verkehr und Logistik in Deutschland, hieß es bei seiner Einweihung. Damit können laut Zadek modernste satellitengestützte Anwendungen für die Verkehrs- und Logistikbranche, den öffentlichen Nahverkehr, die Telematik und die funkgestützte Kommunikation im Verkehrsbereich von Unternehmen getestet und weiterentwickelt werden. Langfristiges Ziel sei die Vernetzung der verschiedenen Technologien und zum Beispiel der Aufbau von intelligenten und umweltorientierten Verkehrssystemen für Sachsen-Anhalt. Neu aufgebaut wird derzeit am Institut für Logistik und Materialflusstechnik das Thema Nachhaltigkeit in der Logistik. „Dabei wird die enge Verknüpfung von Ökonomie, Ökologie und Sozialem untersucht“, sagt Zadek. In der Logistik  verbinde der Begriff „Nachhaltigkeit“ wirtschaftliche Effizienz mit Ressourcenschonung. Im Mittelpunkt der Betrachtung stehe dabei der Mensch. „Wenn in einem Logistikzentrum alles automatisiert ist, muss das nicht die beste Lösung sei“, beschreibt Zadek die Richtung, in die es künftig gehen soll. Gemeinsam mit der Bundesvereinigung Logistik sei ein Kriterienkatalog erarbeitet worden, der empfiehlt, was bereits bei der Planung beachtet werden muss, um Nachhaltigkeit in der Logistik zu sichern. Das reiche von der Energieerzeugung bis hin zu Baumaterialien, so Zadek. Diese vielen Aktivitäten auf dem Feld der Logistik-Forschung trügen dazu bei, dass sich die Universität Magdeburg weiter als Kompetenzzentrum für innovative Verkehrs- und Logistiksysteme etabliert, erklärt der Logistik-Professor, dessen Institut eng mit solchen Unternehmen wie Continental, Bosch und Volkswagen und anderen zusammenarbeitet.

Dazu solle auch der enge Schulterschluss beitragen, sagt Zadek, den die Forscher mit der Landeshauptstadt hergestellt haben. Der Stadt sei es im vergangenen Jahr gelungen, bei einem Wettbewerb des Bundesforschungsministeriums unter die fünf deutschen Städte zu kommen, die in den kommenden fünf Jahren jeweils eine Millionen Euro erhalten, damit sie ihre Energieeffizienz verbessern. Die Gesellschaft für Wirtschaftsservice Magdeburg GWM begleitet und koordiniert dieses Projekt. Zu ihren über 30 Partnern gehören auch die Otto-von-Guericke-Universität, das ifak Institut für Automation und Kommunikation, das IFF Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automation, die Hochschule Magdeburg Stendal und das Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme. Insgesamt sollen bis zum Jahr 2020 durch eine Vielzahl von Maßnahmen mehr als 50 Prozent des gesamten Energiebedarfs – ohne Verkehr – aus erneuerbaren Energien und der Müllverbrennung gedeckt werden. Beim Verkehr soll durch ein ganzes Maßnahmenbündel und eine innovative Verkehrsmanagementzentrale – in Verbindung mit wesentlich effizienteren Motoren und einem relevanten Anteil an Hybrid- und Elektrofahrzeugen eine Reduzierung der CO2-Emissionen um 21 Prozent erreicht werden, berichtet Zadek. Insgesamt soll nach Angaben des Fraunhofer-Instituts der CO2-Ausstoß bis 2020 um mindestens zwei Drittel gegenüber 1990 reduziert und der Endenergieverbrauch um 20 bis 25 Prozent gegenüber 2007 gesenkt werden. Nicht nur für die Logistik-Forscher gibt es viel zu tun.

Kontakt

Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Institut für Logistik und Materialflusstechnik

Lehrstuhl für Logistik

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Hartmut Zadek

Tel. + 49 (0) 391 6718604

Fax: + 49 (0) 391 6712646

E-Mail: zadek@ovgu.de

www.ilm.ovgu.de

Logistik Netzwerk Leipzig–Halle

Schnelle Region für schnelle Logistik präsentiert sich in Moskau und MünchenNetzwerk Logistik Leipzig–Halle bündelt Interessen der Branche

Auf der weltweit größten Logistikmesse, der transport logistic München, Mitte Mai wird sich neben dem Gemeinschaftsstand der Logistikinitiative Sachsen-Anhalt auch das Logistik Netzwerk Leipzig-Halle e. V. mit einem eigenen Gemeinschaftsstand präsentieren. „Vorgestellt wird eine schnelle Region für schnelle Logistik“, sagt der Vorstandsvorsitzende des Netzwerkes, Toralf Weiße. Dabei bezieht sich das schnelle Tempo nicht etwa auf das schnelle Wachstum der Anzahl seiner Mitglieder. 2008 mit 20 Mitgliedern zumeist aus der Umgebung des Flughafens Leipzig/Halle gestartet, hat das Netzwerk jetzt fast 90 Mitglieder. Sie kommen inzwischen auch aus dem sächsischen Görlitz, dem sachsen-anhaltischen Magdeburg oder dem niederländischen Amsterdam.

Die Logistik-Region Leipzig-Halle bietet nach Toralf Weißes Worten einzigartige Geschwindigkeitsvorteile für ihre Arbeitsabläufe und für den Zugang zu ihren Kunden. Dazu gehören laut Weiße die kurzen Reaktionszeiten der öffentlichen Hand bei Genehmigungsverfahren. „Da sind wir in Deutschland mit die schnellsten“, sagt der Niederlassungsleiter der Simon Hegele GmbH Halle. Ein hohes Tempo ermögliche auch die inzwischen gut ausgestattete Infrastruktur. Die Kombination von Flughafen und den gut ausgebauten Autobahnen sei besonders geeignet für den Transport zeitkritischer Güter. Diese guten Rahmenbedingungen hätten in den zurückliegenden Jahren bereits zu vielen Investitionen entlang der Autobahnen geführt, besonders in den Branchen  Automobil und Logistik. Als herausragende Beispiele führt er BMW, Porsche, Amazon und das Luftfrachtdrehkreuz von DHL an. Er weist aber auch darauf hin, dass es abseits der Autobahnen keineswegs ebenso gut aussieht. „Da drohen Orte und Landstriche auszubluten“, weist er auf Folgen des demographischen Wandels hin. Nach seinen Worten  droht der sich ankündigende Fachkräftemangel auch das Tempo der Logistikbranche in Mitteldeutschland zu bremsen. Der Bedarf reiche vom klassischen Lagerarbeiter bis zum Hochschulabsolventen. Das Nachwuchsproblem ist nach seinen Worten nicht nur für die Region Leipzig-Halle, sondern für ganz Deutschland ein Substanzproblem. Eine Arbeitsgruppe des Netzwerkes beschäftigt sich deshalb mit dem Schließen der Nachwuchslücke. Unter dem Motto „schnelle Logistik grenzenlos“, streben Netzwerk-Mitglieder gemeinsam mit Arbeitsagenturen in Leipzig und Halle/Saale danach, die Beschäftigungschancen junger Erwachsener durch die Förderung von Sprachkenntnissen und internationalen Austausch- und Mobilitätsvorhaben zu erhöhen. Dazu gehören auch Praktika bei niederländischen Kooperationspartnern, nennt Weiße ein Beispiel. Das Netzwerk übernehme dabei die operative Projektsteuerung für die Kooperation mit den Unternehmen, die Transfers und die Öffentlichkeitsarbeit. Angestrebt werde vom Verein auch eine höhere Beschäftigungssicherheit und -Kontinuität, um bewährte Fachkräfte auch in „bewegten Zeiten“ in der Region zu halten oder sie sogar zurück zu holen. Derzeit laufe auch ein Projekt an, bei dem  Nachwuchskräfte trainiert werden, kleinere Teams zu führen. Das werde umso nötiger, da nach der Krise der Bedarf an Fachkräften deutlich anziehe, sagt Weiße. Das betreffe besonders Lkw- und Berufskraftfahrer, aber nicht nur sie. Die Nachfrage nach Logistik-Dienstleistungen nehme ebenso zu  wie die Nachfrage von Unternehmen nach Logistikimmobilien im Raum Leipzig-Halle. Sie  sei beträchtlich, erklärt Weiße. So habe eine vom Netzwerk initiierte Umfrage im Jahr 2010 ergeben, dass die Wirtschaftsfördergesellschaften der Landkreise Anhalt-Bitterfeld, Leipzig, Nordsachsen, sowie die der Städte Halle/Saale und Leipzig im Jahr 2010 Anfragen von Logistikunternehmen für Büro-, Produktions- und Lagerflächen im Umfang von insgesamt rund 740.000 Quadratmetern erhalten haben. Es zeige sich deutlich, dass die Investitionsbereitschaft der Unternehmer wieder steigt, kommentiert Weiße die Ergebnisse der Umfrage. „Besonders erfreulich ist dabei“, sagt er,  „dass die potenziellen Investoren die Standortvorteile unserer Region erkennen und schätzen und sie deshalb Leipzig-Halle als geeignete Standort-Option in ihre Zukunftsplanung aufnehmen.“

Damit das so bleibt haben sich die Netzwerk-Mitglieder viel vorgenommen. Neben der Nachwuchsgewinnung konzentrieren sich fünf weitere Arbeitsgruppen auf die interne Information und Kommunikation, auf Verbundmarketing nach innen und außen, auf die Investorenansiedlung, auf Know-How-Transfer und Innovationsförderung sowie auf die Kooperation innerhalb der Branche. Da das Netzwerk  nicht nur Logistik-Dienstleister, -Zulieferer und Verlader als Mitglieder hat, sondern auch Kommunen, Kammern, Bildungsträger und Personal-Beratungsunternehmen, könnten positive Lösungen erwartet werden. Denn dem Netzwerk gelinge es, einzelne Interessen zu einem Gesamtinteresse zu bündeln, erklärt der Vorstandsvorsitzende des Netzwerk e. V.

Dieses Gesamtinteresse bezieht sich auch auf die Außendarstellung der Region und des Netzwerkes. Deshalb beteiligt es sich nicht nur mit einem Gemeinschaftsstand auf der Messe transport logistic in München, sondern Ende April auch auf der Branchen-Messe TransRussia in Moskau. An deren Rande wird in der russischen Hauptstadt ein Auslandsbüro des Logistik-Netzwerkes eröffnet. Mit Unterstützung der Außenhandelskammer Sachsen-Anhalt sei bereits Anfang des Jahres ein Auslandsbüro in der chinesischen Hafenstadt Shanghai eingeweiht worden. Ein weiteres Auslandsbüro unterhalte das Netzwerk in Singapur. „Damit sind wir in wichtigen wachsenden Märkten der Welt vertreten. Das sind Anschubinvestitionen in die Zukunft“, ist sich Weiße sicher. Das Netzwerk  Logistik Leipzig-Halle wurde im September 2008 gegründet. Es hat derzeit 87 Mitglieder. Sie beschäftigen mehr als 14.000 Mitarbeiter. Ihr jährlicher Umsatz beträgt 1,3 Milliarden Euro.

Foto: Quelle Deutsche Post AG

Kontakt

Netzwerk Logistik Leipzig-Halle e. V.

Toralf Weiße

Vorstandsvorsitzender

Terminalring 13

04435 Flughafen Leipzig/Halle

Tel. + 49 (0) 341 2241980

Fax: + 49 (0) 341 2241981

E-Mail: mail@logistik-leipzig-halle.net

www.logistik-leipzig-halle.net

Mitteldeutsche Kunststoff-Logistik

Mitteldeutsche Kunststofflogistik erspart Chemie-Firma ein ganzes Zwischenlager. Silo-Batterie des Spediteurs direkt an Granulat-Produktion angeschlossen.

 

Sachsen-Anhalt ist ein Chemieland. In ihm fällt nicht auf, wenn eine Logistikfirma in ihrem Namen das Wort Kunststoff trägt. Und doch ist die Mitteldeutsche Kunststofflogistik GmbH & Co. KG Schkopau (MKL) etwas Besonderes. Das gilt nicht nur für Sachsen-Anhalt. Denn dass eine Speditionsfirma im Kerngebiet eines Chemieproduzenten einen Logistikterminal bauen darf, ist in ganz Deutschland ungewöhnlich.

Dieses Novum feierte in Schkopau Premiere, berichtet Sven Köcke, Sprecher der Unternehmensgruppe Finsterwalder Transport  und Logistik GmbH, der die MKL zur Hälfte gehört. Den anderen Anteil hält die Heilbronner Karl Schmidt Spedition GmbH & Co. KG. Gemeinsam gründeten sie 2003 das Schkopauer Tochterunternehmen und verschrieben sich ganz und gar dem Dow Olefinverbund. Die US-Firma habe damals die Logistik-Leistungen in dem Schkopauer Werk  ausgeschrieben und dabei zur Bedingung gemacht, dass es auf seinem Gelände im Logistikbereich nur einen Ansprechpartner geben soll. Um das zu ermöglichen gründeten Finsterwalder und Schmidt die  MKL und investierten 17 Millionen Euro. 2004 übernahm die MKL die gesamte Lager- und Logistik-Organisation für die Schkopauer Polyolefine-Produktion. Die Zusammenarbeit, die auf einem tiefen gegenseitigen Vertrauen zwischen dem Logistiker und seinem Kunden fußt, läuft aus der Sicht von Köcke reibungslos. „Wir sind bei dieser Art der Zusammenarbeit sehr auf einander angewiesen“, erklärt der 36-jährige Hallenser. Alles laufe sehr partnerschaftlich ab.

Das Vertrauen basiert auch auf einer langen Zusammenarbeit. Finsterwalder hat schon zu DDR-Zeiten Produkte aus dem damaligen Buna-Werk nach Westen transportiert. Die Zusammenarbeit wurde nach dem Mauerfall mit der  reuhand-Privatisierungsanstalt ebenso fortgesetzt wie auch mit dem neuen Eigentümer nach der Privatisierung im Jahr 1995. Da habe es nie eine Unterbrechung gegeben, blickt Köcke zurück.

Finsterwalder und Schmidt haben ihre jeweiligen Stärken in die MKL eingebracht. Die von Schmidt ist das Handling von Schüttgütern, die von Finsterwalder der von verpackten Waren. Die gemeinsame Anlage in Schkopau, in der jährlich ca. 300.000 Tonnen Polypropylen umgeschlagen werden, kann beides. Sie verlädt direkt in Silo-LKW, sackt das Granulat in 25-Kilo-Säcke ab und befördert sie auf Paletten in ein Lagerhaus, von wo die Säcke auf Lkw geladen und in alle Teile Europas verteilt werden. Dort wird das Polypropylen im Maschinen- und Fahrzeugbau, zu Haushaltsartikeln, in der Elektrotechnik, im Bauwesen oder in der Textilindustrie weiter verarbeitet. Dieselbe  Anlage kann das Chemieprodukt aber auch lose in Lkw füllen. Eine spezielle Waage ermöglicht das Zusammenwägen von Lkw und Ladung ebenso wie das exakte Befüllen der Fahrzeuge.

Ermöglicht wird dieser effektive Warenumschlag durch die von der MKL auf dem Werkgelände errichtete Logistikanlage. Diese besteht aus einer Lagerhalle für verpackte Ware mit 10 400 Quadratmeter Lagerfläche und der Silo-Batterie mit 70 Großbehältern. Jeder Silo fasst 500 Kubikmeter. Die maximale Lagermenge beträgt 17 500 Tonnen. Köcke sagt: „Diese Anlage ist das Herzstück von MKL.“ Die Silos sind mit einer pneumatischen Förderleitung unmittelbar an den Dow-Produktionsprozess angeschlossen. Aus den Silos kann das Granulat so auf kürzestem Weg in die Säcke oder auf Lkw gelangen. Stündlich können 45 Tonnen Ware in Säcke abgefüllt werden.

Als Vorteile, die sich für den Groß-Kunden aus dem Schkopauer MKL-Modell ergeben, nennt Köcke: „Der Transportweg zu einem Zwischenlager entfällt. Für den gesamten Logistikprozess gibt es nur einen einzigen Ansprechpartner. Er liegt in unserer Hand.“ 

Das in Schkopau praktizierte Verfahren sei für beide Seiten attraktiv. Deshalb hätten sich auch schon Betreiber anderer Chemiestandorte das Schkopauer MKL-Modell angesehen, berichtet der gelernte Speditionskaufmann und studierte Betriebswirt. Zu diesem Modell gehören eine Reihe weiterer Tätigkeiten, die MKL im Werk übernimmt. So betreut das Gemeinschaftsunternehmen von Schmidt und Finsterwalder  vor- und nachgelagerte Prozesse anderer Produktionsstätten. Das gilt laut Köcke für den Wareneingang, die Qualitätskontrolle, das Ziehen von Proben und die Organisation des weltweiten Musterversands. „Wir fertigen zudem die Be- und Entladung aller Lkw, auch die anderer Spediteure, ab. Das reicht vom Ausfertigen des Einlassscheins über das Ausstellen von Wiegenoten bis hin zu den Frachtpapieren und Zollunterlagen. MKL ist darüber hinaus verantwortlich für den Eingangscheck aller Lkw bei der Ankunft in dem Chemiewerk. „Geprüft werden dabei deren Sicherheit, so die Gefahrgutausrüstung, die Einhaltung der Werksvorschriften und die Kleiderordnung“ beschreibt Köcke die Vielfalt der Aufgaben.

Zu dieser Vielfalt gehört nach seinen Worten auch das Betreiben eines Lagers für den Geschäftsbereich Dow Automotive. In Schkopau stellt Dow alle Karosserie- und Scheibenklebstoffe für den Zubehör- und Ersatzteilmarkt in Europa und angrenzende Regionen sowie für die Erstausstattung im Automobilbau her. Die Anlage verfüge über automatisierte  Produktionsabläufe und Kontrollschritte sowie über ein 9.000 Quadratmeter großes Warenlager sowie effiziente Logistikeinrichtungen, teilte das US-Unternehmen bei der Inbetriebnahme dieses neuen Produktionsstandortes im Jahr 2009 mit.

Mit den wachsenden Aufgaben stieg auch die Zahl der MKL-Mitarbeiter. Beim Start im Jahr 2004 hatten wir 40 Mitarbeiter, erinnert sich Köcke. Heute sind es 200. Das ist ein Fünftel der gesamten Finsterwalder-Gruppe. Dazu gehören vor allem Fachkräfte für Lagerlogistik, aber auch Spezialisten für Arbeitssicherheit, Gefahrgutbeauftragte sowie Warenstrom- und Personaldisponenten. Von Chemie müssen sie alle so viel verstehen, dass sie die Risiken und Gefahren kennen und wissen, wie die Güter zu behandeln und zu lagern sind, beschreibt Köcke Anforderungen an die Mitarbeiter. In dieser Hinsicht stimmt in Schkopau die Chemie.

 

Kontakt

Mitteldeutsche Kunststoff Logistik

Finsterwalder Transport & Logistik

Sven Köcke

Delitzscher Straße 72

06112 Halle/Saale

Tel: +49 (0) 345 1228131
Fax: + 49 (0) 345 1228139

E-Mail: sven.koecke@finsterwalder.com

www.finsterwalder.com

 

 

Über die transport logistic
Der positive Trend im weltweiten Güterverkehr zeichnete sich auch auf der transport logistic 2011 ab:Die Internationale Fachmesse für Logistik, Mobilität, IT und Supply Chain Management verbuchte erneut eine gestiegene Nachfrage bei Ausstellern, nachdem sie bereits im Krisenjahr 2009 ein Rekordergebnis erreicht hatte. Die weltweit größte Messe für Transport und Logistik fand vom 10. bis zum 13. Mai 2011 in München statt.

Auf der Messe transport logistic und der integrierten Air Cargo Europe waren mehr als 1.800 Aussteller aus aller Welt zu Gast, die den globalen, intermodalen Warenfluss zu Straße, Schiene, Wasser und in der Luft abbildeten.