Dornröschenschloss über der Saaleaue

das Schloss Plötzkau im Abendlicht

Altes Gemäuer in Plötzkau erwacht zu neuem Leben.

Autofahrer sehen das Schloss Plötzkau im Vorbeifahren nur einen Augenblick von der Autobahn A 14 aus. Die historische Anlage in der Nähe von Bernburg scheint im Dornröschenschlaf zu liegen. Doch der Schein trügt.

Über der Saaleaue erwachen die alten Gemäuer auf einem Sandsteinfelsen langsam aber stetig zu neuem Leben. Im Prinzenhaus agiert seit Anfang dieses Jahres Michaela Rothe. Als Betreiberin der Schloss-Schänke schwört sie auf die tolle Atmosphäre in den festen Mauern. Frisch nach Vorgaben des Denkmalschutzes wurde der Gastraum renoviert, in der Küche laufen die Vorbereitungen für den Abend. Auf den Tischen stehen Kerzenleuchter für ein romantisches Candle Light Dinner. "Mit unterschiedlichen Angeboten wollen wir Gäste auf den Schlossberg locken", berichtet die Gastronomin mit spürbarer Leidenschaft. Die Erfahrungen der ersten Monate machen Mut, für das kommende Jahr eine Vielzahl von Veranstaltungen zu planen. Sie spricht von einer Barocknacht, einem Operndinner, mittelalterlich geprägten Gelagen und Rockkonzerten. Auch an Kultur sei gedacht, Kabarett oder Buchlesungen hält Ela, wie die Schänkenchefin kurz und bündig genannt wird, für vorstellbar. Man müsse den Plötzkauer Diamanten zum Funkeln bringen, sagt sie. Auch Unternehmen gehören inzwischen zu ihren Kunden. Firmenfeiern oder Seminaren erhalten durch das tolle Ambiente einen besonderen Rahmen. Die Nachfrage nach solchen Offerten nicht allein aus der Region rund um Bernburg steigt.

Ein Blick in den Rittersaal und andere Räume belegt, dass das Schloss noch jede Menge Potenzial hat. Selbst ein romantisches Trauzimmer steht seit rund fünf Jahren Heiratswilligen offen. In den Sommermonaten machen Pedalritter Station, denn vom 427 Kilometer langen Saaleradweg, der direkt am Schloss vorbeiführt, ist es nur ein Katzensprung nach Plötzkau. Noch gilt dieser Abstecher als Geheimtipp.  

Die Stiftung Dome und Schlösser Sachsen-Anhalt hat Pläne zum weiteren Ausbau ihrer Liegenschaft. Ein Kraftakt muss vollbracht werden, denn der Zahn der Zeit hat seine Spuren hinterlassen. Durch eine Reihe von Sicherungsmaßnahmen den vergangenen Jahren hat sich das Bild schon deutlich geändert. Das Prinzenhaus wurde komplett in Ordnung gebracht und die Dächer sind weitestgehend dicht. Die instandgesetzten Räume im Schlossturm nutzt ein rühriger Verein als Museum, informiert über 7.000 Jahre Landwirtschaft im Anhaltischen, zeigte eine Ausstellung zu den Kreuzrittern an deren Zügen die Plötzkauer Grafen teilnahmen. Wer die Mühen des Aufstiegs nicht scheut, der kann den Schlossturm, im Volksmund als "Grauer Turm" bezeichnet, erklimmen. 158 Stufen sind es bis in das oberste Turmzimmer mit einer nachgestalteten Rittertafel. Von diesem Raum aus lohnt sich der weite Blick auf den Naturpark "Unteres Saaletal" und das Naturschutzgebiet "Plötzkauer Auewald". Viel Liebe zum Detail wenden die Vereinsmitglieder auf, um einen Besuch in der "Großplastik der Renaissance", wie die Anlage mitunter genannt wird, zu einem unvergesslichen Erlebnis werden zu lassen. In der Kinderkemenate tauchen Mädchen und Jungen als Ritter, König oder Burgfräulein in die Vergangenheit ein, entdecken das Schloss, lernen Korbflechten oder gehen auf Schatzsuche.

Mit der Sanierung des prächtigen Fürstensaals soll 2015 begonnen werden. Der herrlichen Stuckdecke gilt dabei volle Aufmerksamkeit. Für die Jahre danach gibt es erste Vorstellungen. Zusätzliche Toilettenanlagen im Fürstenhaus sind vorgesehen. Auch von Übernachtungsmöglichkeiten beispielsweise für Radwanderer ist die Rede. Die mächtigen Bauten über der Saale gehörten einst dem Askanier Albrecht der Bär, dem Gründer des Fürstentums Anhalt. Dieser soll um 1100 in der Bärenburg, dem heutigen Bernburg geboren worden sein. Im 16. Jahrhundert baute Fürst Bernhard II. von Anhalt Plötzkau zum Renaissanceschloss mit mehr als 70 Gemächern, Sälen und Stuben um. 1611 wurde das Fürstentum Anhalt-Plötzkau gegründet, das nur kurze Zeit bis 1665 bestand. Es gilt als kleinster jemals existierenden Staat Europas, in dem auf rund 40 Quadratkilometern 2.000 Menschen lebten.

Bildtext: Blick auf Schloss Plötzkau im Abendlicht.
Autor/Foto: Klaus-Peter Voigt

 

Kontakte:
Michaela Rothe
Schloßhof 1
06425 Plötzkau
E-Mail: hajoelro@t-online.de

 

Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt
Am Schloss 4
OT Leitzkau/ 39279 Gommern
Telefon: 039241 9340
E-Mail: leitzkau@dome-schloesser.de
www.dome-schloesser.de  

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