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„Bei uns fängt Ihr Urlaub an“ – Mit seinem Slogan richtet sich der Flughafen Magdeburg-Cochstedt an jene, die sich durch alles gestresst fühlen, was der Antritt einer Flugreise auf großen Häfen so mit sich bringt.
„Bei uns entschleunigt schon die Anreise zum Airport“, lacht Geschäftsführer Uwe Hädicke und macht dessen Lage inmitten von Natur zu einem positiven Alleinstellungsmerkmal für seinen Flughafen. Die kurzen Wege hier sind auch für den großen Partner Ryanair interessant – und zunehmend für regionale Unternehmen mit eiligen Frachten, die hier beste logistische Bedingungen vorfinden. Im Transport von Luftfrachten sehen die Betreiber des Airports Cochstedt ein großes Zukunftspotenzial.
Im Bistro des Flughafens Magdeburg/Cochstedt sitzt eine junge Familie mit Kindern. Draußen auf der Besucherterrasse haben sich zwei ältere Paare mit ihrem Kaffee niedergelassen. Sie beobachten den Start einer roten Propellermaschine. Mit lautem Getöse hebt sie ab, sie legen ihre Köpfe in den Nacken und schauen, wie die Maschine gen Himmel steigt. Als es wieder still ist, sind weidende Schafe deutlich zu hören. Auf ihrer Wiese leuchten gelbe Löwenzahnköpfe. Internationaler Flugverkehr inmitten urwüchsiger Natur – das gibt es wohl auf keinem anderen Flughafen Deutschlands.
„Die meisten Reisenden wissen die Vorteile unseres kleinen Flughafens zu schätzen“, weiß dessen Geschäftsführer Uwe Hädicke und dass es zahlreiche Stammkunden gibt wegen der gewissen „Leichtigkeit“, mit der man hier eine Flugreise antreten kann. Jeder Gast darf das sichere Gefühl haben, bei Bedarf persönlich betreut zu werden. Da kommt es sogar vor, dass ein Flugzeug ein paar Minuten wartet, wenn sich Passagiere verspäten. Oder dass den Gästen eine Besichtigung der Feuerwehr geboten wird, wenn sich ein Abflug verschiebt.
Die kurzen Wege in Cochstedt sind nicht nur für die Fluggäste erfreulich. Sie sind ebenso für die Fluggesellschaft Ryanair ausschlaggebend für die Fortsetzung der Partnerschaft. Eine Fluggesellschaft, so der Geschäftsführer, werde als Kunde von seinem Flughafen ebenso zuvorkommend behandelt wie die Passagiere. „Das bringt ein besonderes Vertrauen in die geschäftliche Partnerschaft.“ Wöchentlich starten Ryanair-Maschinen nach Barcelona und Palma de Mallorca. „Um seine Preise niedrig zu halten, brauchen insbesondere die Low Cost Carrier ein kurzes Zeitfenster zwischen Landung und Start, maximal 25 Minuten“, sagt Uwe Hädicke. „Auf großen Airports rollt eine Maschine ja unter Umständen schon zehn Minuten lang auf dem riesigen Feld.“
Zu Beginn 2011 nahm der Flughafen „Magdeburg/Cochstedt international“ seinen Passagierverkehr auf. Ein Jahr zuvor hatte die dänische Airport Development A/S den Airport gekauft und sieht seit dem viele hoffnungsvolle Augen auf sich gerichtet. Zu viele Enttäuschungen hatte es schon gegeben auf dem hürdenreichen Weg vom 1957 errichteten Militärflugplatz zum zivil genutzten Flughafen.
Bei dem, was er hier mache, sähe er auch sich persönlich gut beobachtet – von der Verwandtschaft nämlich, meint der Geschäftsführer. Der 42-Jährige ist in Neuhardenberg bei Berlin groß geworden, sein Vater allerdings stammt aus Nienburg an der Saale. Als Jagdflieger bei der NVA verschlug es ihn nach Neuhardenberg. Heute ist der Airport dort ebenfalls ein Unternehmen der Airport Development A/S – und Betreiber des Flughafens in Cochstedt. Dass man in Neuhardenberg einen Geschäftsführer mit regionalen Wurzeln zur Hand hatte, ist wohl ein Glücksfall. Uwe Hädicke wiederum betrachtet es als Hauptgewinn, dass der Flughafen von der Bevölkerung bis zu den Politikern auf kommunaler und Landesebene so sehr erwünscht ist.
Mittlerweile ist der Airport Cochstedt Arbeitgeber für 61 Menschen aus der Region – dank der unternehmerischen Ideen, die die dänische Airport Development A/S und Uwe Hädicke mit seinem Team entwickelt und zum Teil schon verwirklicht haben. Wie die Gründung der eigenen Airline „CSO City Fly“. Unter dieser Eigenmarke starten werktags Businessflüge nach und von München. „Und werden von regionalen Unternehmen schon rege genutzt“, freut er sich. Ende Mai wird das Angebot erweitert, dann geht’s mit der „CSO CITY FLY“ auch in das schweizerische Bern.
Des Weiteren hat der Flughafen Cochstedt sein eigenes Airport-Reisecenter gegründet. Hier ist man Kooperationspartner der SchmetterlingReisen aus Geschwand. Unter dieser Dach-Marke kooperieren allein in Deutschland mehr als 2.500 Reisebüros. „So können wir unsere Angebote vom Abflug bis zum Aufenthalt am Urlaubsort rund machen und werden auch in die Kataloge von anderen Reiseveranstaltern aufgenommen“.
Er lädt zum Rundgang ein. Auf der Terrasse deutet sein Arm über das Rollfeld hinaus: „Für Natur ist immer noch viel Raum, wenn wir hier bis Ende des Jahres zwei Hallen errichtet haben.“ Er spricht von einem Cargo-Center. Grundlage aller Überlegungen ist eine Einschätzung des Instituts für Logistik und Materialflusstechnik (ILM) an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Es hat dem Airport gute Bedingungen bescheinigt für den Ausbau des Frachtverkehrs: die Anbindung an Autobahnen und Bundesstraßen, die 24-Stunden-Betriebsmöglichkeit des Flughafens, dessen Eignung für alle Flugzeugtypen – und schließlich 85 Hektar Platz für die Ansiedlung von Logistik-Dienstleistern. Nicht zuletzt sind auch hier wieder die kurzen Wege ein großer Standortvorteil.
Das ILM hat 100 Unternehmen ausgemacht, die von dem Cargo-Center profitieren könnten, etwa beim Transport von schnell verderblichen Lebensmitteln, gar von lebenden Gütern oder von Hochsicherheitswaren wie Pharmazeutika und lebenswichtige Organe.
Um bestmögliche Lösungen für spezifische Frachtfragen zu finden, hat sich der Airport einen Profi als Logistik-Dienstleister ins Haus geholt: das Unternehmen Trend Consult LTD aus Essen.
Gemeinschaftlich wird man in Cochstedt unter Beweis stellen, dass sich Entschleunigung und Schnelligkeit nicht zwangsläufig ausschließen müssen.
Autorin: Kathrain Graubaum
Kontakt:
Uwe Hädicke
Geschäftsführer Flughafengesellschaft Magdeburg/Cochstedt mbH
Harzstraße1
39444 Hecklingen,
Tel.: +49 39267 606-0
E-Mail: haedicke@airport-cochstedt.de
Web: www.airport-cochstedt.de
Totgesagte Bahnstrecke wurde wieder belebt - Lappwaldbahn holt erfolgreich Güter von der Straße auf die Schiene. Schwere Loks ziehen in scheinbar endloser Reihe Güterwagen durch eine malerische Landschaft bei Weferlingen. Sanfte Hügel und üppige Wälder prägen diesen Teil Sachsen-Anhalts nahe der einstigen innerdeutschen Grenze. Der Kontrast könnte kaum nachhaltiger sein. In der Region werden Baustoffe wie Schotter und Splitt aus dem Boden gebrochen. Salz kommt aus einem Bergbauschacht, Quarzsand aus einem Tagebau. Die Rückbesinnung auf den Schienenweg hat zwischen Haldensleben und Helmstedt längst begonnen, sagt Hans-Dieter Lewandowski, Geschäftsführer der Lappwaldbahn GmbH.
500.000 Tonnen Güter werden im Moment jährlich per Zug aus dem gesamten Areal abtransportiert. Davon entfallen 400.000 Tonnen auf die Lappwaldbahn. Das private Bahnunternehmen hat sich einer traditionellen Aufgabe gestellt. Mehr Güter von der Straße auf die Schiene zu bringen, das sehe er als erfolgsträchtiges Konzept, versichert Lewandowski. Allein die begrenzten Kapazitäten der Straßen rund um Weferlingen ließen in der Zukunft kaum eine andere Wahl. Die Bürger begrüßten eine deutliche Reduzierung der Fahrten der Lastkraftwagen, die ihre Lebensqualität beeinträchtigten. Dazu kämen die Forderungen potenzieller Abnehmer nach einer Anlieferung per Bahn.
Die Lappwaldbahn stellt sich der Aufgabe. 1997 gegründet, hat sie inzwischen rund 50 Kilometer Gleise übernommen, die die Deutsche Bahn nicht mehr betreiben wollte. Züge fahren inzwischen auf den Trassen Weferlingen–Grasleben-Helmstedt und Weferlingen-Haldensleben.
Um den Erhalt des Schienennetzes sorgt sich die Lappwaldbahn Service GmbH. Seit 2009 läuft die Sanierung der maroden Gleisanlagen. Alte Holzschwellen wurden ausgetauscht, Gleise und Weichen teilweise erneuert. 2,1 Millionen Euro wurden seitdem in die Strecken rund um Weferlingen investiert. Dafür gab es unter anderem Fördermittel des Landes Sachsen-Anhalt, das sich für solche Projekte stark engagiert, berichtet Hans-Dieter Lewandowski. Jetzt verkehren wieder problemlos schwere Güterzüge und das mit einer Achslast von 21,5 Tonnen. Noch einmal musste für die Ertüchtigung der Anlagen von Grasleben nach Weferlingen tief ins Portemonnaie gegriffen werden. Diese Bahnstrecke war während der Jahre der deutschen Teilung unterbrochen und ist nach Investitionen von 1,5 Millionen Euro spätestens im Herbst fit für den Güterverkehr auf der Schiene.
Eigentlich kam der Geschäftsführer "durch puren Zufall" zu seiner eigenen Bahn. Mehrere Jahre leitete er die Schule für Eisenbahn-Verkehrstechnik bei der Siemens AG Transportation Systems und sollte ein Konzept für den wirtschaftlichen Betrieb der Lappwaldbahn erarbeiten, die ursprünglich vor sich hin dümpelte. Die Aufgabe fesselte ihn, denn ein Faible für die Eisenbahn hat er schon seit frühester Kindheit. Beim Großvater, der Lokführer war, durfte der Steppke ab und an im Führerstand mitfahren. Als Vorruheständler wollte der heute 63-Jährige nicht die Hände in den Schoß legen und stellte sich einer neuen Herausforderung.
Sein Engagement trägt Früchte. 2011 brachte es die Lappwaldbahn auf einen Umsatz von 1,2 Millionen Euro, der in diesem Jahr verdoppelt werden soll. Durch die Betriebsführung auf die ans eigene Streckennetz angrenzenden Anschlussbahnen funktioniert das Gesamtkonzept. Neun Loks sind ständig im Einsatz, Technik für den Gleisbau wurde angeschafft. Die Güterzüge des privaten Bahnunternehmens sind letztlich in ganz Deutschland unterwegs. Gesucht sind zudem ständig Lokführer. Ihnen bietet die Lappwaldbahn eine Anstellung auf Dauer an. Gegenwärtig beschäftigt das Unternehmen rund 30 Mitarbeiter.
Für die Zukunft hat Lewandowski weitere Pläne. Er möchte sich auch auf den Containerverkehr einstellen. Den Hamburger Hafen sieht er als zentralen Punkt. Genügend Schienentransporte nach Sachsen-Anhalt müssten sich generieren lassen, zeigt sich der Geschäftsführer zuversichtlich. Die Weichen dafür möchte er stellen, allerdings mit dem Augenmaß eines Mittelständlers. Nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen, lautet seine Devise. "Wir wollen überschaubar bleiben, gesund wachsen", sagt er. Selbst die weite Anreise zur weltweit größten Messe für Transport und Logistik in China "transport logistic" dieses Jahres scheut der engagierte Eisenbahner nicht. Man müsse am Ball bleiben, Trends rechtzeitig erkennen. Containertransporte nach und von China haben eine Zukunft. Automobilzulieferer würden darauf verstärkt zurückgreifen.
Nur dann und wann bleibt Lewandowski ein wenig Zeit für besondere Fahrten. Dafür steht ein gut 60 Jahre alter und liebevoll auf den Namen Anton getaufter Triebwagen bereit. Knapp 100 Personen haben in ihm Platz. Er erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern. Der Triebwagen wurde 1951 gebaut und versah bei der Tegernseebahn, der Frankfurt-Königsteiner Eisenbahn, der Regentalbahn und Staudenbahn seinen Dienst. Schließlich landete das gute Stück in Sachsen-Anhalt, wurde saniert und dient heute als begehrtes Fahrzeug für Sonderfahrten. Nicht selten steht der Firmenchef dann selbst im Führerstand und lenkt das Gefährt durch die Landschaft. Schließlich müsse man sich auch für die Region engagieren und Besucher anziehen.
Autor: Klaus-Peter Voigt
Kontakt:
LWB Lappwaldbahn GmbH
Am Bahnhof 4
39356 Weferlingen
Tel.: +49 39061 41100
Ansprechpartner:
Geschäftsführer
Hans-Dieter Lewandowski
E-Mail: hans-dieter.lewandowski@lappwaldbahn.de
Web: www.lappwaldbahn.de
Die 230 modernen Lastkraftwagen der in Halle (Saale) beheimateten Finsterwalder Transport und Logistik GmbH (FTL) sind täglich nicht nur auf deutschen Straßen, sondern in ganz Europa unterwegs. Ob im Norden oder Süden, ob in Spanien oder Bulgarien: Das 1937 entstandene Unternehmen, das 1990 in Halle und Merseburg Standorte gegründet hat, befindet sich auf Erfolgskurs.
„Wir wachsen nicht schnell, aber wir wachsen stetig und nachhaltig“, sagt Sven Köcke, Leiter Marketing/Vertrieb/Immobilien des Unternehmens. Im Herbst vergangenen Jahres kletterte die Mitarbeiterzahl in dem halleschen Logistikunternehmen über die Marke von 800. „Vor zehn Jahren waren wir 300. In absehbarer Zeit wollen wir über 1.000 Männer und Frauen beschäftigen“, sagt Köcke voller Zuversicht. „Wir wachsen mit der Region und profitieren von ihrer geografischen Lage“, erklärt der 37-Jährige, der auch dem Logistikbeirat des Landes Sachsen-Anhalt angehört und Vorstandsvorsitzender der Landesfachkommission Verkehr beim Wirtschaftsrat Deutschland ist.
Mitteldeutschland sei eine Logistik-Drehscheibe.
Hier kreuzten sich große Warenströme, würden aufgespalten und über ganz Europa verteilt. Aus guten Gründen hätten deshalb auch solch große Logistik-Unternehmen wie Amazon, Rossmann, Hermes, Kaufland oder einst auch Quelle Standorte in der Region gegründet.
Das Schkeuditzer Autobahnkreuz gilt seit ewigen Zeiten als Ort, an dem sich Handelsstraßen von Nord- nach Süd- und von West- nach Osteuropa kreuzen. Das gelte nach wie vor, erklärt Köcke. Die hervorragende Verkehrsinfrastruktur verstärke diesen Vorteil. Dieser Vorzug werde noch stärker zum Tragen kommen, wenn auch die seit Jahren unvollendete Mitteldeutsche Autobahnschleife mit der A 143 im Westen der Großstadt geschlossen würde. Diese Lücke im Autobahnnetz bremse Finsterwalder ebenso wie das fehlende Teilstück der so genannten Osttangente in Halle. Das führe zu längeren Wegen bis zur Autobahn und damit zu einer höheren Umweltbelastung, kritisiert der Hallenser.
Die Deutsche Bahn AG investiert weit über 400 Millionen Euro in den Neubau einer Zugbildungsanlage und die Modernisierung des Knoten Halle/Saale. Damit werde sich die Attraktivität Sachsen-Anhalts für Logistik-Unternehmen weiter erhöhen, ist sich Köcke sicher.
Das sind einerseits Firmen aus der Region. Sie kommen hauptsächlich aus der chemischen Industrie, aus der Nahrungsgüterwirtschaft, aus dem Maschinenbau und der Papierindustrie.
Eine zweite bedeutende Kundengruppe sind nach Köckes Worten große Handelshäuser, die in Fernost produzieren lassen und Logistik-Drehkreuze benötigen, um ihre Waren in Europa verteilen zu können. Für solche Kunden hat FTL einen Seehafenhinterlandverkehr eingerichtet. „Wir holen Waren in Containern aus den Überseehäfen in Hamburg, Rotterdam und Bremerhaven ab und transportieren sie nach Halle. Zum Teil kommen die Container auch per Schiff über die Elbe bis zum Hafen Aken, von wo aus sie über die Straße nach Halle gelangen. Dort würden die Container geöffnet, entsprechend der Vorschriften dekontaminiert und die Waren an Empfänger in ganz Europa verteilt. Köcke bezeichnet es als für die mitteldeutsche Logistikbranche glücklichen Umstand, dass viele Länder in Osteuropa nicht an die Weltmeere angeschlossen sind. Sie seien auf den Weitertransport von Gütern auf dem Land angewiesen.
Täglich werden mit Partnern in allen Teilen Europas 700 Fahrzeugeinheiten disponiert.
FTL betreibt in Halle einen von zwölf Railports in Deutschland. Damit schließt die Deutsche Bahn AG die Lücke auf der sogenannten letzten Meile des Schienengüterverkehrs für Kunden, die über keinen eigenen Gleisanschluss verfügen. FTL verfügt über ein 2,5 Kilometer langes eigenes Schienennetz, über Gleisrampe und Rangierlokomotiven.
Heute hat die Finsterwalder Transport und Logistik GmbH in Sachsen-Anhalt zwölf Betriebsstätten. In Schkopau hat sie einen Neubau errichtet. An acht Standorten in Halle sowie in Eisleben, Merseburg und Bad Lauchstädt hat das Familienunternehmen ehemalige Industrieobjekte von DDR-Betriebe übernommen und zu neuem Leben als Lager- und Logistikflächen verholfen. Die Betriebsfläche beträgt an allen Standorten 500.000 Quadratmeter. Das ist eine Größe von fast 70 Fußballfeldern. Insgesamt wurden über 50 Millionen Euro investiert.
Die Weichen auf dem FTL-Gelände sind auf Wachstum gestellt.
Ausgebaut werden soll der Schwergutumschlag. Eine Deckenkrananlage mit Gleisanschluss ist bereits vorhanden. Als Kunden werden vor allem Firmen des Maschinen-, des Fahrzeug- und des Anlagenbaus gesehen. Erweitert werden soll auch der Umschlag von Übersee-Containern. 2011 hat FTL über 6.000 Container transportiert. Das Aufkommen in der Region sei groß genug für einen weiteren Containerumschlagplatz für den kombinierten Verkehr von Straße und Schiene, so Köcke.
2011 sind Niederlassungen im niederländischen Venlo und im estnischen Tartu zu den deutschen Standorten hinzugekommen. Im selben Jahr ist Michael Finsterwalder in das Management des Unternehmens eingestiegen. Damit dürfte nach Firmengründer Eugen und dem derzeitigen geschäftsführenden Gesellschafter Klaus Finsterwalder auch in dritter Generation die Fortführung der Firma als Familienunternehmern gesichert sein, erklärt Köcke. Aber auch die Ausbildung von Azubis sichert das Wachstum. So ist das Unternehmen 2011 als „TOP Ausbildungsbetrieb der IHK Halle-Dessau“ ausgezeichnet worden.
Kontakt:
Finsterwalder Transport und Logistik GmbH
Delitzscher Straße 72
06112 Halle/Saale
Sven Köcke
E-Mail: sven.koecke@finsterwalder.com
Web: www.finsterwalder.com
Ministerpräsident Haseloff besucht USA. Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff ist mit einer Delegation aus Sachsen-Anhalt, der u. a. auch Kultusminister Stephan Dorgerloh, die Landtagsabgeordneten Ulrich Thomas und Dr. Frank Thiel, der Geschäftsführer der IMG Sachsen-Anhalt mbH, Dr. Carlhans Uhle und Vertretern der Evangelischen Kirche Deutschlands sowie der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt angehören, vom 13. bis 19. Mai 2012 in die USA gereist. Im Mittelpunkt der Reise steht die Werbung für die Reformationsdekade und den 500. Jahrestag der Reformation 2017. Im Zuge der Reise werden ebenfalls Investorengespräche stattfinden. Nähere Informationen zur Reise, zum Programm und zur Delegation finden Sie hier.
Hermes Fulfilment und Kenco bauen Zusammenarbeit aus. Hermes Fulfilment und der amerikanische Logistikdienstleister Kenco Logistic Services erweitern ihre Zusammenarbeit. Ziel ist es, Online-Händlern, die ins Ausland expandieren, auf beiden Seiten des Atlantiks den Service zu bieten, den sie von ihrem Heimatmarkt bereits kennen. Kenco übernimmt im Auftrag von Hermes Fulfilment in Amerika das Warehousing und die Distribution im Rahmen der E-Commerce-Abwicklung. Weitere Informationen zu den Geschäftsbeziehungen finden Sie hier.
Harzer Logistikzentrum wird erweitert. Das Schwanebecker Logistikzentrum (Landkreis Harz) erhält ein neues Umschlagterminal für Stückgüter. Die Bauarbeiten begannen am 07.Mai 2012 und werden voraussichtlich bis Jahresende abgeschlossen sein, teilte Speditionsleiter Sebastian Gerloff von der Krage& Gerloff Logistik GmbH am Freitag in Schwanebeck mit.
Erfolgsfirma stockt ihr Personal auf. Zum vierten Mal innerhalb von fünf Jahren legte Firmengründer und Geschäftsführer Holger Sasse gemeinsam mit seinem Sohn Ronny und Anteilseigner Martin Erfurt einen dieser Grundsteine an der Siemensstraße im Ascherslebener Gewerbegebiet Güstener Straße. Diesmal für ein eigenes Logistikzentrum. "Schließlich müssen die Produkte auch zum Kunden", sagte der geübte Grundsteinleger in die Runde der rund 100 geladenen Gäste. Die ganze Nachricht lesen Sie hier.
Der Verkehr der Zukunft - sicher und innovativ, so Bundesverkehrsminister Ramsauer. Antworten auf aktuelle Herausforderungen in der Verkehrspolitik suchten die Verkehrsminister aus den 54 Mitgliedsstaaten des Weltverkehrsforums auf dem 5. Gipfeltreffen in Leipzig. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer eröffnete den Kongress. Die Teilnehmer berieten unter anderem über die Sicherheit von Kreuzfahrtschiffen, neuen Richtlinien zur Pirateriebekämpfung und das Krisenmanagement im Luftverkehr. Weiter Inhalte können Sie hier einsehen.
Überzeugen Sie sich von den Stärken unseres Bundeslandes. Aktuelle Zahlen, Daten und Fakten zum Wirtschaftsstandort Sachsen-Anhalt finden Sie hier.
Im ChemiePark Bitterfeld-Wolfen haben 360 Unternehmen ihren Sitz. Sie reichen von A wie Akzo Nobel Industrial Chemicals bis Z wie Zimmermann Entsorgung GmbH & Co. KG. Zusammen beschäftigen sie 12 000 Männer und Frauen. Daran war vor 20 Jahren nicht zu denken. Nicht wenige Experten gaben dem Standort damals keine Überlebenschance, erinnert sich Geschäftsführer Matthias Gabriel. Heute gilt der ChemiePark weltweit als ein Vorreiter beim globalen Strukturwandel der chemischen Industrie.
Paul Kriegelsteiner, Hauptgeschäftsführer der Chemieverbände Nordost, meint, die vor zwei Jahrzehnten in Sachsen-Anhalt aus der Not heraus geborene Idee der Chemieparks habe sich als Geniestreich erwiesen. Heute werde sie überall in der Welt kopiert. Verwirklicht ist diese Idee in der P-D ChemiePark Bitterfeld-Wolfen GmbH ebenso wie in den anderen mitteldeutschen Standortgesellschaften in Leuna (InfraLeuna), Schkopau/Böhlen (Dow Value Park), Zeitz (Infra Zeitz Servicegesellschaft) und Schwarzheide (BASF Schwarzheide GmbH). „Fast jede Woche kommen Besucher aus aller Welt“, berichtet Gabriel. „Die mitteldeutschen Chemieparks gelten als Erfolgsmodell“, sagt der Industriemanager, der auch Sprecher des Chemiepark-Netzwerkes ist.
In vielen Ländern werde versucht, das mitteldeutsche Chemiepark-Modell nachzuahmen. Allerdings haben wir hier auch beste Bedingungen für die Verwirklichung dieser Idee erhalten, räumt er ein. Der Dreh- und Angelpunkt für die Umstrukturierung von traditionellen Chemiestandorten ist für Gabriel die Frage nach der Beseitigung von Altlasten.
Die Grundidee von Chemieparks besteht nach Gabriels Worten darin, dass Chemieparkbetreiber allen Unternehmen an ihren Standorten eine attraktive wirtschaftliche Basis zur Verfügung stellen. Neben voll erschlossenen Flächen gehört dazu auch eine auf die chemische Produktion ausgerichtete Infrastruktur. Darüber hinaus werde den Investoren ein umfassendes Dienstleistungsangebot zur Verfügung gestellt. Dazu zählt nach Worten des 59-Jährigen ein professionelles Ansiedlungs- und Behördenmanagement. Alle notwendigen Hilfsprozesse würden professionell von Dritten erbracht. Zu diesen Leistungen gehören hauptsächlich die Versorgung mit Dampf, Wasser und Energie, die Planung der Anlagen, die Analytik, der Brand- und Objektschutz, die Entsorgung, die Standortlogistik und Public Relations. Dieses Konzept hat sich als Magnet für Investoren erwiesen. Seit Mitte der 90er Jahre haben sich mehr als 600 Unternehmen auf den sechs Standorten angesiedelt. Über 17 Milliarden Euro wurden investiert. 27 000 Arbeitsplätze sind entstanden. Die Chemieparkflächen betragen insgesamt 5500 Hektar, 500 davon sind sofort verfügbare, baureife Industrieansiedlungsflächen.
„Die Chemiestandorte in Sachsen-Anhalt sind die flexibelsten und die modernsten der Welt“, hebt Gabriel hervor, der seit zehn Jahren an der Spitze der P-D ChemiePark Bitterfeld Wolfen GmbH steht. Geschuldet sei das dem gesellschaftlichen und industriellen Umbruch vor mehr als 20 Jahren. Die daraus resultierende Dynamik und Flexibilität erweisen sich bis auf den heutigen Tag als Vorteile im internationalen Wettbewerb. „Sie müssen so lange wie möglich erhalten bleiben“, fordert er. „Dann sind wir für die Zukunft gut gerüstet.“ Der ChemiePark Bitterfeld-Wolfen verfügt nicht nur über sanierte Flächen, modernste Produktionsanlagen, ein exzellentes Straßen-, Schienen- und Rohrleitungsnetz, sondern auch über grüne Inseln. Das gebe dem Namen ChemiePark eine neue Komponente, hebt sein Geschäftsführender Gesellschafter Jürgen Preiss-Daimler hervor.
Bei allen Gemeinsamkeiten besitzt jeder der sechs Chemieparks aber sein eigenes Gesicht. Das gilt für Bitterfeld-Wolfen ebenso wie für Leuna, Zeitz, Schkopau, Böhlen und Schwarzheide. „Bei allen Eigenheiten der Standorte vermarkten wir die Chemieregion gemeinsam.“ Diese Gemeinsamkeit sei geradezu genial. Sie gäbe es anderswo kaum ein zweites Mal, hebt Gabriel hervor. So werden die mitteldeutschen Chemieparks auch während des international führenden Branchentreffs „Achema 2012“ im Juni in Frankfurt am Main nicht nur zusammen ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen, sondern auch gemeinsam um Investoren werben.
Laut Gabriel haben sich für dieses Jahr bereits vier ausländische Unternehmen für den Traditionsstandort Bitterfeld-Wolfen entschieden. Ein fünfter hat sich angekündigt. Die Investitionssumme liege wie in den Jahren zuvor im dreistelligen Millionenbereich. In der gleichen Größenordnung würden auch deutsche Firmen investieren.
Kontakt:
P-D ChemiePark Bitterfeld Wolfen GmbH
Matthias Gabriel
Zörbiger Straße 22
06794 Bitterfeld-Wolfen
Tel.: +49 3493 72488
E-Mail: chemiepark-gmbh@tpnet.de
Web: www.chemiepark.de
Einrichtungen der Fraunhofer-Gesellschaft gehören zur Königsliga der deutschen Forschungslandschaft. Vor diesem Hintergrund ist das neue Fraunhofer-Zentrum für Chemisch-Biotechnologische Prozesse (CBP) im Chemiepark Leuna ein Glücksfall für die dort niedergelassenen kleinen und mittelständischen Unternehmen: Mit wissenschaftlicher Hilfe können sie fortan ihre Produktion optimieren. Dabei kommt der Nutzung nachwachsender Rohstoffe eine besondere Bedeutung zu. Denn Pflanzen, Stroh, Holz oder Mikroalgen können langfristig Erdöl als Rohstoff für die chemische Industrie ersetzen. REPORT INVEST sprach darüber mit dem Leiter des neuen Zentrums, Gerd Unkelbach.
REPORT INVEST: Ein neues Fraunhofer-Zentrum in der Region ist ein Grund zur Freude. Aber warum entsteht es gerade in Leuna?
Unkelbach: Die Bedingungen hier sind ideal. In der Region gibt es viele kleine und mittelständische Unternehmen. Im Chemiepark Leuna selbst haben sich rund 75 solcher Firmen angesiedelt. Der überwiegende Teil davon ist für uns interessant. Denn wir verstehen uns als offene Entwicklungsplattform.
Was bedeutet das?
Unkelbach: Wir wollen den kleinen und mittelständischen Unternehmen innovative Forschung ermöglichen. Dabei schließen wir eine bisher bestehende Lücke, nämlich die zwischen Laborforschung und der Überführung neuer Erkenntnisse in die Industrieproduktion. Diese Spanne ist für Mittelständler teuer und deshalb kaum zu leisten. Wenn sie mit uns zusammenarbeiten, ist das günstiger und sie benötigen keine eigene Forschungsabteilung. Bereits jetzt arbeiten wir mit kleinen und mittleren Firmen an diversen Projekten, in denen es immer darum geht, Anlagen oder Produktionsabläufe zu optimieren oder zur Marktreife zu bringen. Im Mittelpunkt steht dabei die Nutzung nachwachsender Rohstoffe.
Wie muss man sich das vorstellen?
Unkelbach: Wir stellen den Firmen unser Wissen und unsere Versuchsanlagen zur Verfügung. Wir sind inzwischen zum Beispiel in der Lage, aus nachwachsenden Rohstoffen Basis-Chemikalien zu gewinnen, wie sie viele Firmen für ihre industrielle Produktion als Grundstoff benötigen. So können wir aus Holz oder Stroh die Basis-Chemikalien Äthylen, Propylen und Buten herstellen. Bisher werden sie überwiegend aus Quellen geordert, die für ihre Erzeugung keine nachwachsenden Rohstoffe, sondern Erdöl nutzen.
Und wie kann auf Erdöl verzichtet werden?
Unkelbach: In einer Pilotanlage können wir Holz und Stroh in ihre Bestandteile aufschließen. Dabei entstehen Cellulose, Hemicellulose und der Zellklebstoff Lignin. Die beiden erstgenannten lassen sich mit Hilfe biotechnologischer Prozesse in Zucker umwandeln, der zu Alkoholen weiterverarbeitet werden kann. In einem weiteren Schritt kann man daraus Olefine, also besagtes Äthylen, Propylen oder Buten herstellen. Im Leunaer Chemiepark und auch darüber hinaus gibt es etliche Unternehmen, die diese Stoffe dringend als Grundstoff für ihre Produktion benötigen. Sie müssen umdenken. Denn auf Dauer sind auf Erdölbasis hergestellte Olefine teurer und außerdem ungünstig unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit.
Apropos Nachhaltigkeit: Gibt es in den Unternehmen inzwischen ein Bewusstsein dafür?
Unkelbach: Auf jeden Fall. Aber die Bereitschaft, dafür einen höheren Preis zu zahlen, ist oft nicht sehr stark ausgeprägt. Doch wir werden um solche Diskussionen nicht umhin kommen. Unsere Erdölreserven werden in rund 50 Jahren aufgebraucht sein. Insofern ist die Suche nach Alternativen alternativlos.
Das Fraunhofer CBP wird bald ein neues Gebäude nutzen können. Wie ist der Stand der Dinge?
Unkelbach: Die Etablierung unseres Zentrums ist mit einer 50 Millionen Euro schweren Investition verbunden. Der überwiegende Teil davon kommt von Bund und Land. Unser Neubau entsteht derzeit am Rand des Chemieparks in Leuna. Er ragt mit seinen 150 Metern Länge auch optisch heraus. Dort stehen uns 15.000 Quadratmeter Fläche zur Verfügung. Herzstück wird ein Technikum. Dort können wir biotechnologische und chemische Prozesse unter Realbedingungen durchspielen. Dazu werden wir auch so genannte Mini-Plant-Anlagen nutzen: Wenn man so will, sind das kleine Fabrikteile, die aber schon groß genug sind, um Produktionsprozesse in größerem Rahmen als im Labor ablaufen zu lassen.
Sie sind zu Jahresbeginn aus Karlsruhe gekommen, um den Aufbau der neuen Einrichtung voranzutreiben. Was hat sich seitdem getan?
Unkelbach: Sehr viel. Ich habe mich zunächst nach gutem Personal umgeschaut. Derzeit sind wir bereits acht Leute. Bis zum Sommer wird die Mitarbeiterzahl auf 25 ansteigen. Sehr erfreulich: der überwiegende Teil von ihnen stammt aus der Region. Später sollen noch einmal 25 Mitarbeiter dazu kommen. Wir suchen noch Biotechnologen, Chemiker, Verfahrenstechniker, aber auch Laboranten und Chemikanten. Und wir sind zuversichtlich, im Juni in unseren Neubau einziehen zu können.
Autorin/ Fotografin: Ines Godazgar
Kontakt:
Fraunhofer-Zentrum für Chemisch-Biotechnologische Prozesse CBP
Gerd Unkelbach
Am Haupttor, Bau 4310
06237 Leuna
Außen grau und roh, innen schneeweiß und glatt wie Glas - der fachmännische Blick von Karl Heinz Kießling gleitet zufrieden über das Innere des viele Tonnen schweren Stahlbehälters. Der Leiter des Emaillierwerks bei der THALETEC GmbH im Nordharz prüft jeden neuen Auftrag aus technischem Email zwischen den Brennprozessen akribisch, weil Fehler hier nicht durchgehen dürfen.
Kießling arbeitet schon seit Jahrzehnten im Unternehmen. Er und sorgt mit seinen Erfahrungen dafür, dass die unterschiedlichen Materialstärken durch die im Ofen einzeln regulierbaren Temperaturzonen optimal aufgeheizt werden. „Das ist eines unserer wichtigsten Geheimnisse für die höchste Qualität im Spezialbehälterbau“ sagt er. Dazu kommen Innovationen, die die Konkurrenz alt aussehen lassen.
„Unsere Emaillierungen halten weit länger als die von Billigherstellern aus fernost, und wir können auch viel größere Behälter fehlerfrei emaillieren, versichert Geschäftsführer Dr. Jürgen Reinemuth, der das Unternehmen zusammen mit Jürgen Schleich und Karl. H. Bergmann Ende 2007 von der Schunk-Gruppe übernommen hat. Seither geht es steil bergauf: Erst im April haben vier Behälter von jeweils 90 Kubikmeter Füllvolumen per Schwertransport die Hallen in Richtung Hamburger Hafen verlassen. Von dort aus geht die Reise der zehn Meter langen, vier Meter dicken Kolosse weiter nach Shanghai. Es ist für THALETEC der erste Großauftrag aus China, weitere sind angebahnt. „Behälter dieser Größe sind weltweit nur von wenigen Herstellern lieferbar. Lokale Hersteller in China bieten maximale Größen von etwa 25 bis 30 Kubikmeter an“, so Reinemuth.
Das Traditionsunternehmen aus Thale bürgt seit rund 170 Jahren für Wertarbeit und hat sich stets gegen die Konkurrenz durchsetzen können. Es begann mit einfacher Haushaltsware, um 1900 begann sich das Chemie Email für Spezialanwendungen in der aufstrebenden chemischen Verfahrenstechnik durchzusetzen. „Damals kannte man das Problem mit der Verwechslungsgefahr beim Namen mit der elektronischen Post noch nicht, was aber für uns schon mal richtig ärgerlich wurde“, erinnert sich Reinemuth an die erste Zeit als geschäftsführender Gesellschafter. 2008 wurde deshalb sogar der alte Firmenname geändert: Aus der Thalemail wurde THALETEC.
Das Unternehmen gehört inzwischen zu den größten Industrie-Emailliern in Europa, der Jahresumsatz kletterte von 13 Millionen Euro auf inzwischen knapp 20 Millionen. „Wir exportieren bereits rund 70 Prozent, die Kunden kommen vor aus ganz West-Europa, zunehmend aber auch aus Russland und China“, so Reinemuth. Zwar agieren im aufstrebenden Reich der Mitte mindestens 70 einheimische Email-Firmen, doch wachse dort das Interesse an deutscher Qualitätsware für hochsensible Anwendungen stetig. „Unsere Apparate kosten mehr, halten aber auch deutlich länger, und wenn eine ganze Chemiefabrik wegen eines Behälters ausfällt, dann wird es viel teurer“, so Reinemuth.
Das Email – ein glasähnlicher Überzug aus rund 70 Prozent Quarzsand und entsprechenden Zuschlagstoffen - und einer Menge Erfahrung – schützt das Innere der Reaktoren vor Korrosion. Das lässt sich zwar oft auch mit Edelstahl-Legierungen erreichen, doch besonders bei konzentrierten Säuren, wie sie in chemischen Prozessen häufig auftreten, ist die Beschichtung mit hochwertigem technischen Email bis heute unübertroffen. Eigentlich, so Reinemuth, ist Email fast so beständig wie Gold, aber längst nicht so teuer oder selten. Im Gegenteil: Wir haben durch den starken Anstieg der Preise für Stahl Legierungselemente wie Nickel, Chrom oder Molybdän und anderen in Edelstahl enthaltenen Metallen für immer mehr Anwendungen Preisvorteile. Das spürt man inzwischen auch an Anfragen von Kunden, die früher üblicherweise in Edelstahl ausgelegten Anlagen bei uns anfragen“, sagt Reinemuth.
Die chemische Industrie ist nach wie vor das wichtigste Absatzgebiet, doch fast ein Drittel des Umsatzes erlöst THALETEC bei Kunden aus der Pharma-Industrie. Ganz gleich ob Aspirin oder Cortison - bei der Herstellung von Pulvern und Salben ist der Anteil emaillierter Rührwerke und Reaktoren noch weit höher,, als in der klassischen Chemie. Hier geht es weniger um den Korrosionsschutz als um höchste Reinheit und perfekte Reinigung. Emaillierte Oberflächen setzen keine Metallionen frei, sie lassen sich einfach und absolut rückstandsfrei reinigen – was bei den häufigen Produkt- und Chargenwechsel in der Pharmazie erforderlich ist. Vor zwei Jahren ist übrigens ein weitere Qualitätssprung gelungen: Durch Modifikation der Emailrezeptur konnte die Abriebfestigkeit des Emails so erhöht werden, dass sich die Einsatzdauer der Rührgeräte praktisch verdoppelt – was in diesem Frühjahr sicher auf der Leitmesse ACHEMA in Frankfurt am Main für Aufsehen in der Branche sorgen wird.
Doch damit nicht genug: THALETEC hat vor einigen Jahren eine Technologie entwickelt, mit der ein weiteres Geschäftsfeld erschlossen werden konnte. So stellt das Unternehmen jetzt auch emaillierte Wärmetauscher für die Kraftwerkstechnik her. „Die Rohrbündel aus mehreren hundert Kilometern emailliertem Rohr, die aus den Abgasen eines Kohlekraftwerkes noch einen guten Teil der restlichen Wärmeenergie aufnehmen, müssen in einem schwefelsauren, heißen Abgasstrom möglichst viele Jahre halten, was bislang als kaum möglich galt. Wir haben die Technologie, um diese Mengen in höchster Qualität zu emaillieren, es geht fast wie beim Brezelbäcker“, schwärmt Reinemuth. Der Einsatz der emaillierten-Wärmetauscher hilft auch der Umwelt, weil sich damit der Wirkungsgrad von Kohlekraftwerken – ganz ähnlich wie bei den Gas-Brennwertkesseln – noch um einige Prozentpunkte steigern lässt. „In Deutschland ist das zurzeit kein großes Thema, weil die Diskussion um die Übergangszeit zu rein grünem Strom nicht weiter kommt“, sagt der Manager. Doch nicht nur in China, wo jährlich Dutzende neue Kohleblöcke an Netz gehen, sondern auch in vielen anderen Schwellenländern und in Osteuropa ergeben sich hier große Absatzchancen.
Autor/ Fotograf: Manfred Schulze
Kontakt:
Dr.-Ing. Juergen Reinemuth
Managing Director/Technischer Geschäftsführer
THALETEC GmbH
Steinbachstraße 3
06502 Thale
Tel.: +49 3947 778-102
Web: www.thaletec.com
Das Fraunhofer-Pilotanlagenzentrum für Polymersynthese und -verarbeitung PAZ in Schkopau (Sachsen-Anhalt) erweitert seine Arbeitsgebäude um eine Logistikhalle mit Büroräumen. Das Zentrum ist eine gemeinsame Initiative des Fraunhofer-Instituts für Werkstoffmechanik IWM und des Fraunhofer für Angewandte Polymerforschung IAP. Erarbeitet werden hier Lösungen für Fragestellungen zur Optimierung der Prozesskette vom Syntheserohstoff bis zum Bauteil nach Maß.
Die ausführlichen Informationen zur Anlage und dem Bauvorhaben finden Sie hier.
Stickstoffwerke wollen 400 Millionen Euro investieren in den Chemiestandort Wittenberg. "In den kommenden Jahren sollen 400 Millionen Euro in die Erweiterung der SKW Stickstoffwerke Piesteritz fließen", sagte Aufsichtsratschef Andrej Babis. Details finden Sie hier.














