3D-Druck-Partys sind der Renner

IT macht’s möglich – Firmen aus Sachsen-Anhalt begeistern mit wegweisenden Produkten

 

Spielzeug aus dem 3D-Drucker, elektronische Verbrecherjagd oder Baustellenkoordinierung  per Mausklick – die Digitalisierung als Schlüsseltechnologie der Zukunft bringt innovative Produkte hervor, aber auch einen erhöhten Beratungs- und Sicherheitsbedarf. Die IT-Branche in Sachsen-Anhalt wächst mit diesen Aufgaben. Ihre Beschäftigtenzahl ist in den vergangenen acht Jahren um 46 Prozent gestiegen.

Industrie 4.0 soll die Unternehmen fit machen für die Zukunft. Haupttreiber für die sogenannte vierte industrielle Revolution ist die Digitalisierung. Doch für die meisten Unternehmen bringt sie zunächst Veränderungen in der gesamten Firmenkultur mit sich. Ob es den innerbetrieblichen Umgang mit der Datenflut betrifft, die Datensicherheit oder auch den Schutz vor Datenklau – Big Data muss beherrschbar werden. Aber Unternehmensleitungen falle es oft schwer, die IT-Thematik im breiten Blick zu behalten, weiß Christina Winne, Vertriebsleiterin der IT-Consult Halle GmbH (ITC). Die Firma wurde 2000 als Tochter der Stadtwerke Halle gegründet, hat über 200 Mitarbeiter sowie das Wissen und Knowhow jahrelanger Branchenerfahrung. Zu den Kunden der IT-Consult gehören sowohl die öffentliche Verwaltung als auch Klein-, Mittelstands- oder Industrieunternehmen aus der Wirtschaft.

Der Vorteil von ITC: Die Experten kennen die Abläufe in verschiedensten Fachbereichen und entwickeln passgenaue betriebswirtschaftliche Lösungen und Individualprogrammierungen. Mit dem Ziel der papierlosen Verwaltung beispielsweise hat die ITC ein einfach zu händelndes Dokumentenmanagementsystem im Portfolio. Zu den innovativen Eigenentwicklungen gehört  das Geoinformationssystem KomGIS, das den Kunden verschiedene Nutzungsmöglichkeiten offeriert; zum Beispiel als Programm zur Baustellenkoordinierung, als Besucherleitsystem in öffentlichen Gebäuden oder als Auskunftssystem über den Verlauf von Leitungen für Wasser- und Abwasser, Wärme, Strom, Telekommunikation... .

„Wir liefern das gesamte Leistungsspektrum eines Full-Service IT-Anbieters“, sagt Christina Winne. Die IT-Consult Halle gehört damit zu den Vertretern der IKT-Branche Sachsen-Anhalts, die den Schwerpunktbereich Software und IT-Services abdecken.

Aktuell sind insgesamt 14.000 Mitarbeiter in zirka 550 überwiegend mittelständischen IT-Unternehmen beschäftigt. Ihr gegenwärtiger Jahresumsatz liegt bei 2,2 Milliarden Euro. Die Fachleute sind beratend tätig und entwickeln Software individuell für Unternehmen, beispielsweise für Automobilzulieferer, Energieversorger und Maschinenbauer. Vor allem auch die öffentliche Verwaltung und Finanzdienstleister nutzen Software made in Sachsen-Anhalt.

Die Hochschulen des Landes mit zirka 3000 Studierenden in IT-spezifischen Studiengängen bringen leistungsstarke Fachkräfte auf diesem Gebiet hervor. Die „Programmierer der Zukunft“ sitzen aber auch schon im Kinderzimmer. Diese Zielgruppe im Blick, kamen drei junge Existenzgründer auf eine ganz ausgefallene Idee. „Die 3D-Druck-Technologie bietet viel Raum für Kreativität“, sagt Sebastian Friedrich, Mitbegründer und Geschäftsführer von „TinkerToys“. 2014 gegründet erhielt das Magdeburger Unternehmen für seine Entwicklung einer speziellen Konstruktionssoftware für Kinder auch gleich den IQ Innovationspreis Mitteldeutschland in Silber. Mit dieser Software entwerfen die Kinder aus vorgegebenen Formen individuelle Fantasie-Figuren, die sie dann dreidimensional ausdrucken.

Bislang, so Sebastian Friedrich, sei „TinkerToys“ deutschlandweit das erste IT-Unternehmen, das sich mit Spielzeugherstellung dieser Art beschäftigt. 3D-Druck-Partys sind inzwischen auf vielen Kindergeburtstagen der Renner. Mehr noch: Die Jungunternehmer investieren in Forschung und Entwicklung und arbeiten mit Partnern von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg sowie der Hochschule Magdeburg-Stendal zusammen. Momentan entwickeln sie eine Software-Variante für die Anwendung in Schulen. „Fachliche Anknüpfungspunkte reichen vom Kunst- bis zum Physikunterricht“, betont Sebastian Friedrich.

Innovative Ideen sprudeln auch bei Klaus Gehrmann, Geschäftsführer der AMG Sicherheitstechnik GmbH in Gommern. Sein Unternehmen entwickelt und fertigt Alarmsysteme und Videoüberwachungstechnik und vertreibt sie in ganz Europa. Viele Eigenentwicklungen sind patentrechtlich geschützt. Die AMG wurde 1988 gegründet, Sohn Carsten ist mit dem Unternehmen groß geworden und jetzt für Vertrieb und Marketing zuständig.

Mit ihrer neuesten Entwicklung, da sind sich die Gehrmanns sicher, sei ihnen ein großer Vorstoß gelungen. Bei „Alarmtab“, so heißt die Erfindung, handele es sich um die erste Einbruch-Aufklärungsanlage der Welt. „Wir bekommen vom Markt viel positive Resonanz“, sagt Carsten Gehrmann. Vater und Sohn haben vorausschauend die gleichnamige Firma „Alarmtab“ ausgegründet. Am 1. Januar 2016 ging sie an den Start. Noch in diesem Jahr werden zehn, mittelfristig sollen 50 Mitarbeiter eingestellt werden. Und: Schon jetzt ist „Alarmtab“ als eines der 100 innovativsten Unternehmen des Mittelstandes nominiert. „Wir lassen uns überraschen“, meint Carsten Gehrmann.

Überrascht sein soll auch der Täter darüber, dass ihn die Polizei so schnell ermittelt. Darum wollen die Gehrmanns nicht allzu viel verraten über ihre Erfindung. Nur so viel: Die Einbruch-Aufklärungsanlage kann der Polizei Gesicht, Stimme und sogar die Adresse des Einbrechers übermitteln.

Text: Kathrain Graubaum

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