Mit "Baerlit" den Airbus zum Fliegen bringen


Rasterelektronenmikroskope von Zeiss setzen auf hochmoderne Grundplatten. Hergestellt im Mineralgussverfahren beweisen sie im täglichen Einsatz ihre Vorteile gegenüber Stahl, bringen es unter anderem auf eine 20 mal höhere Schwingungsdämpfung. Ihren Ursprung haben die Bauteile in Magdeburg. Die IZM Polycast GmbH&Co. KG liefert auch Spannvorrichtungen, auf denen in Spanien Bauteile für den Airbus A 380 entstehen.

Jürgen Bär ist Geschäftsführer des kleinen Unternehmens im Magdeburger Stadtteil Buckau. Im 19. Jahrhundert sorgte die Industrialisierung der Elbestadt dort für einen Innovationsschub. Hermann Gruson vervollkommnete den Hartguss. Für ihn war das damals neue Material zur Lebensaufgabe geworden. Kreuzungsstücke für Eisenbahngleise mit verbesserter Haltbarkeit brachten Aufträge, erwiesen ihre Vorteile gegenüber solchen aus Stahl. Die Qualität der in diesem Verfahren hergestellten Grusonschen Eisenbahnräder übertraf kein anderer Produzent in Europa.

Verlegen lächelt Jürgen Bär, wenn man auf solche historischen Bezüge zu sprechen kommt. Schon wehrt er ab, denn das Mineralgussverfahren ist nicht seine Erfindung. Er reizt es lediglich aus, tüftelt ständig nach Lösungen für unterschiedliche Anwendungen. Drei Jahre arbeitete der Maschinenbauingenieur an der Magdeburger Universität in Forschungsprojekten zum Mineralguss mit, dem sich die Bildungseinrichtung seit drei Jahrzehnten verschrieben hat.

"Gegenüber Stahl sind die Herstellungskosten geringer, wir brauchen ein Drittel weniger Energie und gegen viele Chemikalien ist das Material beständig", sagt er Ingenieur. Das Geheimnis der Technologie liegt in der Zusammensetzung. Epoxidharz geht dabei eine Verbindung beispielsweise mit Sand oder Kies ein. Diese Stoffe müssen vor ihrem Einsatz feuergetrocknet werden, damit jede Spur von Feuchtigkeit der Vergangenheit angehören kann. Beim Guss sind dann selbst komplizierte Formen herstellbar. Für Anwendungen wie bei Röntgenanlagen wird verwenden die Magdeburger Spezialisten auch Bleikugeln als Füllstoff, um den Strahlenschutz zu erreichen. Jedes Bauteil kann nach ende seiner Lebensdauer komplett recycelt werden.

Spricht Jürgen Bär von der permanent laufenden Forschung für neue Anwendungsmöglichkeiten strahlen seine Augen. Er sei der Mann für Forschung und Entwicklung. Sein Verfahren für "Baerlit" ist als Gebrauchmuster geschützt. Inzwischen gibt es fast 150 verschiedenen Rezepturen, drei befinden sich im ständigen Einsatz. "Ich habe auch Werkstoffe, die die Welt - noch - nicht braucht", räumt der quirlige Mann ein. Immer entscheide der konkrete Einsatz der Bauteile, der spezielle Wunsch des Kunden. Zum Beweis holt er einen schwarzes Block aus dem Schreibtisch. Kleine bunte Einschlüsse verraten erst auf den zweiten Blick die Herkunft. Bär nennt es "geschredderte gelbe Tonne". In Kombination mit Epoxidharz könne der Rohstoff sinnvolle Anwendungen erfahren, die auf leichte und elastische Materialien zurückgreifen müssen.

Vor zwei Jahren habe er um den Bestand seines Unternehmens kämpfen müssen. Der Einbruch beim Werkzeugmaschinenbau machte auch ihm zu schaffen. Statt 250 Grundgerüste für solche Anlagen wie 2007 wurden 2008 gerade einmal drei gegossen. Banken zögerten bei der Vorfinanzierung von Aufträgen. In dieser Situation  trug ein eher zufälliges Gespräch mit dem Unternehmer Felix von Nathusius Früchte. Heute hält jeder der beiden 50 Prozent Anteile an der Firma, der eine kümmert sich um den Verkauf, der andere um die Forschung und die Fertigung. Das Gespann funktioniert. IZM Polycast hat alle Klippen durchschifft. Bauteile unter anderem für Biogasanlagen und Dachziegel für Solaranlagen kamen als neue Aufträge ins Haus. "Unser Ziel sind Kleinserien und Einzelanfertigungen", berichtet Jürgen Bär. Dabei reicht die Palette von kleinen Musterteilen für Airbags bis zu 21 Tonnen schweren Stücken für Bohrmaschinengestelle. 50 Prozent der Fertigung gehen in den Export beispielsweise nach China, Großbritannien, Ungarn und Spanien. Die insgesamt acht Mitarbeiter wollen 2010 einen Umsatz von 1,2 Millionen Euro erreichen, der im kommenden Jahr  mindestens um 20 Prozent wachsen soll. Bär rechnet mit Neueinstellungen und dem Übergang zur Zwei-Schicht-Arbeit.

Autor: Klaus-Peter Voigt

Kontakt:

IZM Polycast GmbH?Co. KG

Porsestraße 19

39104 Magdeburg

Jürgen Bär

juergen.baer@izm-polycast.de

www.izm-polycast.de

vorheriger Beitragnächster Beitrag