Branchenriesen entdecken die IT-Landschaft Sachsen-Anhalts

Das Bekenntnis von IBM zum Standort Magdeburg ist eindeutig: Insbesondere die unmittelbare Nähe zu Universitäten und Fachhochschulen mit technischer Ausrichtung und die zentrale Verkehrslage lobt Gregor Pillen, Leiter der Unternehmensberatungssparte IBM Global Business Services: „Wir wollen unseren nationalen und internationalen Kunden hochwertige IT-Dienstleistungen ‚Made in Germany’ anbieten und finden in Magdeburg ideale Bedingungen dafür“, sagte er zur Eröffnung des IT-Services Center im Juni. Die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts wird damit eine zentrale europäische Schnittstelle für das weltgrößte US-amerikanische Informationstechnologieunternehmen. Von Magdeburg aus sollen künftig bis zu 300 hochqualifizierte Mitarbeiter die Entwicklung und Wartung von IT-Anwendungen sowie Beratung und Systemintegration für Kunden weltweit anbieten. Es geht insbesondere um flexible Lösungen für Big Data, Cloud und Mobile-Business-Technologien. Mit den Hochschulabsolventen vor Ort wird ein „Talent-Pool“ aufgebaut, der gleichzeitig ein Karriere-Sprungbrett ist.

Auf die wissenschaftliche und Verkehrsinfrastruktur setzt auch die deutsche Telekom-Tochter T-Systems. Nach Fertigstellung ihres neuen Rechenzentrums in Biere bei Magdeburg – die erste Ausbaustufe Mitte 2014 – soll der Serverpark mit 34.200 Quadratmetern Brutto-IT-Fläche zu den größten Rechenzentren Europas gehören. Er wird gemeinsam mit dem bereits bestehenden Magdeburger Rechenzentrum von T-Systems ein sogenanntes Twin-Core Datacenter, also ein Zwillingsrechenzentrum bilden. Das gebe den Unternehmenskunden insbesondere für Cloud-Anwendungen eine hohe Ausfallsicherheit, weil alle Programme und Daten parallel gesichert sind, erläuterte Klaus Poensgen, Leiter der Region Nord-Ost T-Systems. Das jüngste große Investment erweitert und sichert den Telekom-Standort Magdeburg langfristig.

Die Branche Informationstechnik und Telekommunikation ist in Sachsen-Anhalt längst aus dem Nischendasein herausgewachsen. Mehr als 500 Unternehmen beschäftigen rund 13.500 Mitarbeiter, von den überwiegend mittelständischen Firmen sind 79 Prozent Softwareentwickler und IT-Dienstleister, 14 Prozent erbringen Telekommunikationsdienste, die übrigen stellen Hardware oder Consumers Electronic her. In den vergangenen sieben Jahren stieg die Zahl der Beschäftigten trotz Finanz- und Wirtschaftskrise um 39 Prozent. Der Jahresumsatz liegt gegenwärtig bei mehr als 1,6 Milliarden Euro. „Alle unsere IT-Unternehmen haben internationale Bezüge, weil IT global agiert“, betont Dirk Bartens, Vorsitzender des Verbandes der IT- und Multimediaindustrie Sachsen-Anhalt.

 

Das Wachstumspotential begründet sich vor allem auf der steigenden Rolle des IT-Business als Querschnittsbranche, die Schlüsselprozesse in Wirtschaft und Verwaltung schlanker, effizienter und kostengünstiger gestaltet. Für optimale Geschäftsprozesse sorgt zum Beispiel die GISA in Halle/Saale. Vor 20 Jahren aus einem regionalen Energieversorger ausgegründet, hat sich das Unternehmen zum größten unabhängigen IT-Dienstleister in Mitteldeutschland mit rund 580 Mitarbeitern entwickelt, 2012 war ihr bisher erfolgreichstes Geschäftsjahr. GISA bietet Prozess- und IT-Beratung, Entwicklung und Implementierung von innovativen IT-Lösungen sowie die Auslagerung kompletter Geschäftsprozesse oder der gesamten IT-Struktur eines Unternehmens. Kunden sind vor allem Unternehmen aus der Energiewirtschaft und öffentliche Auftraggeber, zu denen seit 2012 die Kassenärztliche Vereinigung Bayern in München zählt.

Zu den bisher größten Projekten der GISA gehört die Betriebsübernahme und Betreuung der kompletten Büro-IT-Landschaft der Verbundnetz Gas AG (VNG) Leipzig und ihrer Erdgaslogistiktochter ONTRAS. Dabei wurden die IT-Systeme bei VNG und ONTRAS technisch und organisatorisch von diesen Unternehmen getrennt und in die Strukturen der GISA integriert.

 

Auch die TSA Public Services in Magdeburg bewegt sich mit ihren IT- und Telekommunikationsleistungen im Bereich E-Government auf einem Markt mit großer Nachfrage. Als herstellerunabhängiger Dienstleister entwickelt TSA webbasierte Lösungen für Behörden, Kommunen, Länder und den Bund. Schwerpunkt sind IT-Anwendungen für anspruchsvolle komplexe Verwaltungsaufgaben und –verfahren, für das Content- und Wissensmanagement sowie Standardisierungsvorhaben.

 

Das Unternehmen regiocom hat sich zu einem der größten Dienstleister für IT- und Geschäftsprozesse für die deutsche Energiewirtschaft entwickelt. Die Softwarelösungen und SAP-Anwendungen von regiocom unterstützen die Abrechnung, den Lieferantenwechsel oder das Regulierungsmanagement im Strom- und Gasmarkt. Geschäftsführer Klemens Gutmann: „Wer wettbewerbsfähig agieren will, muss betriebliche Prozesse schnell und effizient steuern können. Moderne Softwareanwendungen müssen in der Lage sein, dem steigenden Kostendruck und Optimierungsbedarf standzuhalten.“ Regiocom ist seit 2009 zertifizierter Geschäftsprozessdienstleister für SAP und damit Pionier in der Energiebranche. Die Servicecenter von regiocom an mehreren deutschen Standorten, in Österreich und Bulgarien betreuen Energieversorger und ihre Kunden europaweit.

Als „Partner für den Mittelstand“ mit 22 Mitarbeitern ist die integral systemtechnik Magdeburg (isM) auf die Entwicklung von Software für die optimale Steuerung von Produktionsabläufen spezialisiert, zum Beispiel für die Lagerbuchhaltung, die Materialflusssteuerung oder für die Maschinensteuerung bei Maschinen- und Anlagenbauern bundesweit. Solche mittelständischen IT-Unternehmen gibt es landesweit in Sachsen-Anhalt, zunehmend werden sie von Kunden in ganz Deutschland und in Europa „entdeckt“.

 

(Autorin: Ute Semkat)

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